Denis Villeneuve tief enttäuscht über Streaming-Auswertung von „Dune“


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Für Regisseur Denis Villeneuve könnte der Vertriebsdeal von Warner Bros. mit HBO Max das Aus der „Dune“-Reihe bedeuten, noch bevor der erste Teil überhaupt zu sehen ist. Dabei sei sein neuer Film nach eigener Aussage der beste, den er je gemacht habe.

Villeneuve unterstellt dem Telekommunikationskonzern AT&T, dem Warner Bros. gehört, mit seinen kapitalistischen Interessen „eines der respektabelsten und wichtigsten Studios der Filmgeschichte gekapert“ zu haben.

Damit ist Villeneuve nicht allein: Erst letzte Woche bezeichnete Christopher Nolan HBO Max in einer Reihe von Interviews als den „schlechtesten Streamingdienst“ und kanzelte den Vertriebsdeal als „arrogant“ ab. Der Vereinbarung zufolge ist geplant, alle 2021 erscheinenden Warner-Bros.-Produktionen auch parallel am selben Tag auf der Streamingplattform HBO Max zu starten. Warner Bros ging diesen Deal unter Berufung auf Bedenken im Hinblick auf die Pandemie ein. So soll voraussichtlich alles von „In The Heights“ über „Dune“ bis hin zu „The Matrix 4“ auch bequem von zu Hause zu sehen sein.

Villeneuve: „Dune“ gibt es ohne Kino nicht

„Das hat mit Liebe fürs Kino noch für das Publikum nichts zu tun“, so Villeneuve laut „Variety“ über das Vorhaben. „Es geht nur um das Überleben eines Telekommunikations-Mammuts, der derzeit eine astronomische Verschuldung von mehr als 150 Milliarden Dollar zu lasten hat. Auch wenn es bei ‚Dune‘ vor allem um das Kino und das Publikum geht, will AT&T eigentlich nur das eigene Überleben an der Wall Street sichern.“

Zwar leugnete Villeneuve nicht, dass Streaming-Dienste „eine positive und mächtige Ergänzung für das Film- und TV-Ökosystem sind“, betonte aber, dass „Streaming allein die Filmindustrie, wie wir sie vor COVID kannten, nicht aufrechterhalten kann. Streaming kann großartige Inhalte produzieren, aber keine Filme vom Umfang und Ausmaß von ‚Dune‘.“

Villeneuve rechnet ab

Für Filmemacher werde der Verlust von Kinovorführungen spürbar, denn eine wichtige Verdienstquelle fällt einfach weg. Villeneuve fügte hinzu: „Die Entscheidung von Warner Bros. bedeutet, dass ‚Dune‘ keine Chance haben wird, sich finanziell zu behaupten, um überlebensfähig zu sein, und die Piraterie wird letztendlich triumphieren. Warner Bros. könnte das ‚Dune‘-Franchise also gerade getötet haben. Das hier ist für die Fans. John Stankey von AT&T sagte, dass das Streaming-Pferd die Scheune verlassen hat. In Wahrheit hat das Pferd die Scheune in Richtung Schlachthof verlassen.“

Villeneuve ist sich durchaus der Sicherheitsbedenken, die aus der Pandemie resultierten, bewusst, weshalb er die Entscheidung, den Start von ‚Dune‘ um fast ein Jahr zu verschieben, nach eigenen Angaben verstand und unterstützte. Doch der Plan sei es gewesen, dass ‚Dune‘ im Oktober 2021 in die Kinos kommt, „wenn die Impfungen fortgeschritten sind und das Virus hoffentlich hinter uns liegt“.

Der Regisseur forderte AT&T auf, „schnell mit der gleichen Verantwortung, dem gleichen Respekt und der gleichen Rücksicht zu handeln, um das Kulturgut Kino zu schützen“.

Es geht nicht nur um Geld, sondern auch um Verantwortung

„Wirtschaftliche Auswirkungen auf Stakeholder sind nur ein Aspekt der sozialen Verantwortung von Unternehmen“, so Villeneuve. „Wege zu finden, die Kultur zu stärken, ist ein anderer. Das Erlebnis eines Kinobesuchs ist wie kein anderes. In den abgedunkelten Kinosälen fangen Filme unsere Geschichte ein, bilden uns, beflügeln unsere Fantasie und erheben und inspirieren unseren Gemeinschaftsgeist. Das ist unser Vermächtnis.“

Nach derzeitigem Stand soll „Dune“ mit Timothée Chalamet, Rebecca Ferguson, Oscar Isaac, Josh Brolin, Stellan Skarsgård, Dave Bautista, Jason Momoa und Javier Bardem in den Hauptrollen am 1. Oktober 2021 in die Kinos kommen und außerdem auf HBO Max Premiere feiern.