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Neunte Kunst

Biopic „Don’t Worry, weglaufen geht nicht“: Vom Leben gezeichnet

Zwei Cowboys stehen ratlos vor einem im Sand steckenden Rollstuhl und schauen in die Tiefe des Bildes. „Mach dir keine Sorgen“, sagt der ­eine zum anderen, „der wird zu Fuß nicht weit kommen.“ So funktioniert der Witz der simplen Cartoons, mit denen der 1951 in Portland geborene John Callahan berühmt wurde. Der US-amerikanische Regisseur Gus Van Sant („Promised Land“, „Milk“, „Good Will Hunting“) kommt in seinem herzergreifenden Biopic über den Cartoonisten immer wieder darauf zurück, denn Callahans ironische Konfrontation mit der Wirklichkeit ist vielsagend für die Verarbeitung der Schicksalsschläge, die sein Leben prägten.

Callahans Autobiografie ist die Grundlage des Drehbuchs für Van Sants Film. Callahan war schwer alkohol­krank, auf den eigenen Füßen stehen war nie seine Stärke. Doch es gab einen letzten Tag, an dem er das tatsächlich noch konnte. An diesem wachte er mit einem tierischen Kater auf. Er machte sich umgehend auf die Suche nach etwas Trinkbarem. Bis zu dem tragischen Unfall, der ihn später in den Rollstuhl brachte, sollte er keinen nüchternen Gedanken mehr erleben. Dass er das Auto, in dem er verunglückte, nicht selbst fuhr, ist eines der vielen ironischen Details, die seinen Lebensweg prägten.

Kampf gegen den Alkohol

Callahan (Joaquin Phoenix) wird diesen Umstand viele Jahre vor sich herschieben, um sich vor seiner Verantwortung für sein Leben im Rollstuhl zu drücken. Erst Jahre nach dem Unfall wird er in einer Sitzung der Anonymen Alkoholiker den Gedanken zulassen, dass er sich nur deshalb neben seinen stockbesoffenen Saufkumpan Dexter (Jack Black) ins Auto setzte, weil er zu betrunken war, um noch selbst zu fahren. Diese Einsicht ist Grundlage für Erkenntnis Nummer zehn des zwölf Stufen zählenden Konfrontationsprogramms der Anonymen Alkoholiker. Bevor John sich auf diese Art selbst vergeben lernt, musste er einsehen, dass er dem Alkohol gegenüber machtlos ist, dass er einen neuen Sinn im Dasein finden und allen anderen vergeben muss, die ihn zur Wut und zur Flasche gebracht haben. Dieser Prozess ist schwierig, aber auch unumgänglich. Nichts für Feiglinge, wie Callahan in seiner Therapiegruppe einräumt. Diese sektenhafte Ersatzfamilie trifft sich regelmäßig in der Villa des warmherzigen Gurus Donnie (lässig: Jonah Hill), um über die Bewältigung der Alkoholsucht zu sprechen.

Dort fällt Callahan jedoch nicht etwa auf, weil er im Rollstuhl sitzt und auf fremde Hilfe angewiesen ist, sondern weil er ein außerordentliches Maß an Selbstmitleid vor sich herträgt. Denn eigentlich sei er gar nicht alkoholkrank, sondern traumatisiert von der Abwesenheit seiner Mutter. Dass das eine Ausrede für seinen Alkoholismus ist, muss John in der Selbsthilfegruppe lernen. Denn jedes einzelne Mitglied dort hat gleich mehrere solcher herz­ergreifenden „Erklärungen“ für die eigene Trunksucht parat. Aus der von Donnie mit der Ruhe des Laotse-­Jüngers geleiteten Therapiegruppe stechen vor allem Beth Ditto in der Rolle der unwiderstehlichen Kratzbürste Reba und Tony Greenland als gelangweilter Pfleger Tim hervor, die John immer wieder an seine Grenzen führen.

Emotionale Achterbahnfahrt

Dass er es überhaupt in diese therapeutischen Sitzungen schafft, ist Annu (Rooney Mara) zu verdanken, die John nach seinem Unfall in der Reha kennenlernt. Er wird sich in sie verlieben und an ihrer Seite begreifen, dass auch ein Leben im Rollstuhl lebenswert sein kann. Und er beginnt seine Gedanken und Alltagsbeobachtungen in schwarzhumorige Cartoons zu überführen.

Gus Van Sant inszeniert dieses Biopic als emotionale Achterbahnfahrt, getragen von Phoenix’ beeindruckender Performance als an den Rollstuhl gefesselter Charakterkopf. Dem unkontrollierten Zittern vor dem erlösenden Drink und dem Gefangensein in einem zerstörten Körper verleiht er ebenso glaubhaft Ausdruck wie der Freude an den kleinen Dingen des Lebens – oder der Kraft, die Freundschaft und Liebe zu geben vermögen.


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