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Festivals: Das kleine Wunder namens Hurricane


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Es ist immer wieder ein kleines Wunder. Wie sonst wäre es möglich, dass knapp 80.000 Menschen auf 200 Hektar plattgetretenem Rasen zusammenkommen und feiern, ohne dass Chaos ausbricht?

Seit 21 Jahren geschieht dieses Wunder jeden Sommer auf einer Motorradrennbahn im niedersächsischen Scheeßel. Beim ersten Hurricane kamen 20.000 Menschen, heute sind es viermal so viele. „Früher reichten eine Bühne, ein Zelt, ein paar Zäune“, sagt Folkert Koopmans. „Inzwischen ist es etwas komplexer geworden, ein Festival auf die Beine zu stellen, und das Publikum auch anspruchsvoller.“

Der Mann im Kapuzensweatshirt ist Chef von FKP Scorpio und Europas größter Festivalveranstalter. Als er damit anfing, genügte es, einen Bierstand und eine Currywurstbude hinzustellen. Heute werden die unterschiedlichsten Foodstände aufgebaut – vom veganen Burger bis zum Lachs-Döner – und 20 Sorten Kaffee angeboten. Mit den Ansprüchen der Besucher sind allerdings auch die Ticket­preise in die Höhe geklettert. Knapp 200 Euro zahlt man für ein langes Festivalwochenende. Schuld seien die enorm gestiegenen Produktionskosten, erklären die Veranstalter unisono. 3000 Leute braucht es, um eine Großveranstaltung wie das Hurri­cane zu stemmen. Dennoch machen die Personalkosten nur gut zehn Prozent einer Festivalkalkulation aus. Dem stehen rund 50 Prozent für Künstlergagen gegenüber – und die sind beträchtlich gestiegen. „Die Produktions­kosten sind heute so enorm, dass wir sogar noch höhere Preise verlangen müssten. Aber wir sind tatsächlich am oberen Ende angelangt. Obwohl die Tickets für den durchschnittlichen 20-jährigen Studenten günstiger sein sollten“, gibt Koopmans zu.

Nur wenige wollen Régine Chassagne und Win Butler von Arcade Fire singen sehen.
Arcade Fire

Vor 20 Jahren hat er 100.000 ­Euro für einen Headliner bezahlt, heute muss er für einen Top-Act das Zehn- bis Fünfzehnfache hinlegen. Das hat vor allem zwei Gründe: Bis Anfang der Nullerjahre gab es in den USA – von Coachella und Lollapalooza abgesehen – praktisch keine großen, relevanten Festivals. Heute gibt es gleich Dutzende, und nicht nur in den USA, auch in Asien und Lateinamerika boomen Festivals. Das Feilschen um die attraktiven Bands treibt die Gagen in bisher unbekannte Höhen. Außerdem hat sich die Lebens­situation der Künstler in Zeiten der Digitalisierung dramatisch verändert: Die meisten finanzieren sich heute zu drei Vierteln durch Auftritte, der Tonträgerverkauf macht nur noch ein Viertel ihrer Einkünfte aus.
Die Bands sind also entscheidend: für die Kosten, aber auch für den Erfolg eines Festivals. „Es kommt immer auf das Line-up an“, sagt der 52-jährige Veranstalter, der seine ersten Konzerte in einem ostfriesischen Jugendzentrum organisierte. In diesem Jahr sind es Arctic Monkeys, Arcade Fire und The Prodigy. Vor allem Alex Turners ehemalige Indie-­Band ist in den vergangenen Jahren zum Stadion-­Act gewachsen, und mit ihr die Gagenforderungen.

Pearl Jam waren das Highlight

Knapp hundert Bands spielen beim Hurricane und dem Schwesterfestival South­side in der Nähe von Tuttlingen im Schwarzwald. Darunter erprobte Launemacher wie Franz Ferdinand, Wanda oder The Kooks, aber auch interessante, anspruchsvolle Acts wie Drangsal, Bonaparte und Haiyti.

Carlos Osorio Toronto Star via Getty Images


Die besten Songs aller Zeiten: „Proud Mary“ von Creedence Clearwater Revival

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