Der Papst zum Krieg: „Gott segnet keinen Konflikt“

Leo XIV. übt verhüllte Kritik an Trump und der Instrumentalisierung des Christentums.

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Papst Leo XIV. denkt gar nicht daran, seine Kritik an Donald Trumps Krieg gegen den Iran abzumildern.

Gott segnet keinen Konflikt. Wer ein Jünger Christi ist, des Friedensfürsten, steht niemals auf der Seite derer, die einst das Schwert schwangen und heute Bomben abwerfen“, schrieb Leo am Freitagmorgen auf X. „Militärische Aktionen schaffen keinen Raum für Freiheit oder Zeiten des #Friedens, der allein aus der geduldigen Förderung von Koexistenz und Dialog zwischen den Völkern erwächst.“

Leo, gebürtiger Chicagoer und erster amerikanischer Papst in der 2000-jährigen Geschichte der katholischen Kirche, hat den Konflikt im Nahen Osten seit dem Beginn der US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran im Februar offen kritisiert. Seine Beiträge vom Freitag scheinen zumindest teilweise eine Reaktion darauf zu sein, dass die Trump-Regierung im Zuge der Operation Epic Fury immer wieder Gott ins Feld führt.

Hegseth und der heilige Krieg

Verteidigungsminister Pete Hegseth hat den Konflikt dabei besonders konsequent als heiligen Krieg gerahmt, der „im Namen Jesu Christi“ geführt werde.

Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch – Hegseth ist ein ehemaliger Fox-News-Moderator, der nicht einen, sondern gleich zwei kreuzzugsthematische Tattoos trägt – sagte er über den angeblichen Waffenstillstand: „Gott gebührt alle Ehre. Zehntausende Angriffe unter dem Schutz der göttlichen Vorsehung. Ein gewaltiger Einsatz mit wundersamer Bewahrung. Gott ist gut.“

Der Papst schrieb am Freitag außerdem: „Absurde und unmenschliche Gewalt breitet sich mit wilder Grausamkeit in den heiligen Stätten des christlichen Ostens aus. Entweiht durch die Blasphemie des Krieges und die Brutalität des Geschäfts, ohne jede Rücksicht auf Menschenleben, die bestenfalls als Kollateralschäden eigennütziger Interessen gelten.“

„Kein Gewinn kann das Leben der Schwächsten, der Kinder oder der Familien aufwiegen. Keine Sache kann das Vergießen unschuldigen Blutes rechtfertigen“, fügte er hinzu.

Das Pentagon unter Druck

Leo ist zu einer markanten Gegenstimme gegen den christlich-nationalistischen Kriegskurs seiner Heimat geworden. Das Pentagon soll davon alles andere als begeistert sein.

Am Montag berichtete „The Free Press“, dass das Pentagon im Januar – als Leos indirekte Kritik an der Trump-Regierung schärfer wurde und größere Aufmerksamkeit auf sich zog – den ehemaligen US-Botschafter beim Heiligen Stuhl, Kardinal Christophe Pierre, der im März in den Ruhestand getreten war, zu einem Treffen einbestellt habe. Dort soll man dem Kardinal bedeutet haben, dass das US-Militär die „Macht habe, zu tun, was es will – und dass die Kirche besser seine Seite ergreifen solle“.

Quellen berichteten „The Free Press“, dass Verteidigungsministeriumsvertreter dabei sogar das avignonesische Papsttum ins Spiel brachten – jene 67 Jahre im 14. Jahrhundert, in denen das Papsttum faktisch als Geisel unter französischer Kontrolle in der Stadt Avignon gefangen gehalten wurde, fernab von Rom. Das avignonesische Papsttum begann mit der Entführung und dem Tod von Papst Bonifatius VIII. nach langen politischen Auseinandersetzungen mit König Philipp IV. von Frankreich.

Nach Bonifatius‘ Tod erzwang Philipp die Wahl eines ihm genehmen französischen Papstes und behielt den päpstlichen Hof in seiner unmittelbaren Einflusssphäre. Sieben Päpste lang blieb das Papsttum unter französischer Kontrolle, bevor Papst Gregor XI. es nach Rom zurückführte. Seitdem wurde kein Franzose mehr zum Papst erhoben.

Eine historisch schwerwiegende Drohung gegenüber Vertretern des Vatikans – erst recht nach der historischen Wahl eines amerikanischen Papstes. Das Pentagon und das Weiße Haus haben den Bericht dementiert, und der US-Botschafter beim Heiligen Stuhl erklärte, auch Kardinal Pierre habe die Darstellung des Januartreffens durch die Medien zurückgewiesen.

Kritik seit Ostern

Leos Beiträge vom Freitag folgen auf einen Ostertext, in dem er geschrieben hatte: „Der Tod lauert immer. Wir sehen ihn in der Gewalt, in den Wunden der Welt, im Schmerzensschrei, der aus allen Ecken aufsteigt – wegen der Übergriffe, die die Schwächsten erdrücken, wegen des Götzendienstes am Profit, der die Ressourcen der Erde plündert, wegen der Gewalt des Krieges, der tötet und zerstört.“

Wenige Tage nachdem Hegseth im März Journalisten angefahren hatte, weil sie über den Krieg nicht positiv genug berichteten, schrieb Leo, es sei „die Pflicht jedes Journalisten, Nachrichten zu überprüfen, um nicht zum Sprachrohr der Macht zu werden. Sie müssen das Leid zeigen, das der Krieg den Menschen stets bringt – das bedeutet, dem Krieg ein Gesicht zu geben und ihn durch die Augen der Opfer zu schildern.“

Die Spannungen zwischen dem Vatikan und der Trump-Regierung haben inzwischen ein solches Ausmaß erreicht, dass Leo einem Bericht zufolge einen für diesen Sommer geplanten USA-Besuch abgesagt hat – und Reisen in sein Geburtsland möglicherweise so lange meidet, wie Trump im Amt bleibt.

Nikki McCann Ramirez schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil