Die besten deutschen Songs aller Zeiten: Alexandra – „Mein Freund, der Baum“


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Auf einer Landstraßenkreuzung im holsteinischen Tellingstedt endete im Juli 1969 die kurze wie intensive Karriere von Alexandra. Ein Lastwagen hatte das cremefarbene Mercedes-Coupé der Sängerin und Komponistin gerammt, ein tödlicher Unfall.

Gemeinsam mit ihrer Mutter (die ebenfalls vor Ort verstarb) und ihrem auf der Rückbank schlafenden Sohn (der leicht verletzt überlebte) war Alexandra auf dem Weg nach Sylt, wo sie eine Auszeit nehmen und ihren künstlerischen Weg grundlegend überdenken wollte.

Es sollte eine musikalische Emanzipation jenseits der von Männern geprägten Welt der Produzenten und Karrierestrategen werden. Für sie war es an der Zeit, dominante Vaterfiguren wie Fred Weyrich oder Hans R. Beierlein in die Schranken zu weisen.

Die als Doris Treitz im einst ostpreußischen Memelland geborene Alexandra wollte weg von den kommerziell erfolgreichen Ostblock-Melodien, die sie mit ihrer tiefen Stimme in „Sehnsucht“ oder „Zigeunerjunge“ kongenial vortrug. „Doch solang’ ein Mensch noch träumen kann“ heißt es in ihrer 1968er-Single „Illusionen“. Ein Song, der auch die außergewöhnliche Karriere der alleinerziehenden Mutter im noch traditionell geprägten Showgeschäft beschreiben könnte.


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Das Sprachtalent mit der markanten Bob-Frisur hatte auf ihren internationalen Stationen mit Stars wie Salvatore Adamo oder Gilbert Bécaud zusammengearbeitet. Besonders die Begegnung mit Carlos Jobim beim Chanson-Festival in Rio de Janeiro hinterließ einen bleibenden Eindruck. Sie strebte nach künstlerischer Unabhängigkeit, wie sie ihn sich einige amerikanische und britische Singer/Songwriterinnen erkämpft hatten.

So passte es auf tragische Weise zu Alexandras kurzer Karriere, dass ihre selbst komponierte Single „Mein Freund, der Baum“ erst posthum veröffentlicht und dann zum großen Chartserfolg wurde.