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Wut auf Echo für Kollegah und Farid Bang: „Verheerendes Zeichen“


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„Verpiss Dich!“-Rufe und Pfiffe gegen Kollegah und Farid Bang, die für ihr Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“ einen Echo erhielten und die Kritik Campinos als „scheinheilig“ titulierten.

Der Toten-Hosen-Frontmann hatte zuvor gesagt, dass die beiden Rapper mit ihren Texten („Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“) eine Grenze überschritten hätten.

Kollegah auf der Aftershow-Party

Zu „Bild“ sagte Kollegah nach der Verleihung: „Ja klar freuen wir uns über den Preis! Die ganze Kritik juckt doch eh keinen!“

Fast alle anderen kritisierten die Entscheidung, dem Duo einen Preis zu verleihen, scharf. Moderator Thore Schölermann:

Charlotte Knobloch

Die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, war entsetzt: Es sei „ein verheerendes Zeichen“, wird sie von „Bild“ zitiert, den wichtigsten deutschen Musikpreis an „vermeintliche Künstler“ zu verleihen, die ein gesellschaftliches Klima bedienen, in dem Antisemitismus offenbar wieder normal sei.

Alex Christensen

Produzent Alex Christensen schloss sich Campinos Worten an: „Ich bin aufgestanden. Es ist ein ungutes Gefühl. Es ist uns allen ein bisschen peinlich. Ich setze mich gerne mit allen Dingen auseinander, aber wenn man über Opfer rappt, die sich nicht wehren können dann ist für mich eine Grenze überschritten. Dann brauch ich mich mit der Musik auch nicht mehr auseinander setzen.“

Nico Santos

Der Musiker wies darauf hin, dass Kollegah und Farid Bang im Vorfeld des „Echo“ noch versucht hätten, die Wogen zu glätten – um dann umso härter aufzutreten: „Das hat keinen gefallen, außer dem Tisch von Farid und Kollegah. Das war schon krass! Sie haben sich ja auch vor der Verleihung dafür entschuldigt und jetzt plötzlich so aufzutreten. Gesicht zeigen ist was anderes!“

Mousse T.

Der Hannoveraner sieht die Sache geschäftlich: „Der Echo ist ein Verkaufspreis. Die Jungs haben die meisten Platten verkauft, deswegen bekommen sie einen Echo. Punkt.“

„Bild“ berichtet, dass Gäste wie Sarah Lombardi, Mark Forster oder Clueso sich gegenüber dem Blatt nicht äußern wollten.


Campino: „Ich bin der Pandemie für nichts dankbar!“

Die beiden kennen sich schon ewig: Campino, seit 39 Jahren Sänger der Toten Hosen, und Kiki Ressler, Chef von KKT (Kikis Kleiner Tourneeservice) in Berlin und seit 1984 auch bei jeder Tour der Düsseldorfer dabei. „Einer der ganz großen Glücksgriffe für uns“ nennt Campino ihn. Wie erleben sie die Corona-Zeit, welche Hoffnungen und Befürchtungen hegen sie? Natürlich haben auch diese zwei keine Kristallkugel und wissen nicht, wie es weitergehen wird. Kiki nennt seine Antworten also vorsichtshalber „Einschätzungen ohne Gewissheit“. Beide stellen vorab auch gleich klar, dass ihnen sehr bewusst ist, dass sie vergleichsweise kleine Sorgen haben. Wie geht es euch…
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