Howard Stern gehört in die Rock & Roll Hall of Fame

Ed Sullivan wird posthum geehrt, doch der „King of All Media“ Howard Stern sollte längst Teil der Rock & Roll Hall Of Fame sein.

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Jahre bevor „The Osbournes“ als eine der prägenden Reality-Serien der frühen Nullerjahre auf MTV landete, absolvierten Ozzy (seligen Angedenkens) und Sharon Osbourne sowie ihre Kinder Aimee, Kelly und Jack dutzende mittlerweile legendäre Auftritte in „The Howard Stern Show“.

Zunächst im terrestrischen Radio – später dann bei SiriusXM – teilte die royale Familie des Metal ungefilterte Anekdoten über alles Mögliche: von Osbournes Entzugsklinik-Aufenthalten (er wollte lernen, „richtig“ zu trinken) über Ehebruch (er nannte es „ehrliches Fremdgehen“) bis hin zu den 19 gescheiterten Führerscheinprüfungen. Ohne Stern, der die herrlich chaotische Rockstar-Familie immer wieder angestupst und gedrängt hatte, ihre Geschichte ins Radio zu bringen, hätte es „The Osbournes“ womöglich nie gegeben. „Hey, macht doch eine Show“, riet Stern. Und genau das taten sie.

Wer Howard Stern hört – so wie ich seit dem viel zu frühen Alter von zehn Jahren –, weiß, dass der sprichwörtliche „King of All Media“ mit seiner 45-jährigen Radiokarriere besessen von Musik ist. Stern liebt Cream, Joe Walsh und Led Zeppelin. Er verehrt Lady Gaga, die in einer 2016er-Folge seiner SiriusXM-Show über „den Preis des Ruhms“ weinte. 2020 brachte Stern Miley Cyrus dazu, über ihre Nüchternheit nach der Scheidung von Liam Hemsworth zu sprechen. 2014 moderierte Stern ein mit Stars besetztes Billy-Joel-Town-Hall im New Yorker Club The Cutting Room – inklusive Duette (Pink bei „She’s Always a Woman“, Idina Menzel bei „Honesty“). Bruce Springsteen war zweimal zu Gast; Brandi Carlile ist fast schon Stammgast, ebenso wie Dave Grohl, Metallica und Jon Bon Jovi, den Stern 2018 in die Rock & Roll Hall of Fame einführte.

Sterns Leidenschaft für Musik ist so groß, dass er im Juni 2024 ankündigte, Gitarrenunterricht zu nehmen – ein Thema, das seitdem zum roten Faden vieler Folgen geworden ist. Und man muss ihm lassen: Stern nimmt das alte Sprichwort „Wie kommt man in die Carnegie Hall?“ – üben, üben, üben! – wirklich ernst. Was sein Können betrifft, hat er sich vom passablen Gitarristen zum tatsächlich guten entwickelt.

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Ed Sullivan und der Ahmet-Ertegun-Award

In diesem Jahr hat die Rock & Roll Hall of Fame Ed Sullivan als Empfänger des Ahmet-Ertegun-Awards bekanntgegeben – benannt nach dem verstorbenen Musikmanager, der Atlantic Records mitgründete und der an Personen außerhalb des Bühnengeschehens verliehen wird, die die Kultur maßgeblich beeinflusst haben. Eine posthume Ehrung für den Mann, der die Karrieren von Elvis Presley und den Beatles ins Rollen brachte. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Labelchefs wie Seymour Stein, Mitgründer von Sire Records, legendäre Manager wie Irving Azoff und namhafte Produzenten wie Jimmy Iovine. (Man darf getrost davon ausgehen, dass keiner der Genannten – Sullivan eingeschlossen – einen Instant-Klassiker wie „Smell My Tuchus“ hätte schreiben können.)

Aber Spaß beiseite: Dass Howard Stern noch immer nicht in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen wurde, ist schlicht und ergreifend absurd. Der Zweck der Rock & Roll Hall of Fame besteht schließlich nicht nur darin, Rockikonen zu feiern, sondern auch die Menschen hinter den Künstlern – die DJs und Radiopersönlichkeiten, die Unterhaltungsanwälte, Manager und Agenten, die Platten und Arenatouren erst groß machen. Es sind die musikbesessenen Puristen, die wie Stern mit Fug und Recht beanspruchen können, Musikerinnen und Musiker direkt in den Rockstar-Olymp katapultiert zu haben.

Stern war noch ein Kleinkind, als Elvis seinen Becken-Schwung im Nationalfernsehen vollführte, und für eine Beatles-Buchung war er damals schlicht zu jung. Doch Stern hat beruflich etwas geleistet, das vielleicht noch besonderer ist. Und mit Sicherheit seltener. Stern hat seine gesamte Karriere damit verbracht, die emotionalen Stolpersteine und komplexen Ursprungsgeschichten freizulegen, die Texte, Songs und Charterfolge formen – jene Werke, die Sängerinnen, Sänger und Songschreiberinnen in die Rock & Roll Hall of Fame bringen. Ob Paul McCartney, AC/DC oder Madonna: Sterns Talent liegt nicht allein darin, die richtigen Fragen zu stellen – was er zweifellos tut –, sondern in der Freiheit, die er jedem Gast lässt, sich so zu zeigen, wie er oder sie wirklich ist. Dabei kommen oft tiefe, dunkle Geheimnisse ans Licht. Diese Bereitschaft zum Offenbaren entsteht in dem sicheren Raum, den Howard Stern aufgebaut und gehegt hat.

Fans und Weggefährten kämpfen für ihn

Seit Jahren gibt es unter eingefleischten Fans einen Vorstoß, Stern in die Rock & Roll Hall of Fame aufzunehmen. In der Show selbst wurde das Thema mehr als einmal diskutiert. Bislang ohne Erfolg. Anfang des Jahres richtete Heart-Gitarristin und Sängerin Nancy Wilson über soziale Medien einen öffentlichen Appell, Stern aufzunehmen, und „Stern Show“-Produzent Gary Dell’Abate hat persönlich für die Aufnahme seines Chefs getrommelt. Die Ehre blieb dem König jedoch bisher verwehrt.

Ja, Sullivan verdient seinen Platz in der Rock & Roll Hall of Fame zweifellos. Aber Sullivan hat nie ein Instrument erlernt oder sich am Songschreiben versucht. Stern hingegen will den Musikerinnen und Musikern, die er bewundert, so nah wie möglich sein. Es ist keine flüchtige Backstage-Begegnung. Sterns Leidenschaft für Musik und sein Wissen darüber sind tief in der Geschichte des Rock & Roll verwurzelt, und sein Engagement für diese Kunstform ist seit Jahrzehnten ungebrochen. Wenn das kein hinreichender Grund für die Rock & Roll Hall of Fame ist, ihn aufzunehmen – was dann?

Malina Saval schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil