„Winnetou“-Debatte: MDR will DEFA-„Indianerfilme“ weiter ausstrahlen


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In der Debatte um Karl Mays „Winnetou“-Romane und den Vorwurf kultureller Aneignung werden nun auch die in der DDR von der DEFA produzierten „Indianerfilme“ zum Thema. Auf Nachfrage von „Bild“ teilte der MDR mit, dass die Filme weiter im Programm bleiben sollen.

„Ich kann Ihnen mitteilen, dass der MDR auch weiterhin entsprechende Produktionen senden wird“, teilte ein Sprecher des Senders mit. Für das Jahr 2023 stünden bereits mehrere der Produktionen im Programm. Der Bestand des DDR-Filmunternehmens wird von der DEFA-Stiftung verwaltet, der MRD hält aber aktuell Lizenzen zur Ausstrahlung. Im Juli waren zuletzt „Spur des Falken“ und „Weiße Wölfe“ zu sehen.

Schauspieler Gojko Mitic: „So ein Quatsch!“

„So ein Quatsch!“, diktierte Schauspieler Gojko Mitic „Bild“ zur Debatte ins Mikrofon. Der 82-Jährige spielte in zahlreichen „Indianerfilmen“ der DEFA die Hauptrolle, wie etwa in „Apachen“ (1973) und „Blutsbrüder“(1975).

„Indianerfilme gehören doch zu unserer Kultur, wie Krimis und Komödien“, sagte Mitic. Darin gehe es um Nächstenliebe, Blutsbrüderschaft, Völkerfreundschaft. Die DEFA-Filme seien sogar unter Mithilfe der Historikerin Liselotte Welskopf-Henrich († 78) entstanden, die zur Kultur nordamerikanischen Indianer geforscht habe.

Karl May war zwar Sachse, in der DDR-Kulturpolitik galten seine Werke aber als unerwünscht. Während in der BRD zahlreiche „Winnetou“-Filme entstanden und im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg die Karl-May-Spiele begannen, gab die DDR stattdessen beim „volkseigenen“ Filmunternehmen DEFA eigene „Indianerfilme“ in Auftrag. Diese sollten die Perspektive der von Kolonisten unterdrückten Indigenen einnehmen.

Ist Karl Mays „Winnetou“ rassistisch?

Der Ravensburger-Verlag hatte am Montag, den 22. August bekanntgegeben, zwei „Winnetou“-Bücher nicht mehr zu vertreiben. Daraus entwickelte sich eine Debatte um die Darstellung der Indigenen in Karl Mays Werken und darauf basierenden Filmen und Theaterstücken. Während beispielsweise der Hamburger Kolonialforscher Jürgen Zimmerer der Meinung ist, Mays Werk sei „in seiner „DNA rassistisch“, verteidigte unter anderem eine Petition der Karl-May-Stiftung den Stoff. May sei zwar  unvermeidlich vom kolonialistischen Zeitalter geprägt worden, aber seine Sympathie gelte in den Romanen grundsätzlich den Indigenen.