Kanye West: Die 6 besten Songs vom „Bully“-Album

Das lang ersehnte Album feierte während einer Online-Listening-Party von Ye seine Premiere – hier sind die sechs stärksten Tracks.

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Ye – ehemals bekannt als Kanye West – hat sein lang erwartetes neues Studioalbum „Bully“ offiziell enthüllt. Damit hat er nach Jahren der Verzögerungen und öffentlicher Kontroversen eine mit Spannung erwartete Rückkehr zur Musik vollzogen.

„Bully“ feierte am Freitag (27. März) im Rahmen einer Online-Listening-Party seine Premiere und ist Yes erstes vollständiges Soloalbum seit „Donda 2“ aus dem Jahr 2022. Der Albumtitel wurde von seinem Sohn Saint West inspiriert; als Features sind Travis Scott und Nine Vicious dabei.

Das zwölfte Studioalbum des Rappers erscheint nach dem Sturm der Entrüstung über seine antisemitischen Äußerungen und anhaltenden Rechtsstreitigkeiten. In den vergangenen Monaten hat Ye sich für diese Aussagen entschuldigt – offenbar als Versuch der Wiedergutmachung für seine hasserfüllte Rhetorik und um den öffentlichen Blick wieder auf sein künstlerisches Schaffen zu lenken. In der Zwischenzeit blieb Ye musikalisch aktiv, veröffentlichte mehrere Singles und arbeitete intensiv mit Ty Dolla $ign an der „Vultures“-Albumreihe zusammen.

Premiere ohne Streaming-Release

Obwohl „Bully“ bislang noch nicht über digitale Streaming-Dienste verfügbar ist, enthielt die uraufgeführte Version bereits zuvor veröffentlichte Tracks wie „Beauty and the Beast“ und „Preacher Man“. Das sorgte für reichlich Gesprächsstoff unter Fans, die seit der ersten Ankündigung des Albums im Jahr 2024 gewartet haben. Das unkonventionelle Rollout von „Bully“ erinnert an Yes frühere Listening-Events. Wann das Album offiziell auf den Streaming-Plattformen erscheint, bleibt jedoch offen. Nach einem vollständigen Durchhören von Yes „Bully“ – hier sind die sechs Songs, von denen wir nicht genug bekommen können.

6. „Sisters and Brothers“

Mit „Sisters and Brothers“ liefert Ye ein bemerkenswertes, wenn auch widersprüchliches Statement, das soziales Bewusstsein mit unverhohlener Selbstdarstellung verknüpft. Über einem druckvollen, kopfnickenden Backdrop – „back with the head-taps and the head-benders“, wie er es selbst formuliert – wechselt er zwischen Selbstreflexion und Prahlerei. Zeilen wie „It’s finna get a lot more dangerous“ deuten auf Unruhe in seiner Community hin, während das treffende „they say I’m blacking out like Akon/I’m feeling more Khan like Genghis“ Verletzlichkeit und Herrschaftsanspruch gegeneinanderstellt. Yes Anspielung auf seine Auszeit unterstreicht seine anhaltende Präsenz – selbst in der Abwesenheit.

5. „Father“ feat. Travis Scott

„Father“ brodelt vor rastloser Energie und gehört damit zu den mitreißendsten Momenten auf Yes „Bully“. Aufgebaut um ein soulig-gefärbtes Vokal-Sample von Johnnie Frierson, verbindet der Track Gospel-Anklänge mit wuchtigem Vorwärtsdrang. Das Wiedersehen mit Travis Scott wirkt organisch und knüpft an eine Chemie an, die sich längst bewährt hat. Beide liefern sich animierte, messerscharfe Verses. Ye gibt das Tempo vor, Scott kontert mit seiner eigenen unerbittlichen Kadenz. Der Breakdown nickt sogar dem Geist des „Watch the Throne“-Klassikers „Otis“ zu. Das macht „Father“ zu einem herausragenden, kraftvollen Highlight.

4. „King“

Durchdrungen von Dringlichkeit und Selbstmythologisierung zählt „King“ zu Yes beeindruckendsten lyrischen Momenten auf „Bully“. Getragen von einem Vokal-Sample von Duke Edwards & the Youngones, positioniert sich Ye im Zentrum von Triumph und Reflexion. Er balanciert Großspurigkeit mit Introspektion, rappt Zeilen wie „The hatin‘ just brought me more love“ und „Some of my love ones turned lost ones“. Zugleich verwebt er persönlichen Verlust, Exzess und gesellschaftlichen Kommentar. Referenzen an Daddy Warbucks, Luxusautos und Martin Luther King Jr. verankern seine Reise in kulturellen wie mythischen Bezugsrahmen – das Ergebnis ist ein grüblerischer Mix aus Ego, Herzblut und Intellekt.

3. „Preacher Man“

„Preacher Man“ eröffnet mit einem souligen Sample von The Moments‘ „To You With Love“ und hakt sich sofort fest – einer der genussvollsten und auffälligsten Tracks des Albums. Über einem geschmeidigen, instrumental getriebenen Backdrop verknüpft Ye Trotz mit Verratsgefühlen. Er rappt Zeilen wie „Nobody finna extort me/Even if they record me, I’ma keep it more G“ und „They switchin‘ sides, I seen it comin’/The plot twist, a convenient one.“ „Preacher Man“ jongliert Anspannung und Swagger mit scheinbarer Leichtigkeit und demonstriert Yes Fähigkeit, erzählerischen Witz mit einem unwiderstehlichen Rhythmus zu verschmelzen.

2. „All the Love“

Mit „All the Love“ schafft Ye einen unerwartet süchtig machenden Track, der bei jedem Hören mehr preisgibt. Getragen von stampfenden Drums und schimmernden Synths, eröffnet der Song mit einem elektronischen Chant – „We left all the pain behind“ – und setzt damit einen Ton von Loslassen und Aufbruch. Ye lehnt sich hier in die Melodie, croont Zeilen wie „Now, you’ve got all the love and all the shine“ mit einer Verletzlichkeit, die an „808s & Heartbreak“ erinnert. Zugleich verweist die karge, mechanische Kante auf „Yeezus“. Das Ergebnis ist eine langsam glimmende Verschmelzung verschiedener Zeiten.

1. „I Can’t Wait“

Mit „I Can’t Wait“ taucht Ye in eine reich texturierte Vintage-Ästhetik ein, die die überzeugendsten Seiten seines Katalogs wachruft. Aufgebaut um ein cleveres Chop von Phil Collins‘ 1982er Remake von „You Can’t Hurry Love“, schichtet der Track warme Orgeln über wuchtige, bedächtige Percussion. Yes Vortrag wirkt dringlich und zugleich nachdenklich. Besonders in Zeilen wie „I died and rearranged and moved my mind for it“, die Intensität mit Klarheit verbinden. Sein schärferer Kommentar – die Ablehnung von Spaltung und das Bekenntnis zur Liebe – trifft mit Nachdruck. „I Can’t Wait“ ist eine fokussierte, soulgetränkte Komposition, die nostalgisch und zugleich neu aufgeladen klingt und an eine Version von Yeezy erinnert, die Fans längst ins Herz geschlossen haben.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf VIBE veröffentlicht.

Preezy Brown schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil