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Zu rätselhaft fürs große Publikum: Der ruhelose Psych-Folk von Trees


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Nur zwei Alben war der britischen Folkband Trees beschieden, „The Garden of Jane Delawney“ und „On The Shore“. Beide Platten erschienen im Abstand von nur neun Monaten und erinnerten zumindest im Ansatz an vieles, das Fairport Convention zur selben Zeit mit großem Publikumszuspruch produzierten, nur dass der surrealistisch-psychedelische Schleier, den die Musiker, darunter die betörende Sängerin Celia Humphris, über ihre Songs legten, viele Hörer ratlos zurückließ.

Anders als andere Vertreter des Psych-Folks verzichteten Trees auf den Einsatz ungewöhnlicher Instrumente, steigerten sich aber mit ruhelosen Harmonien in einen Rausch, am eindrucksvollsten wohl im bizarr interpretierten Folk-Traditional „She Moved Thro‘ The Fair“.

Entrückte Balladen, schräge Traditionals

Das Debüt der Gruppe schlägt oft einen ähnlich weihevollen Ton an wie die Incredible String Band, einige Neufassungen britischer Balladen sind aber deutlich entrückt, das selbstgeschriebene „Road“ mischt mit exzessiven Gitarren-Jams gar seine eigentlich brave Akustikgrundlage auf.

Das Nachfolgeralbum (mit Hipgnosis-Artwork!) geriet über solchen Experimenten, etwa das ausufernde „Sally Free And Easy“ und der dreiminütige Fiebertraum „While The Iron Is Hot“, der von verträumten Mandolinen zum dreckigen Gitarrensolo hinübergleitet, noch weitaus düsterer und ambitionierter.

Wenn sich schon kaum LPs verkaufen ließen, so hörten doch wenigstens andere Musiker(innen) zu: Francoise Hardy lieh sich „The Garden of Jane Delawney“ aus, die unheimlich erfolgreichen Gnarls Barkley sampelten für ihren Millionen-Seller „St. Elsewhere“ 2007 den Trees-Track „Geordie“. Die Band implodierte dagegen bereits 1972, ein Jahr später scheiterte der Versuch einer Neubesetzung.

Dieses Boxset enthält sehr viel Bonusmaterial, das bereits auf den neu gemasterten Fassungen der beiden Alben zu finden war, dazu bislang unveröffentlichte Demos von „Polly On The Shore“ und „Streets Of Derry“, Live-Material sowie T-Shirt und Jutebeutel gestaltet von Gitarrist David Costa, der sich nach dem Ende der Band als Designer einen Namen machte und fantastische Artworks für Queen, Elton John und Eric Clapton entwickelte.


Legendäre Konzerte: Eric Clapton bei „MTV Unplugged“ in London 1992

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