Niemand lobt Willie Nelson so schön wie Bob Dylan
Bob Dylan beschreibt Willie Nelson poetisch im New Yorker und erklärt, warum der Country-Star für ihn wie die unsichtbare Luft ist.
Willie Nelson und insbesondere sein Leben auf Tournee stehen im Mittelpunkt eines neuen, umfangreichen Porträts im „The New Yorker“. Die Höhepunkte sind zahlreich. Doch Bob Dylans Versuch, die Anziehungskraft von Nelson zu erklären, ragt besonders heraus.
In einem Statement für das Magazin warnt Dylan davor, dass es schwierig sei, über Nelson zu sprechen, „ohne etwas Dummes oder Irrelevantes zu sagen. Er ist so sehr alles“.
Dennoch versucht es Dylan. Auf seine ganz eigene, poetische Art. Und sinniert über das 92-jährige Mitglied der Country Music Hall of Fame als eine „Ancient Viking Soul. Einen „Master Builder of the Impossible“. Und einen „Moonshine Philosopher“. (Die Großschreibung stammt vollständig von Dylan.)
Willie Nelson im Blick von Bob Dylan
In einer besonders gelungenen Formulierung bezeichnet er Nelson und dessen charakteristisches langes, geflochtenes Haar als den „Red Bandana Troubadour. Zöpfe wie Zwillingsseile, die die Ewigkeit einfangen“.
„Was sagt man über einen Typen, der eine alte, ramponierte Gitarre spielt, die er behandelt, als wäre sie der letzte treue Hund im Universum?“, fährt Dylan fort. „Cowboy-Erscheinung, schreibt Songs mit Löchern, durch die man kriechen kann, um vor etwas zu fliehen. Eine Stimme wie ein warmes Verandalicht, das für Wanderer angelassen wird, die sich zu früh verabschiedet oder zu lange geblieben sind. Ich schätze, all das kann man sagen.“
Am Ende kehrt Dylan zur quixotischen Natur der Aufgabe zurück, Willie Nelson zu beschreiben.
„Das macht ihn zu Willie“
„Aber all das sagt einem eigentlich nicht viel oder erklärt irgendetwas über Willie. Persönlich habe ich ihn immer als freundlich, großzügig, tolerant und verständnisvoll gegenüber menschlicher Schwäche erlebt – als Wohltäter, Vater und Freund. Er ist wie die unsichtbare Luft. Er ist hoch und niedrig. Und er lebt im Einklang mit der Natur“, schließt Dylan. „Und das ist es, was ihn zu Willie macht.“
Nelson und Dylan verbrachten den vergangenen Sommer gemeinsam auf der Outlaw Music Festival Tour, doch ihre Verbindung reicht mehr als 50 Jahre zurück. Sie standen unzählige Male gemeinsam auf der Bühne, sangen ihre gemeinsame Komposition „Heartland“ ebenso wie Townes Van Zandts „Pancho & Lefty“ und waren in den Achtzigern Mitglieder der Charity-Aufnahme „We Are the World“ von U.S.A. for Africa.
Zwei ewige Road Dogs
Beide bleiben dem Leben auf der Straße treu. Anfang dieses Monats kündigte Dylan mit 84 Jahren eine umfangreiche Tour für 2026 an, die im März in Nebraska starten soll. Nelson hat derzeit keine neuen Termine bekannt gegeben, doch eine Nachricht auf seiner Website lautet: „Schauen Sie regelmäßig vorbei, Willie ist immer wieder On the Road Again.“