Brian Eno Apollo: Atmospheres And Soundtracks


UMC

Schon 1983, als Brian Eno für die Apollo-11-Doku „For All Mankind“ diesen Soundtrack einspielte, glaubte kaum noch einer, dass ein Mensch wieder auf dem Erdtrabanten landen würde. Ein Jahrzehnt später kam „Trainspotting“, und Ewan McGregor schwebte in einer Traumsequenz in Zeitlupe zu den Klängen von Enos „Deep Blue Day“ durch die Abwässer der versifftesten Toilette Edinburghs. Mond-Musik war endgültig in der Par­odie angekommen.

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Brian Eno wird oft als eine Art Entspannungslieferant abgetan, sein ­Name gilt seit den späten Siebzigern als Synonym für Ambient. Auch auf „Apollo“ ist vieles ganz besonders ­beseelt. In „Weightless“ gibt ein Banjo den Ton an; Eno verglich die Erschließung des Alls mit der Besiedlung des Wilden Westens und begrüßte sie als freudiges Ereignis für alle Völker bzw. Spezies. Aber das ist nur eine Seite seines Schaffens.

Schon auf seinem vorangegangenen Album, „Ambient 4: On Land“, verwendete er auch bedrohlich klingende Texturen, die die Unberechen­barkeit des Terrains widerspiegeln sollten. Lieder wie „Matta“ erinnern nun fast schon an Drone, der sich in reiner Leere breitmacht: Das Firmament, der lebensfeindliche Raum.

Damit steht Eno auch in der Tradition von Künstlern, die nach Anbruch des Space Age mehr als skeptisch waren, dass wir da draußen überhaupt hingehören. Bowie sang über die Einsamkeit im All („Space Oddity“) und Elton John über die Eises­kälte („Rocketman“). Mit „2001: Odyssee im Weltraum“ verdeutlichte Stanley Kubrick, dass der Mundus uns gegenüber gleichgültig ist. In seinen bedrohlichsten Momenten klingt „Apollo“ wie die Ringe des Saturn in der Serie „The OA“: als würde einem die Luft abgeschnürt.

Für die elf neuen Stücke der Extended Edition arbeitete Eno erstmals seit dem Original-Album wieder mit Daniel Lanois und Roger Eno in Triobesetzung zusammen. Manches wirkt esoterisch – aber man kann sich dem Mond natürlich auch spirituell nähern. (UMC)


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