Oscars 2026: Jane Fonda stänkert subtil gegen Barbra Streisand

Barbra Streisand brachte „The Way We Were“ live auf die Oscar-Bühne – eine bewegende Redford-Hommage. Jane Fondas Kommentar dazu sorgte für den witzigsten Moment des Abends.

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Das traditionelle „In-Memoriam“-Segment der Oscar-Verleihung sorgte in diesem Jahr für bemerkenswerte Brisanz. Ein Name stand im Zentrum kollektiver Erinnerung: Robert Redford, der im September 2025 im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in Sundance verstarb.

Die Oscar-Würdigung übernahm keine Geringere als Barbra Streisand – eine Wahl, die nicht nur musikalisch, sondern auch historisch aufgeladen war. Streisand, die 1973 an der Seite Redfords in „The Way We Were“ Filmgeschichte schrieb, verlieh dem Moment zusätzliche emotionale Tiefe.

Mit einer seltenen Live-Performance des gleichnamigen Songs brachte sie nicht nur ihre eigene Karrieregeschichte zurück auf die Bühne, sondern auch die enge Verbindung zwischen Musik und Film, die Redfords Werk stets begleitet hat.

Jane Fondas subtiler Seitenhieb

Doch wie so oft bei den Oscars blieben schräge Zwischentöne nicht aus – ironisch-schnippisch und durchaus menschlich. Jane Fonda, selbst eine der prägenden Figuren des New Hollywood und langjährige Weggefährtin Redfords, äußerte sich am Rande der Abendgala augenzwinkernd zur Wahl der Laudatorin.

Streisand habe „nur einen Film“ mit Redford gemacht, während sie selbst auf vier gemeinsame Produktionen zurückblicken könne – von „Barefoot in the Park“ bis „Our Souls at Night“.

Es war ein Kommentar, der weniger als Kritik denn als subtile Selbstpositionierung im kulturellen Gedächtnis verstanden werden kann. Fonda nutzte die Gelegenheit, um Redford nicht nur als Kollegen, sondern als „den schönsten Menschen“ und eine prägende moralische Instanz zu würdigen – eine Perspektive, die sich von Streisands künstlerisch-musikalischem Zugang unterschied, ihn aber nicht infrage stellte.

Zwei Perspektiven, ein Vermächtnis

Gerade in dieser Mehrstimmigkeit liegt die eigentliche Qualität des Moments: Während Streisand Redford über die Kraft eines Songs ehrte, sprach Fonda abseits der Bühne über gemeinsame Zeit, geteilte Geschichte und persönliche Nähe. Zwei Perspektiven, die sich nicht widersprechen, sondern ergänzen.

Das spiegeln auch die Reaktionen aus dem Publikum und in den sozialen Medien wider. Viele betonten die Stärke von Streisands Auftritt und begrüßten die Entscheidung der Academy – unabhängig davon, wie viele Filme sie mit Redford verband. Andere erinnerten daran, dass Fondas Bemerkung eher mit einem Augenzwinkern fiel – ein humorvoller Einschub unter Freunden, nicht mehr. Ein Kommentar auf der Online-Plattform des US-Magazins „People“ bemerkte, dass man sich an „The Way We Were“ (deutsch: „So Wie Wir Waren“ von 1973) sehr wohl erinnern könne. Die vier Filme mit Redford und Fonda dagegen hätten keine bleibenden Erinnerungen ausgelöst.

So gerät dieser Oscar-Moment weniger zum „Zickenkrieg“ als vielmehr zum vielschichtigen Echo auf das Vermächtnis eines großen Künstlers, der das US-Kino nachhaltig geprägt hat. Zwischen Song und Statement, zwischen Bühne und Backstage entsteht ein Bild, das zeigt: Erinnerung ist selten eindimensional – und gerade deshalb so lebendig.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.