Highlight: Die besten Gitarristen aller Zeiten: Keith Richards

The Rolling Stones Blue & Lonesome


Einen besseren Harmonikaspieler als Mick Jagger kenne er nicht, sagt Keith Richards gern und oft. „Er weiß gar nicht, wie verdammt gut er ist.“ Wer Keiths Lobliedern auf seinen kongenialen Sparrings­partner misstraut, sie für euphemistisch oder auch nur für übertrieben hält, wird hier nachdrücklich eines Besseren belehrt. Jaggers souveräne Mundharmonika veredelt jeden Track dieser binnen drei Tagen in den Londoner British Grove Studios aufgenommenen Danksagung an die alten Helden.

An Howlin’ Wolf zum Beispiel, dessen grimmiges „Commit A Crime“ ebenso ehrfürchtig wie alle anderen Songs angegangen wird, ebenso prunklos und frei von Prätention. „You put poison in my coffee instead of milk or cream“, argwöhnt Mick, zum bestätigenden Gequengel der Gitarren. An Little Walter nicht zuletzt, die Harp-Ikone, dessen „Blue And Lone­some“ Pate für den Album­titel stand und dessen „Hate To See You Go“ von 1955 auch in seiner rhythmischen Sub­stanz erhalten blieb, mit Charlie Watts in der Spur des stilbildenden Chess-Drummers Fred Below.

Dionysisches Fest

Highlights der ganz und gar unzeremoniellen Sessions sind indes vor allem die langsamen Cuts, wie das laszive „All Of Your Love“ mit profund boomenden Saitenbögen oder das perkussiv insistente „Hoo Doo Blues“, das auf „Exile On Main St.“ nicht deplatziert wäre, zwischen „Hip Shake“ und „Casino Boogie“.

Herausragender noch ist Jimmy Reeds romantisches „Little Rain“, dank Micks weicher Stimmfärbung und der goldrichtigen Portion Hall. Wie überhaupt Jaggers Gesang erfreulich arm an Manierismen bleibt, nie gepresst oder gehetzt wirkt. Jugendfreund Eric Clapton, der mit den Yardbirds einst dem Pfad der Stones folgte, spielt auf zwei Tracks mit, richtet aber kaum Schaden an, derweil Keiths und Rons duellierende Gitarren den Blues als dionysisches Fest feiern.
(Polydor)

The Rolling Stones: Kommt 2017 gleich das nächste Album?


ÄHNLICHE KRITIKEN

Quentin Tarantino :: Once Upon a Time in Hollywood

Quentin Tarantino widmet sich dem „Old Hollywood“, das Ende der 1960er-Jahre dem Untergang geweiht war. Mit seiner kreativen Neuerzählung steht...

Dexter Fletcher :: Rocketman

Der Film von Dexter Fletcher beleuchtet in einem ekstatischen Hybrid aus Musical und Biopic den Aufstieg Johns vom schüchternen Middlesex-Knaben...

The Thing :: Deluxe Edition

Carpenters bester Film in seiner bislang besten Box.


ÄHNLICHE ARTIKEL

„Child's Play“ im Mediabook: Die Mörderpuppe ist zurück (Test)

Chucky, die Mörderpuppe ist zurück und treibt im Remake von „Child's Play“ wieder sein Unwesen. Wir haben das limitierte Mediabook getestet.

The Dave Clark Five veröffentlichen mit „All The Hits“ Remaster-Versionen aus den Abbey Road Studios

„All The Hits“ ist eine Sammlung der größten Erfolge von The Dave Clark Five, die von Dave Clark in den Abbey Road Studios neu abgemischt wurden und erstmals seit 40 Jahren wieder erhältlich sind.

VISUALS: Coldplay veröffentlichen emotionalen Clip zur kommenden Single „Daddy“

Der Clip ist in Zusammenarbeit mit dem Aardsman Animations Studio entstanden, das unter anderem „Wallace und Gromit“ und „Chicken Run“ entwarf.


Schon
Tickets?

Sylvester Stallone: Alle „Rocky“- und „Rambo“-Filme im Sterne-Ranking

Vor 37 Jahren kam „Rocky III – Das Auge des Tigers“ ins Kino – und Sylvester Stallone etablierte sich als Action-Star des Jahrzehnts (neben diesem gewissen Österreicher). Rocky und Rambo sind bis heute nicht nur seine erfolgreichsten Schöpfungen, sondern Kino-Ikonen ihrer Zeit. Was natürlich nicht ausschließt, dass sie im Kalten Krieg ihren Propaganda-Zweck zu erfüllen hatten. Podcast „Freiwillige Filmkontrolle“: Das Phänomen Rambo ROLLING STONE bringt alle Filme in ein gemeinsames Ranking. 13. Rocky V (1990) ★ Stallone war erst 44, sah aber fast schon älter aus als heute. Aufgequollen. Die 1980er waren vorbei – und nach Ende des Kalten Kriegs gingen Rocky…
Weiterlesen
Zur Startseite