Quentin Tarantino: Fast alle Filme scheiße außer „West Side Story“

Der Regisseur gähnt in einem Interview über die Filme der letzten 10 Jahre. Er macht aber ein paar Ausnahmen.

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Quentin Tarantino, der einst als Videothekar arbeitete, gründete seine Hollywood-Karriere zu einem Großteil auf der Konservierung von filmischen Ideen und ästhetischen Kniffen der Vergangenheit. Damit erweckte er Spaghetti-Western, Blaxploitation und Martial-Arts-Filme zu einem neuen Leben.

Fragt man den Regisseur allerdings, was ihm im Gegenwartskino gefällt, bekommt man oft sehr einsilbige Antworten. Zuletzt sorgte Tarantino für Aufregung, als er die besten Filme des 21. Jahrhunderts kürte und dabei ganz nebenher die schauspielerische Leistung von Paul Dano in „There Will Be Blood“ durch den Dreck zog. Das kam bei vielen Kollegen nicht so gut an.

In einem ausführlichen Essay für die Filmfachzeitschrift „Sight & Sound“ schrieb Tarantino nun über einen Film der letzten Zeit, der ihn wirklich beeindrucken konnte. Dabei geht es um „The Rip“ von Regisseur und Drehbuchautor Joe Carnahan mit Matt Damon und Ben Affleck. Während der 63-Jährige ausführlich begründete, was den Netflix-Thriller so besonders macht, kanzelte er auch einen Großteil des Kinos der letzten Jahre nebenher ab.

„Mängel, Unglaubwürdigkeiten, Anbiederung ans Publikum, fehlbesetzte Darsteller oder einfach nur blöder Mist machen in der Regel jeden neuen Film zunichte, der aus dieser geschmacklosen Wurstfabrik kommt, die sich früher Hollywood nannte“, schrieb er. „Heutzutage ruft das gesamte Konzept dessen, was einen Film ausmacht, in mir eher Verachtung als Wohlwollen hervor. Im Vergleich lassen die Filme der letzten sechs Jahre die 80er Jahre wie die 30er Jahre erscheinen.“

Quentin Tarantino liest lieber Bücher

Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, das gilt auch für Tarantino. Seinem harschen Urteil entgehen gleich mehrere Filme. In einem Interview im „ReelBlend“-Podcast im Jahr 2022 sprach er davon, „Top Gun: Maverick“ geliebt zu haben. Auch in seinem Text für „Sight & Sound“ fand er lobende Erwähnungen. „Ich habe einige Filme in der letzten Zeit gesehen, die mir gefallen haben – ‚West Side Story‘ (2021, Spielberg-Remake des Klassikers), ‚Horizon: An American Saga‘ Kapitel 1 und 2 (beide 2024), und auch ein paar andere, aber nichts, was mich wirklich in seinen Bann gezogen hätte“, schrieb der Regisseur.

Grundsätzlich gebe es kaum Filme, die ihn in dieses geheimnisvolle Land locken würden, das er früher regelmäßig besucht habe und das der Grund dafür war, warum er Filme über alle anderen Kunstformen liebte. „Heutzutage lese ich lieber ein Buch“, ergänzte Tarantino.

Ein bitteres Urteil, aber womöglich auch ein kleiner Werbehinweis auf den inzwischen auch als Autor arbeitenden Künstler, der seit „Once Upon A Time In Hollywood“ (2019) keinen weiteren Film mehr gedreht hat, obwohl seiner Rechnung nach noch ein Werk vor der angekündigten Rente fällig ist. Ein Projekt mit dem Arbeitstitel „The Movie Critic“ scheiterte, noch bevor die erste Klappe fiel.

Marc Vetter schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.