Brit Awards 2022: Wo Frauen und Männer gleich sind


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Am kommenden Dienstag gehen in der Londoner 02-Arena die seit 1977 existierende Brit Awards über die Bühne. Die kleinere, hippere Schwester der Grammys feiert vor allem die Pop-Nation Großbritannien, mit allerlei Zündstoff im Vorfeld. Gender ist hier keine Kategorie mehr, was in der Umsetzung gar nicht mal so easy scheint.

Die Liste der Top-Nominierungen ist vergleichsweise konventionell. Adele, Ed Sheeran und Little Simz gehen mit jeweils vier Nennungen ins Rennen. Abba werden wohl auch irgendetwas gewinnen, im weiten Feld der „internationalen“. Dass der bereits 2019 ausgezeichnete Rapper und Schauspieler Dave ebenso häufig auftaucht, mag aus hiesiger Sicht verwundern. Kein Unbekannter jedenfalls, schließlich ist sein Musikgenre Grime im Vereinigten Königreich weiterhin ein heißes Ding.

Klappt es jetzt mit der Gleichstellung?

Der Auftritt und der Couch-Talk von Adele wird Superstar-mäßig natürlich alles andere übertragen. Doch auch das angekündigte Duett von Ed Sheeran und Liam Gallagher verspricht Kreischalarm und Blitzlichtgewitter. Da muss sich der ebenfalls Live anwesende Sam Fender, dessen Album „Seventeen Going Under“ in der Kategorie „Rock/Alternative“ und „Album des Jahres“ nominiert ist, schon mächtig anstrengen.

Komplizierter wird es mit der kompletten Auflösung der traditionellen Geschlechter-Wertungen, etwa in „male“ und „female album of the year“. Die ersten Ansätze führen bei den 2020er-Awards dazu, dass in den gemischten Kategorien für britische Musik in den Segmenten „Album“, „Band“, „Song“ und „New Artist“ nur eine einzige (!) britische Frau vertreten war. Auch so kann ein gut gemeinter Gleichstellungs-Schuss nach hinten los gehen.

„Ich bin einer von euch“

Aus diesem Praxis-Dilemma führte das Komitee nun eine Reihe neuer, gemischter Kategorien ein. Schon aus der Überlegung heraus, dass Abschaffung der geschlechtsspezifischen Wertungen dazu führt, dass insgesamt weniger Frauen Preise gewinnen oder nominiert werden.

Eine besondere Ehre geht an Dean Jasiah Cover, besser bekannt als Inflo. Er ist der erste nichtweiße Produzent, der seit der Einführung des Preises im Jahre 1977 geehrt wird. Der Mitbegründer des Electro-Soul-Kollektivs Sault arbeitete auch mit Adele, Little Simz oder Michael Kiwanuka zusammen. Er schickte einen Vorabgruß: „Danke auch an alle schwarzen Produzenten von mir, ich habe eure Arbeit mit Respekt in mir aufgenommen. Ich bin einer von Euch“.