Martin Scorsese und John Carpenter ehren David Lynch – mit ungewollter Spitze
Altmeister Martin Scorsese und John Carpenter ehren den verstorbenen David Lynch. Bei der Aufzählung dessen Meisterwerke fehlt ein ganz bestimmter Film …

Martin Scorsese und John Carpenter haben in den Sozialen Medien des verstorbenen David Lynch gedacht. Der Tod des Regisseurs wurde am 16. Januar vermeldet. Todeszeitpunkt und Todesursache sind bislang nicht bekannt. Lynch wurde 78 Jahre alt.
John Carpenter, noch nie ein Mann der großen Worte, fasste sich auch diesmal knapp. Beide Regisseure haben als Auteure ähnliche Erfahrungen machen müssen. Die großen Studios hatten Mühe, die großen Visionen beider Filmemacher auszustatten. Wann immer Lynch und Carpenter viel Geld von ihnen bekamen, fabrizierten sie – leider – Flops: „The Thing“ bzw. „Dune“.
Knapp, aber auch rührend äußert sich also der ein Jahr jüngere John Carpenter. „Ich habe mich mit David Lynch angefreundet, als wir vor Jahren beide bei Universal waren. Er war ein sehr netter Mann und ein Fan von Bob’s Big Boy. Ich auch. Er wird mir fehlen. RIP David“. Bob’s Big Boy ist eine Restaurantkette.
John Carpenter auf X:
Eine etwas längere Lobpreisung kommt von Martin Scorsese. Der 82-Jährige schreibt: „Ich höre und lese das Wort „Visionär“ heutzutage oft. Es ist zu einer Art Sammelbezeichnung geworden, ein weiteres Stück Werbesprache. Aber David Lynch war wirklich ein Visionär. Tatsächlich könnte das Worterfunden worden sein, um den Mann und die Filme, die Serien, die Bilder und die Töne, die er hinterlassen hat, zu beschreiben.“
Und weiter: „ Er schuf Formen, die den Eindruck vermittelten, sie würden jeden Moment auseinanderfallen, was aber nie geschah. Er brachte Bilder auf die Leinwand, wie sie noch niemand zuvor gesehen hatte. Er machte alles fremd, unheimlich, aufschlussreich und neu. Und er war absolut kompromisslos, von Anfang bis Ende. Es ist ein trauriger, trauriger Tag
für Filmemacher, Filmliebhaber und für die Filmkunst.“
Und dann zählt er die Werke David Lynchs auf. Und vergisst zwei. Das könnte ein zufälliger Fehler sein. Oder bewusst so formuliert: „Aber „Eraserhead“, „Der Elefantenmensch“, „Blue Velvet“, „Wild at Heart“, die beiden „Twin Peaks“-Serien und die Filme „Fire Walk with Me“, „Lost Highway“, „The Straight Story“, „Mulholland Drive“, „Inland Empire“ … werden mit den Jahren und Jahrzehnten immer weiter wachsen und an Tiefe gewinnen. Wir hatten das Glück, David Lynch gehabt zu haben.“
Martin Scorsese ließ also die dritte „Twin Peaks“-Staffel unerwähnt, die letzte Regiearbeit Lynchs, von 2017. Wobei er sie in Gedanken unter „Twin Peaks“ allgemein subsummiert haben könnte.
Doch was ist mit „Dune“? Ein ungeliebter Film, vielleicht auch von Scorsese nicht gemocht. Wenigstens hat David Lynch mit „Dune“ seinen Frieden finden können.