Deadletter

„Existence Is Bliss“

SO (VÖ: 27.2.)

Die Briten kämpfen einfallsreich gegen das Absurde.

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Achtung, jetzt wird es philosophisch: Existieren ist Glückseligkeit! Aber damit gibt sich das Sextett nicht zufrieden. Auf ihrem zweiten Album sagen Deadletter:  Wir wollen mehr als existieren! Wir wollen handelnde Subjekte sein, egal wie kompliziert die Welt gerade ausschauen mag! Wir wollen die Herausforderungen annehmen, die das moderne Leben an uns stellt. Ganz im Sinne eines Albert Camus revoltieren Deadletter gegen das Absurde. Darin liege ein heroischer Akt, lässt die Band verkünden. So weit, so theoretisch der Überbau. Noch beeindruckender ist dagegen die Tatsache, dass sich die Briten auch musikalisch in höhere Sphären aufschwingen.

Die Rasierklinge, auf der Deadletter reiten, ritzt einen Spalt in dicke Häute

Schon auf ihrem Debüt, „Hysterical Strength“ (2024), schauten Sänger Zac Lawrence und Co. über den stilistischen Tellerrand. „Existence Is Bliss“ zeigt nun: Hier nascht jemand nicht nur die trockenen Dropse des Post-Punk, sondern plündert nach Lust und Laune den Süßwarenladen der Pop-Historie. „Purity I“ zitiert gleich mal Pink Floyds „On The Run“, bevor es sich mit treibendem Beat und schnittigen Riffs vor Franz Ferdinand verbeugt.

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„To The Brim“ hat ein herrlich versponnenes Folk-Intro, Saxofone aus der Hölle und eine in die Dunkelheit hinabkletternde Hookline. Immer wieder trötet es hier, als hätten sich Madness in einen Song von Pere Ubu verirrt. Unheilvoll? Euphorisch? Alles eins! Wie im windschiefen „What The World Missed“, das eine Ballade von Beck sein könnte. Oder in „Focal Point“, in dessen Unterbewusstsein The Cures „A Forest“ schlummert. Anderswo geistern Schatten von The Blue Nile, Wire und Can. Die Rasierklinge, auf der Deadletter reiten, ritzt einen Spalt in dicke Häute. Das ist nicht immer angenehm. Doch mit der Musik von „Existence Is Bliss“ lässt es sich leben im Hier und Jetzt.

Diese Review erscheint im Rolling Stone Magazin 3/2026.