„Woke-Wahnsinn“ bei Queen? Kein „Fat Bottomed Girls“ mehr auf „Greatest Hits 1“

Eine Audioplattform für Kinder verzichtet auf den berühmten Queen-Song – vielleicht, um kein Vorbild für Bodyshaming zu sein?

Der Queen-Song „Fat Bottomed Girls“ ist fester Bestandteil der millionenfach verkauften „Greatest Hits“-Kollektion aus dem Jahr 1981. Der 1978er-Track aus dem „Jazz“-Album ist ein Evergreen, den trotz seines Titels, auf Deutsch „Mädchen mit dicken Hintern“, eben nicht nur von Ballermann-Druffis, sondern auch von „Normalos“ und weiblichen Fans der britischen Band mitgegröhlt bzw. mitgesungen wird.

Die „Best of“ wurde nun auf Yoto bereitgestellt, einer digitalen Jukebox für Kinder. Der Yoto Player spielt, wie die Seite bewirbt, Hörbuchgeschichten, Musik, Aktivitäten, Soundeffekte, Radio und Podcasts für Kinder ab. „Ein sicherer Weg für Kinder, erstaunliche Dinge zu entdecken“, heißt es da. Was fehlt: „Fat Bottomed Girls“. Ohne Begründung. Wahrscheinlich ist, dass das Thema „dicke Mädchen“ – wobei Queen „Mädchen“ eher umgangssprachlich meinten, also über erwachsene Frauen sangen – zu sensitiv sein könnte für manche jungen Hörer. Bodyshaming fiele einem hier ein.

„Diese zeitlose Sammlung enthält 16 klassische Titel zum Abrocken und ist mit über 25 Millionen verkauften Exemplaren eines der meistverkauften Alben aller Zeiten!“, heißt es weiter bei Yoto. „Es ist die ideale Einführung in die Musik von Queen für junge Musikliebhaber und der perfekte Soundtrack für Tanzpartys in der Küche, Singalongs auf Reisen, Luftgitarren-Sessions im Bett…. und vieles mehr.“

Dann kommt ein Warnhinweis: „HINWEIS: Bitte beachten Sie, dass die Texte in einigen dieser Lieder Themen für Erwachsene enthalten, einschließlich gelegentlicher Hinweise auf Gewalt und Drogen. Dies sind die originalen und unbearbeiteten Aufnahmen. Es werden zwar keine Schimpfwörter verwendet, aber wir raten zu elterlicher Diskretion, wenn Sie diese Inhalte jüngeren Kindern vorspielen.“

Ein Lied wie „Bohemian Rhapsody“ mit Zeilen wie „Mama, just killed a man / Put a gun against his head / Pulled my trigger, now he’s dead / Mama, life had just begun / But now I′ve gone and thrown it all away“ scheint nach Einschätzung des Yoto-Teams weniger bedenklich zu sein.  Ebenso „Another One Bites The Dust“ über Gang-Gewalt: „Steve walks warily down the street / With the brim pulled way down low / Ain’t no sound but the sound of his feet
Machine guns ready to go“.

„Fat Bottomed Girls, geschrieben von Gitarrist Brian May, behandelt das Faible eines jungen Mannes für fülligere Frauen. Noch 2008 sagte Brian May zu „Mojo“: „Ich habe das Lied mit Freddie Mercury im Hinterkopf geschrieben, so wie man es tut, besonders wenn man einen großartigen Sänger hat, der auf Mädchen mit dickem Hintern steht … oder Jungs.“

Der „Mail on Sunday“ sagte ein „Insider“ nun: „Die Musikindustrie redet darüber, niemand kann verstehen, warum ein so gutmütiger, lustiger Song in der heutigen Gesellschaft nicht akzeptiert werden kann. Es ist verrückt gewordener Wahnsinn. Warum schätzen wir nicht Menschen aller Formen und Größen, so wie es die Gesellschaft uns vorschreibt, anstatt es abzuschaffen. Es ist empörend.“

Schon 1978 war es nicht ganz leicht mit diesem Track. Erschienen als Doppel-A-Seite mit „Bicycle Race“, war auf dem Cover eine kaum bekleidete Frau auf einem Fahrrad zu sehen, mit üppigem Hinterteil im Maurer-Dekolleté. Das Musikvideo brachte Queen Ärger ein, weil Frauen darin nackt radelten und die Inhaber des Fahrradverleihs danach auf neue Sattel bestanden.

Trackliste „Greatest Hits 1“ auf Yoto:

Bohemian Rhapsody
Another One Bites The Dust
Killer Queen
Bicycle Race
You’re My Best Friend
Don’t Stop Me Now
Save Me
Crazy Little Thing Called Love
Somebody To Love
Now I’m Here
Good Old-Fashioned Lover Boy
Play The Game
Flash
Seven Seas Of Rhye
We Will Rock You
We Are The Champions

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