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Ranking: Die wichtigsten Alben der Smashing Pumpkins


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>>> Hier geht’s zur Review des aktuellen Albums „Cyr“.

Essenziell

Siamese Dream (1993)

Billy Corgan bezeichnete Walt Disney als größten Einfluss – dabei erzählt er eine Geschichte über die Unmöglichkeit von Unschuld. „I used to be a little boy, so old in my shoes, and what I choose is my choice, what’s a boy sup posed to do?“, singt er in „Disarm“, dem Song über eine Familientragödie. Es ist auch sein trauriger Versuch, seine eigene Kindheit in ein versöhnliches Licht zu rücken: Ein Sommer der Baumhäuser, der Bau einer Gartenrakete – aber die Gitarren summen wie böse Hornissen. Und im Video zu „Today“ in szeniert Corgan sich als Eismann, dessen Gebimmel Glück verspricht, obwohl das Lied von Suizid handelt. Das Album machte die Pumpkins zur drittgrößten Rockband der frühen 90er- Jahre nach Nirvana und Pearl Jam. Das wunderbar pathetische Gitarrensolo von „Soma“ klingt, als würde Corgan dabei ein Schwert ziehen. Sein Credo: Im Zweifel Metal statt Seattle.

Pisces Iscariot (1994)

Erst die dritte Platte – aber keine mit neuen Aufnahmen, sondern schon mit B-Seiten und Outtakes. Die Schatzkammer jetzt bereits leeren? Muss man sich leisten können. Ein Dokument des gigantischen Outputs und der Beweis, wie gut die Songs ihrer zweiten Reihe sind. Es ist ihr „Weißes Album“, eines der stilistischen Vielfalt. Darunter ihre schönste Coverversion („Landslide“ von Fleetwood Mac), mit dem Psychedelia-Inferno „Starla“ ihr längster und mit „Obscured“ ihr schmetterlingshaftester Song. Das Reissue von 2012 ist tatsächlich noch um zusätzliche Stücke erweitert, die sie als Shoegaze-Band ausweisen würden („My Dahlia“).

Mellon Collie And The Infinite Sadness (1995)

Vielleicht das größte Doppelalbum der 90er-Jahre. Die Anzahl der Songs, 28, macht das Format tatsächlich zwingend. 30 (!) weitere erschienen nachträglich („The Aeroplane Flies High“). Die Betitelung der sechs Einzelseiten der LP-Version spiegelt das Konzept eines Tageszyklus wider, der unterschiedliche Stimmungen hervorzaubert: Hardrock („X.Y.U.“), New Wave („Love“) und Pop-Klassik („Cupid De Locke“). Corgan trug Glatze und ein T-Shirt mit der Aufschrift „Zero“, was keinen größeren Kontrast zum Opus hätte darstellen können. Die Reissue- DVD enthält Ausschnitte des „Rockpalast“- Konzerts in Düsseldorf, bei dem der Sänger der Band Chumbawamba nackt ihre Bühne stürmte, um gegen ihren „Ausverkauf“ zu demonstrieren. Okay.

MACHINA The Machines of God 2000 + MACHINA II The Friends & Enemies of Modern Music (2000)

Das Label befürchtete, ein weiteres Doppelalbum werde sich nach dem enttäuschenden Abschneiden von „Adore“ nicht verkaufen. Teil 1 erschien deshalb regulär, Teil 2 gratis im Netz und limitiert auf 25 (!) LPs. Corgans Notfallplan. Beide Platten zeigen die Pumpkins auf ihrem Höhepunkt, sie funktionieren als Gesamtwerk wie davor schon „Mellon Collie“. Auch „Machina“ hat ein Konzept: Ein Rockstar namens Zero tauft sich nach einer göttlichen Eingebung in Glass und seine Fans in Ghost Children um. Für dieses Konzept interessiert haben sich Fans und Kritiker indes nicht. Auch Corgan spürte, dass seine Artrock-Ideen keine Verbreitung fanden, und präsentierte live anstelle einer Kostümparade schlicht die Lieder.

Die „Machina“-Songs stehen ja zum Glück auch für sich. „Look ma the sun is shining on me“, singt Corgan in „With Every Light“, er findet Frieden mit dem Tod der Mutter. „Stand Inside Your Love“ ist ihre beste Single. „Let Me Give The World To You“ wäre ihre zweitbeste, hätte Corgan beschlossen, sie auszukoppeln. „Glass And The Ghost Children“ ist eine Doors-Hommage, in der noch Platz ist für die Worte „Cherry Cola“. In „Age Of Innocence“ besingt Corgan das Band- Ende, das er diesmal wirklich (nun ja, vorläufig) umsetzte: „Too young to die, too rich to care / Too fucked to swear that I was there.“

Lohnend

Gish (1991)

Im Mai erschien das Debüt, das ab Herbst mit „Nevermind“ und „Ten“ als Grunge vereinnahmt werden würde. „Gish“ wurde von Nirvana-Produzent Butch Vig betreut, doch schon die Single „I Am One“ zeugt vom Eklektizismus der Pumpkins. Drummer Chamberlin spielt einen Funk-Rhythmus, Wretzky eine Baggy-Basslinie, wie sie direkt der Rave-Kultur der Madchester-Bands entsprungen sein mochten.

Adore (1998)

Die Paarung von Gothic-Pop mit Folk. „Adore“ bedeute „A Door“: Der egomane Grübler Corgan wollte mit der Welt kommunizieren. Er schminkte sich als Nosferatu, war ein Emo mit Eyeliner.

Shiny And Oh So Bright (2018)

„Solara“ ist stark wie einst „Bullet With Butterfly Wings“, „Silvery Sometimes (Ghost)“ nostalgisch wie „1979“. Corgan wurde vorgeworfen, dass er klang wie 1995. Auch die Rückkehr des Gitarristen James Iha nach 18 Jahren wurde nicht gewürdigt.

Ergänzend

Zwan: Mary Star Of The Sea (2003)

Weil von der Originalbesetzung nur noch Jimmy Chamberlin übrig war, benannte Corgan die Pumpkins um. Es gab drei statt zwei Gitarristen, und Corgan komponierte mit „Honestly“ und „Lyric“ Glanzstücke. Im Hintergrund singt Zwan-Bassistin Paz Lenchantin, heute ist sie bei den Pixies.

Zeitgeist (2007)

Der „Zeitgeist“ beschreibt einen Aufstieg des Faschismus in Amerika, vier Jahre nach dem Irakkrieg, aber auch ein Jahr vor Obama. Mit Blick auf das heutige politische Klima lag Corgan nicht weit daneben. Das epochale „United States“ ruft zur „Revolution!“ auf, „For God And Country“ betrauert gefallene Soldaten. „Fuß aufs Gas, nicht zu artsy sein“, forderte Corgan.

Schwächer

Billy Corgan: TheFutureEmbrace (2005)

Erstes Soloalbum. Die Synthesizer programmierte Bon Harris von Nitzer Ebb, auf Tournee ging Corgan mit zwei Keyboardern und einem Stehschlagzeuger, der auf Pads einschlug. Keiner erinnert sich heute noch an eines der Lieder, bis auf das mit Robert Smith gesungene Bee-Gees-Cover „ToLoveSomebody“, in einer Abwandlung als Trauerflor-Duett.

Buch

Billy Corgan: „Blinking With Fists“ (2004)

Gedichte von 2004, die Corgans Songthemen wiederverwerten: Daseinsformen nach dem Tod; ein Gott, der sich im Quasar der Galaxie befinden könnte; ewige Liebe. So etwa. Auszug: „A last caress, perhaps of chance/ My hand on your belly, I softly begin to sing/ Li-lo, li-lo, li-lo.“ Manche Rezensenten glaubten, die Texte hätte ein Zwölfjähriger geschrieben.

Preziosen: Raritäten und Solo-Arbeiten

„Drown“

Höhepunkt des „Singles“- Soundtracks, auf dem auch Pearl Jam, Alice In Chains und Soundgarden vertreten sind.

„Never Let Me Down Again“

Martin Gore sagte angeblich, dass ihm dieses Akustikgitarren-Cover besser gefällt als das Original von Depeche Mode.

„A Night Like This“

Gitarrist James Iha liebt The Cure. Dies ist seine spannungsbefreite Adaption des Gefühlsachterbahn-Songs.

„Germans In Leather Pants“

Corgan liebt deutsche Hardrock-Bands, vor allem die Scorpions. Keine Hommage an die Hannoveraner zwar, aber an Leute, die sich so anziehen.

„The Ether’s Tragic“

Überlegene Instrumentalversion des „Batman & Robin“-Songs „The End Is The Beginning Is The End“.

„Eye“

David Lynch bekam für „Lost Highway“ nicht den Pixies-Song „Ana“ und nahm stattdessen dieses Electropop-Stück, das ein Vorgeschmack auf „Adore“ war.

„Turn My Way“

Corgans Traum wurde wahr, er durfte New Order 2002 als Gitarrist auf Konzerten begleiten. Auf deren Album „Get Ready“ sang er mit Bernard Sumner diese Ballade über gealterte Rock’n’Roller.

„G.L.O.W.“

Single von 2008, in der Corgan die vereinigende Kraft des Rock beschwört: „Come on, come on, come on, can you feel it?“ Schlagzeuger Chamberlin verließ die Band danach für zehn Jahre.

„A Song For A Son“

Höhepunkt der „Teargarden By Kaleidyscope“-EPs (2009), für den sich Corgan von „Classic Rock à la 1975“ inspirieren ließ und ein Jimmy-Page-Gitarrensolo hervorzauberte wie seit „Soma“ nicht mehr.

„My Blue Heaven“

Gerade Coversongs dokumentieren Corgans Sehnsüchte, die er aus der Kindheit herüber gerettet hat. Der Whiting/ Donaldson-Evergreen aus dem Jahr 1924 schildert den Wunsch nach einem friedlichen Familienleben.


Billy Corgan über Lil Peep: „Er war der Kurt Cobain seiner Generation“

Auch wenn dem 2017 verstorbenen Rapper Lil Peep keine lange Karriere vergönnt war, so hat er weiterhin einen großen Einfluss auf eine junge Generation von HipHop-Fans. Billy Corgan, Frontmann der Smashing Pumpkins, verglich die Musik des Rappers sogar mit der von Metallica und Nirvana. Schon in vorangegangenen Interviews hatte Billy Corgan den Rapper öfters mit Rockstar-Legenden der Musikgeschichte verglichen. In einem Gespräch mit dem „Upset Magazine“ hatte er Lil Peep kürzlich den „Kurt Cobain seiner Generation“ genannt. Den Vergleich zog der Sänger bezüglich ihres aktuellen Studioalbums „Cyr“, bei dem es die Band laut Corgan vermeiden wollte, „Lil Peep“-inspirierte Beats zu…
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