Friedensnobelpreis geht an Trumps Feindin

María Corina Machado erhält den Friedensnobelpreis 2025 – trotz Trumps Kampagne. Das Komitee lobt ihren Einsatz für Demokratie

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Die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado wurde am Freitagmorgen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Ein Rückschlag für US-Präsident Donald Trump, der intensiv dafür geworben hatte, selbst die Auszeichnung zu erhalten.

Das norwegische Nobelkomitee begründete die Ehrung mit „ihrem unermüdlichen Einsatz für die demokratischen Rechte des venezolanischen Volkes und ihrem Kampf für einen gerechten und friedlichen Übergang von der Diktatur zur Demokratie“.

Während der Zeremonie in Oslo lobte Jørgen Watne Frydnes, Vorsitzender des norwegischen Nobelkomitees, Machado als „mutige und engagierte Friedensverfechterin“, die „die Flamme der Demokratie in einer Zeit wachsender Dunkelheit am Brennen hält“.

Demokratie und Mut

„Dies ist der Kern der Demokratie – unser gemeinsamer Wille, die Prinzipien der Volksherrschaft zu verteidigen, auch wenn wir uneinig sind“, sagte Frydnes. „In einer Zeit, in der die Demokratie bedroht ist, ist es wichtiger denn je, diesen gemeinsamen Boden zu schützen.“

Machado arbeitet seit Jahrzehnten unermüdlich als Politikerin in Venezuela und ist bekannt für ihren Einsatz für freie Wahlen. Aufgrund von Morddrohungen lebt sie seit über einem Jahr im Untergrund. Das Komitee betonte: „Wenn autoritäre Herrscher die Macht ergreifen, ist es entscheidend, mutige Verteidiger der Freiheit zu würdigen, die sich erheben und Widerstand leisten.“

Trumps Reaktion und Forderung

Während der Verkündung fragte ein Reporter Frydnes nach Trumps Anspruch auf die Auszeichnung. Frydnes antwortete, dass das Komitee jedes Jahr Tausende von Kampagnen- und Nominierungsschreiben erhalte, die Entscheidung jedoch in einem Raum getroffen werde, „der von Mut und Integrität erfüllt ist“. Man entscheide auf Grundlage der „Arbeit und des Willens Alfred Nobels“.

Trump äußert sich seit Langem überzeugt, den Friedensnobelpreis zu verdienen. Obwohl er das Militär gegen eigene Bürger einsetzt und Migranten brutal behandeln lässt, präsentiert er sich als Friedensstifter – insbesondere seit dem jüngsten Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas. Am Donnerstag erklärte er im Weißen Haus, er habe „sieben Abkommen geschlossen, und jetzt ist es das achte“. Er behauptete zudem, er habe „sieben Kriege beendet“ – eine Behauptung, die nicht belegt ist.

Unterstützung und Kritik

Bei der UN-Generalversammlung im vergangenen Monat sagte Trump, „alle“ seien der Meinung, er solle den Friedensnobelpreis erhalten. Zahlreiche Unterstützer riefen öffentlich zur Auszeichnung des Präsidenten auf. Das Büro des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu schrieb auf X: „Gebt [Trump] den Friedensnobelpreis – er verdient ihn!“ Auf dem offiziellen X-Account des Weißen Hauses war ein Foto Trumps mit der Bildunterschrift „THE PEACE PRESIDENT“ zu sehen.

Die Regierung Trump hat in den letzten Monaten verstärkt venezolanische Bürger angegriffen. Der Präsident verbreitete Falschinformationen, um Militärschläge gegen angebliche Drogenboote in der Karibik in der Nähe Venezuelas zu rechtfertigen. Nach der Zerstörung eines dieser Boote schrieb Trump auf Truth Social fälschlicherweise: „Ein Boot, beladen mit genug Drogen, um 25 BIS 50 TAUSEND MENSCHEN zu töten, wurde heute früh vor der Küste Venezuelas gestoppt, bevor es amerikanisches Territorium erreichen konnte.“

Trump hat bisher nicht auf die Entscheidung des Nobelkomitees reagiert. Noch fünf Stunden vor der Verleihung teilte er auf Truth Social mehrere Beiträge, in denen er sich selbst als würdigen Preisträger pries.

Emily Zemler schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil