„The Night Manager 2“: Der Mann, der nicht explodiert
David Farr inszeniert die Fortsetzung mit Tom Hiddleston als Jonathan Pine. Hugh Laurie kehrt als Richard Roper zurück – zehn Jahre nach der ersten Staffel.
Vor zehn Jahren inszenierte Susanne Bier „The Night Manager“ nach einem Roman von John Le Carré. David Farr hatte die Handlung in das Kairo von 2011 verlegt, wo Tom Hiddleston als Jonathan Pine als Nachtportier arbeitet, um einen Waffenschmugglerring auszuspähen. Er lernt den charismatischen Waffenschieber Richard Roper (Hugh Laurie) kennen, schleicht sich in dessen Entourage ein und wird eine Art Hausfreund und Betreuer von Ropers Sohn. Bier zeigt die Wüste Ägyptens, das Luxushotel und das Anwesen Ropers auf Mallorca, luxuriöse Yachten und teure Autos unter Palmen. Am Ende wird Roper von gedungenen Mördern umgebracht. So dachte man.
Die Fortsetzung: Pine kehrt zurück
Nun hat David Farr mit John Le Carrés Sohn Simon Cornwell eine Fortsetzung geschrieben, in der abermals Tom Hiddleston den Agenten spielt, der nach einem Identitätswechsel für die Spezialeinheit der „Nachteulen“ arbeitet. Die Nachteulen arbeiten im Innendienst und beobachten London auf Bildschirmen. Pine geht zu einer Psychotherapeutin. „Was mir Angst macht, sind Männer wie Sie, die mir lächelnd gegenübersitzen. Und irgendwann explodieren Sie.“ Pine lächelt. „Ich bin der Mann, der nicht explodieren wird.“
Wie immer bei John Le Carré gibt es etwas, das River House heißt. Und es gibt einen Patriarchen des Geheimdienstes, Rex Mayhew (Douglas Hedge), der ein Mentor für Pine war. Er wird in seinem Heim sinister ermordet, hat Pine aber ein Handy hinterlassen und ein Buch über britische Bäume. Die Geheimdienste konkurrieren untereinander.Kurz gesagt möchte eine Geheimdienstabteilung einen Regimewechsel in Kolumbien herbeiführen, und Waffenhändler profitieren davon.
Natürlich bleibt Jonathan Pine nicht beim Observieren. Er schuldet sich etwas. Er lernt in London die geheimnisvolle Schöne Roxana Bolanos (Camila Morrone) kennen und in Südamerika den undurchsichtigen Teddy Dos Santos (Diego Calva), der ihm zwar nicht vertraut, aber dann doch. Schon im Tennisclub ist man bei „Mein Lieber“ und „Mein Freund“.
Ropers Rückkehr aus dem Exil
Bisher gibt es vier Episoden von „Night Manager 2“, und man darf nun wohl verraten, dass der von Angela Burr (Olivia Colman) vor Jahren für tot erklärte Richard Roper im südamerikanischen Exil lebt und weiterhin Geschäfte macht, umgeben von seinen Hunden und manchmal einem alten Engländer, der zu Besuch kommt. Hugh Laurie hält Reden über das verlorene britische Imperium, über die Segnungen des Kolonialismus und die Art, wie man von allen Akteuren profitiert.
„Heute sind nur noch Selbstbestimmung und Panflöten.“ Sentimental singt er mit dem britischen Veteranen, der sich zur Ruhe setzen will: „… for he’s an English man.“ Roper hat einen neuen britischen Pass bekommen. Er muss nur noch eine Sache erledigen. Dann zieht er ein Foto aus dem Faxgerät und sieht, welche Sache er erledigen muss.
Georgi Banks-Davies hat anstelle von Susanne Bier die Regie geführt und beherrscht die mondänen Szenarien, die Hotels und die Asyle der Reichen ebenso gut. Das Beste aber sind die Konspirationen und die jovialen Gespräche, die Drohungen nicht verschleiern. Das war schon so, als Alec Guinness in „Dame, König, As, Spion“ den George Smiley spielte. Und das ruhmreiche britische Imperium auch schon untergegangen war.