Die Rolling Stones setzen mit ihrem Residency-Nein ein Zeichen

Wenn die Rolling Stones 2027 noch einmal auf Tour gehen sollten, wird es eine klassische Konzert-Reise sein. Mick Jagger positioniert sich klar gegen einen Live-Trend dieser Zeit.

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Die Rolling Stones planen für 2027 wieder auf Tour zu gehen. Noch ist nach der Veröffentlichung des neuen Albums „Foreign Tongues“ nichts in Stein gemeißelt. Aber Mick Jagger hat in einem Interview schon einmal deutlich gemacht, dass die Vorbereitungen bereits laufen – und dass es sich um eine klassische Tour handeln wird.

Warum das eigens erwähnt werden muss? Weil es vor allem bei den größten Acts der Musikbranche längst nicht mehr selbstverständlich ist. Das Zauberwort der Branche heißt Residency. Was seinen Ursprung in Las Vegas haben mag (mit dem Giga-Kosmos der Sphere als Kirsche auf der Sahnetorte), ist längst zu einem Trend geworden. Adele hat es in München mit eigens für sie gebauter Bühne gemacht. Harry Styles treibt es derzeit auf die Spitze.

Ein neues Phänomen sind solche Events zwar nicht, man denke nur an Billy Joel im Madison Square Garden und die Allman Brothers Band im New Yorker Beacon Theatre. Eric Clapton spielte mehr als 200 Mal in der Royal Albert Hall in London. Allerdings ist die Residency in unterschiedlichen Formen (etwa wie bei Radiohead bis zu vier Konzerte in nur wenigen Städten in Europa) für die Superstars so attraktiv wie nie.

Das hat unterschiedliche Gründe. Einen sprach Mick Jagger, gefragt auf eine ähnliche Gestaltung der geplanten Stones-Tour in einem Gespräch mit der argentinischen Zeitung „La Nacion“, an: „Ich bin dem gegenüber persönlich sehr ambivalent eingestellt, weil es die Sache für das Publikum sehr teuer macht. Es kostet doppelt so viel.“ Er bewege sich sehr gerne und reise auch gerne, ergänzte der Sänger lachend, warum die Stones sich nicht darauf einlassen wollen.

Residency-Konzerte bringen sprudelnde Gewinne

Für die Veranstalter, die Musiker sowie die austragenden Städte sind Residency-Konzerte eine Cash Cow. Bei einer normalen Tournee kommen Bands in die Nähe der Fans. Bei einer Residency müssen sie zu den Acts reisen. Kosten für Flüge, Züge oder Benzin fallen voll auf das Publikum zurück. Da die meisten Konzertbesucher nicht am Austragungsort wohnen, müssen sie meist auch vor Ort übernachten. Natürlich gibt es dann in den entsprechend stark ausgelasteten Hotels saftige Preisaufschläge.

Die geographische Limitierung sorgt zudem für eine gesteigerte Nachfrage nach Tickets (in manchen Ländern noch begünstigt von dynamischer Preisgestaltung), die schließlich auf Zweitmärkten noch deutlich teurer angeboten werden. Nicht zu vergessen: Wenige Metropolen werden zu musikalischen Hotspots, kleinere Städte abgehängt.

Die Rolling Stones wollen dieses Spiel offensichtlich nicht mitspielen. Die Band ist allerdings auch nicht bekannt dafür, Eintrittskarten zum Sozialpreis zu vergeben.

Konzerte der Superstars sind zum Statussymbol geworden

Nicht vergessen werden sollte aber in der Diskussion, dass viele Konzerte an wenigen Orten natürlich auch andere Möglichkeiten eröffnen. Shows können perfekt vorbereitet und attraktiver gemacht werden, das Umladen von Technik fällt als Problem- und Kostenfaktor geringer aus. Zudem wird das Klima, zumindest auf Seiten derer, welche die Konzerte geben und veranstalten, geschont.

Es mag eine schmerzliche Wahrheit für jene sein, die keine Lust auf solche Events haben, aber die Bereitschaft der Musik-Fans, für einen Auftritt ihre Lieblinge immer mehr Geld zu investieren – bis hin zu fast absurden Fantasiesummen – begünstigt den Residency-Trend enorm. Konzerte, zumindest jene der größten Musikerinnen und Musiker, sind nicht mehr nur kulturelle Ereignisse, sondern auch ein Statussymbol geworden. Wer das entsprechende Geld hat, muss dort gewesen sein. Vielen Menschen ist das nicht (mehr) möglich.

Marc Vetter schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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