Der Irankrieg als christlicher Kreuzzug unter Pete Hegseth

Militärkommandeure beschreiben die Iranoffensive Berichten zufolge wie einen christlichen Kreuzzug – unter Verteidigungsminister Pete Hegseth.

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

Kurz nach dem Terroranschlag auf die „USS Cole“ im Jahr 2000 begann die Marineführung, uns über religiöse Fanatiker zu briefen, die in den Bergen lebten – Männer, die keinem Land und keiner nationalen Sache angehörten, deren einzige Loyalität ihrer eigenen Interpretation von Religion galt. Al-Qaida.

Diese Briefings endeten in der Regel mit einer wichtigen Lektion: Das US-Militär wird von der Verfassung regiert, nicht von einer Religion. Die Gründerväter der Nation verstanden die Gefahr, die religiöser Extremismus für eine Demokratie darstellt. Die Regierung von Donald Trump sieht das offenbar anders, während sie einen neuen Krieg gegen Iran ohne klare Ziele oder ein absehbares Ende vom Zaun bricht.

Die gemeinnützige Military Religious Freedom Foundation erklärte diese Woche, sie habe über 200 Beschwerden aus mehr als 50 Militäreinrichtungen erhalten, wonach Kommandeure beim Beschreiben des Krieges gegen Iran christliche Rhetorik verwenden – vieles davon im Zusammenhang mit Endzeitprophetie. Ein Kommandeur sagte Offizieren in einem Briefing am Montag zum Beispiel, Trump sei „von Jesus gesalbt worden, um das Signalfeuer im Iran zu entzünden, um Armageddon auszulösen und seine Rückkehr auf die Erde einzuläuten“ – so steht es in einer der Beschwerden. Der unabhängige Journalist Jonathan Larsen berichtete als Erster über die religiösen Botschaften des Militärs.

Huckabee, Graham und der Heilige Krieg

Unterdessen spricht US-Botschafter in Israel Mike Huckabee darüber, dass Israel ein biblisches Recht habe, die Kontrolle über den größten Teil des Nahen Ostens zu übernehmen, und republikanische Politiker propagieren öffentlich die Idee, dass sich die Vereinigten Staaten nun in einem Heiligen Krieg mit Iran befinden. „Das ist ein Religionskrieg“, sagte Senator Lindsey Graham (R-S.C.) diese Woche zu Journalisten. „Wir werden den Lauf des Nahen Ostens für tausend Jahre bestimmen.“

Das US-Militär wird seit jeher durch die verfassungsmäßige Trennung von Kirche und Staat regiert, und Soldaten schwören einen Eid, die Verfassung zu verteidigen – keine Religion, keine Prophezeiung und keine bestimmte Auslegung der Heiligen Schrift. Dieser Standard ist in Gefahr, seit Pete Hegseth zum Secretary of Defense ernannt wurde.

Hegseths Aufstieg in der konservativen Politik war stets in die Sprache des christlichen Nationalismus gehüllt – buchstäblich: Er trägt ein Jerusalemkreuz, ein Symbol, das eng mit den mittelalterlichen Kreuzzügen verbunden ist, quer über die Brust tätowiert, zusammen mit anderen religiösen Motiven. Für viele Historiker und Beobachter spiegeln diese Symbole eine romantisierte Vision christlicher Krieger wider, die im Nahen Osten Heilige Kriege führen. Wenn jemand, der dieses Bildrepertoire öffentlich verkörpert, an die Spitze des Verteidigungsministeriums aufsteigt, wirft das ernsthafte Fragen auf, ob die Grenze zwischen verfassungsmäßiger Pflicht und religiösem Kreuzzug auf den höchsten Ebenen des Militärs verwischt wird.

Hegseths religiöse Rhetorik

Hegseth hat den Krieg gegen Iran bislang nicht explizit in religiösen Begriffen beschrieben, aber er hat das Christentum seit seiner Übernahme des Militärkommandos wiederholt bemüht – vom Rezitieren des „Vaterunsers“ vor Truppen bis hin zur Nutzung des Pentagon-Auditoriums für christliche Gebetsgottesdienste. Seine von Skandalen geprägte Amtszeit war weitgehend darauf ausgerichtet, was er „DEI“- und „Woke“-Ideologie nennt, aus dem Militär zu verbannen, Frauen in Kampfrollen abzulehnen und die Anerkennung von People of Color in der Militärgeschichte zurückzuschrauben. Im Februar lud er einen christlich-nationalistischen Pastor ein, der die Abschaffung des Frauenwahlrechts befürwortet, um einen seiner Gebetsgottesdienste im Pentagon zu leiten.

Hegseths Rhetorik rund um Militäreinsätze war ähnlich beunruhigend. Er sagte diese Woche, die USA gewännen den neuen Krieg gegen Iran „entscheidend, verheerend und ohne Gnade“, und scheint genervt zu sein, dass er Fragen zu den im Krieg gefallenen Soldaten beantworten muss. Er hat sich auch über die sogenannten „dummen Einsatzregeln“ beschwert – also jene Regeln, die etwa verhindern, dass Amerika oder seine Verbündeten eigene Jets abschießen. Hegseths Missachtung dieser Regeln ist umso besorgniserregender, als er laut einer Beschwerde eines Mitarbeiters der Organisation, die er damals leitete, einst in „betrunkener und gewalttätiger Manier“ „Kill all Muslims! Kill all Muslims!“ gebrüllt haben soll.

Pentagon verweist auf Hegseths Videos

Auf eine Anfrage um Stellungnahme zu den Beschwerden, die die Military Religious Freedom Foundation seit Beginn des Krieges gegen Iran erhalten hat, verwies das Verteidigungsministerium ROLLING STONE auf Videos von Hegseth, in denen er über den Krieg spricht – darunter eine Ansprache an das Militär, in der er Amerikas frühere „führungslose Kriege des Hochmuts“ geißelt, bevor er den aktuellen Krieg gegen Iran verteidigt, während im Hintergrund getragene Musik spielt.

Es sollte niemanden überraschen, dass Trumps Krieg gegen Iran so schlecht läuft. Es fängt ganz oben an. Alles, was Soldaten in den vergangenen 250 Jahren gesagt und beigebracht wurde, wird von Trump und Hegseth auf den Kopf gestellt.

Das Militär ist eine hierarchische Organisation, in der Karrieren an Beurteilungen und dem Klima im Befehlsbereich hängen. Religiöse Botschaften eines Vorgesetzten sind keine Alltagsrede. Sie haben Gewicht. Sie erzeugen Druck. Druck verursacht Fehler. Im Militär kosten Fehler Menschenleben.

Glaubenssache statt Verfassungspflicht

Die Torheiten und Zusammenbrüche großer Militärmächte der Vergangenheit lassen sich häufig auf genau jene Art von Umfeld zurückführen, das Trump und Hegseth in unseren Streitkräften offenbar zu schaffen scheinen: politische Opportunität statt bewährter Strategie und Planung, politische Loyalität statt Expertise und Erfahrung. Amerikanische Leben dürfen niemals aufs Spiel gesetzt werden, wenn es nicht absolut notwendig ist – und niemals im Dienst von etwas so Gefährlichem und Subjektivem wie dem vermeintlichen „Willen Gottes“.

Wenn das Militär jemals mit einer Sekte, einem Glaubensbekenntnis oder einer apokalyptischen Vision identifiziert wird, wird es von innen heraus zerbrechen und sich von der Nation isolieren, der es dient. Wir sind am stärksten, wenn wir im Glauben neutral und im Recht standhaft bleiben. Die Uniform steht für ein einziges heiliges Versprechen: die Verfassung zu verteidigen. Keine Prophezeiung. Keine politische Bewegung. Die Verfassung.

Diese Grenze darf niemals verwischt werden.