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Jazz-Posaunist und Rock-Inspirator Chris Barber ist tot


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Seit 1949 hatte Chris Barber eine eigene Band, er spielte mit einigen der größten Musiker und sorgte für entscheidende Weiterentwicklungen im Blues und Rock’n’Roll und seinem Kerngebiet, dem Jazz. Am Mittwoch (03. März) wurde bekannt, dass Barber am Dienstag (02. März) im Alter von neunzig Jahren gestorben ist. In den letzten Jahren litt er an Demenz.

Barber wurde am 17. April 1930 in der britischen Welwyn Garden City geboren und studierte in London Posaune und Kontrabass. Vor allem interessierten ihn Stücke und Spielstil des amerikanischen Südstaaten-Jazz. Mit dem Song „Ice Cream“ wurde er über den eigenen Einflussreich bekannt, mit „Petite Fleur“ gelang 1959 ein Hit in den Charts. Barber half mit seiner Band, unter anderem mit Pat Halcox und Monty Sunshine, dem Jazz in Großbritannien zum Durchbruch zu verhelfen. Seine von Improvisationen geprägter „Skiffle“-Stil machte Schule.

Blues-Boom und Gründung des Marquee-Clubs

Barbers Bewunderung für Blues-Größen wie Muddy Waters und Sister Rosetta Tharpe gipfelte bereits Ende der 50er in Einladungen nach England und der Mitbegründung des bis heute bekannten Marquee Clubs, wo lange Zeit stets an einem Tag in der Woche Blues gespielt wurde.

So entwickelte sich auf der Insel auch ein regelrechter Blues-Boom, der von Barber wesentlich angetrieben wurde. Er finanzierte mehrere Tourneen seiner Helden.

Chris Barber, Paul McCartney und „Cat Call“

In den 60er-Jahren stieg der vielseitige Musiker, der seinen angelernten Instrumenten bis in sein letztes Lebensjahrzehnt treu blieb, zum Lehrmeister der sich entwickelnden Rock-Szene auf. Barber spielte mit Paul McCartney („Cat Call“, 1967), beeinflusste die Beatles und die Rolling Stones und sorgte dafür, dass die Elektrogitarre mehr und mehr in Blues, Jazz und schließlich im Rock eingesetzt wurde.

Genregrenzen und die Rücksicht auf eingefahrene Traditionen interessierten den Innovator kaum. Er tourte in den 70ern mit Wild Bill Davis und John Lewis, interpretierte Songs von Duke Ellington und kooperierte mit Dr. John. Mit über 70 Jahren gründete Barber noch einmal eine elfköpfige Band (Big Chris Barber Band) und gab teilweise noch bis zu 100 Konzerte im Jahr.

In Deutschland fand der Posaunist und Kontrabassist ein treues Publikum, das ihm mehr Auftritte ermöglichte als in seiner Heimat. 2019 hatte sich Barber nach einem schweren Sturz zur Ruhe gesetzt.


„Wild Horses“ ist der berührendste Song der Rolling Stones

Es gibt berühmtere Songs aus der kollektiven Feder von Mick Jagger und Keith Richards als "Wild Horses", aber keinen berührenderen. Es gibt musikalisch aufregendere Stones-Tracks als diesen Ende 1969 in den Muscle Shoals Studios in Alabama aufgenommenen, aber kaum einen, der so rückhaltlos in der Country-Tradition steht. Ursprünglich als Wiegenlied für Keith Richards' Sohn Marlon gedacht, nahm der Song eine andere Bedeutung an, als Mick Jagger unter dem Eindruck von Marianne Faithfulls Suizidversuch am Text Veränderungen vornahm und daraus ein Liebeslied machte, ein zerrissenes, reuevolles, schuldbewusstes freilich. Die Aufnahmen im Southern-Soul-Tempel verliefen so intensiv wie produktiv, allerdings ohne den sonst…
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