Depeche Mode live in Berlin: Die Kreaturen der Nacht und ihr grandioser Auftritt


„No Tears For The Creatures Of The Night“, singt Dave Gahan und reißt damit während eines Depeche-Mode-Gigs nicht nur seit gefühlten Ewigkeiten wieder einen fremden Song an (den 1978er-Oldie von Tuxedomoon), sondern feiert – sich, seine Band, das Publikum. Seine Jünger, die Kreaturen der Nacht. So nah wie an diesem Abend dürften Konzertgänger ihm hierzulande seit mindestens 35 Jahren nicht gekommen sein. Vielleicht werden sie das auch nicht wieder.

Im Funkhaus Berlin gaben Depeche Mode am Freitag vor rund 1.000 Zuschauern ein einstündiges Konzert, und am Ende dieses überwältigenden Auftritts stellt man sich nur eine Frage: Warum tritt diese Band nicht ausschließlich in Clubs auf? Kann man sie nicht aus den Arenen, äh, rauskaufen?

Falls kleine Gigs als Tests verstanden werden, ob Stars im „intimen Rahmen“ noch „funktionieren“, dann haben Depeche Mode gewonnen.

Der Stomp von „Personal Jesus“ könnte nicht ergreifender wirken als im Großen Sendesaal, Martin Gores Gitarren-Slide von „Walking In My Shoes“ ließ sich selten besser anhören, nie besser fühlen als in diesem Raum mit seiner warmen, vollen Akustik.

Gahan sieht, mit seinem rotgestreiften Manegen-Jackett und dem Schnurbärtchen, natürlich wie der Tango-Tänzer in einem Tanzsaal aus. Es sind seine großen, lustigen Gesten, die auch im kleineren Kreis funktionieren: Der 54-Jährige kontrolliert seine Frisur in der spiegelnden Basstrommel seines Schlagzeugers, er dreht sich bei „World In My Eyes“, so wie 1990, mit seinem Mikronständer im Kreis. „There’s A Fire In My Veins“ singt er und klopft sich aufs Handgelenk, er war einst ein Junkie, das gibt eine kurze Schrecksekunde.

Schalltrichter des Universums

Dabei ist es sein alter Kollege Martin Gore, der das Club-Feeling, die „Tuchfühlung“ sogar noch besser inszeniert. Der Songwriter, sonst auch mit Engelsflügeln oder im Kettenhemd auf der Bühne zu sehen, hat sich einfach nur ein graues T-Shirt übergeworfen. Wirkt wie: alles Impro hier.

Stefan Hoederath Redferns


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