Noel Gallagher’s High Flying Birds Who Built The Moon?


Sour Mash


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Es kann kein Zufall sein, dass das dritte Album von Noel Gallagher’s High Flying Birds mit einem psychedelischen, fernöstlich kolorierten Quasi-Instrumental namens „Fort Knox“ eröffnet wird, benannt nach jenem Ort in Kentucky, der als das Lager für die Goldreserven der Vereinigten Staaten gilt. Mit anderen Worten: Der Edelmetalldetektor wird bei diesen elf Songs plus Bonustrack so heftig ausschlagen, wie Noel bislang jegliches Angebot für eine Oasis-­Reunion ausschlug. Es scheint, als hätte er seine Solo-Songwriteridentität erst jetzt richtig konfiguriert, mithilfe des irischen DJs und Produzenten David Holmes, dessen Remixes bereits Stücke von U2, Manic Street Preachers und Primal Scream auf ein neues Level gehoben haben, der aber auch für seine Film-Scores bekannt ist. Jenes cineastische Gespür einerseits und ein Diplom in Soundlandschafts­architektur andererseits machen „Who Built The Moon?“ zu einer kühnen, rasanten Expedition im Breitwandformat, die das Wichtigste im Fokus behält: die Melodien.

„She Taught Me How To Fly“ besitzt erst gar keine Strophen, sondern zwei verschiedene Refrains, greift das schon auf „Standing On The Shoulder Of Giants“ besungene Bonmot „Put your money ­where your mouth is“ auf und spendiert noch ­eine New-Order-Gitarre. Es gibt Madchester-Rave-Reminiszenzen („It’s A Beautiful World“), Historien­schinken-Orchestrierung („The Man Who Built The Moon“) und genau eine Ballade: den im Gegensatz zu den elf regulären Tracks sehr nach Oasis klingenden akustischen Bonustrack „Dead In The Water“. Paul Weller spielt Orgel auf „Holy Mountain“, das ein bisschen an „Ça plane pour moi“ erinnert; Johnny Marr steuert Gitarre und Harmonika zur Phil-Spector-Gedächtnis-­Produktion „If Love Is The Law“ bei.

Während „Chasing Yesterday“ nur vereinzelt neue Impulse wagte, bringt „Who Built The Moon?“ die musikalische Horizonterweiterung, die Noel Gallagher schon lange zuzutrauen war. Er hat eben doch den Masterplan.


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