Mark Ronson Late Night Feelings


Sony

Ob man (ihn) mag oder nicht: Mark Ronson ist der einflussreichste Mainstream-Pop-Produzent des 21. Jahrhunderts bisher. Oder warum wollten, nachdem er „Joanne“ für Lady Gaga beaufsichtigt hatte, artverwandte Acts von Kylie Minogue bis ­Jus­tin Timberlake plötzlich irgendwie auffällig, tja, „rootsy“ klingen? Derweil standen selbst Indie-Bands wie The ­Zutons längst im warmen Tantiemen-Regen, weil Ronson ihr „Valerie“ von Amy Winehouse hatte singen lassen.

Nach dem Hit-Monster ­„Uptown Special“ zelebriert der Stiefsohn von Foreigner-Gitarrist Mick Jones nun die Melancholie einer späten Disco-Nacht mit einem Reigen sogenannter Sad Bangers. Zwischen erwartbar sicheren Bänken (Lykke Li, Miley Cyrus, Newcomerin King Princess) und Halbausfällen (Camila Cabello) beweist Ronson dabei ein gutes Gespür für Dramaturgie, wenn er die zentrale und doch nur siebenminütige Song-Trilogie des Albums Yebba aka Abbey Smith anvertraut.

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„If we fall apart, let’s do it in the dark“, singt Arkansas’ (Gospel-)Antwort auf Adele in „Don’t Leave Me Lonely“ und bringt damit schon fast alles auf den Punkt, was so eine Late Night ausmacht, wenn Euphorie, Verlangen, Entgrenzungslust unbarmherzig in Verzweiflung, Leere, Morgen-Grauen umschlagen.

Dass dann selbst Angel ­Olsen nicht wirklich als ­Fehlbesetzung in diesem musi­kalischen Genrefilm endet, verdankt sich Ronsons Produktionsästhetik – wie auch Olsons eigener Bereitschaft, darin fast zu verschwinden. Was ironisch und folgerichtig anmutet, da „True Blue“ hier der einzige Song ist, den nur zwei Menschen geschrieben haben und nicht die heute im Pop sonst übliche Verfertigungs-­Armada. Doch erst nach diesem Intermezzo findet „Late Night Feelings“ wieder in seinen Nach-Mitternacht-Vibe zurück.

Danach fühlt man sich nicht unbedingt animiert, sich das Ganze gleich noch mal von vorn abzuhören. Stattdessen eher schon ergänzend „Late Night, Early Town“ (­Lloyd ­Cole, 2004): „Oh, Los Angeles, how do you sleep? You seem so full of cocaine und self-belief. If I could get me some, I’d take it and I’d run …“ Auch „sad“, nur ohne „bang“. (Sony)


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