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U2 The Joshua Tree – Super Deluxe Collector’s Edition 


Natürlich ging es auch beim fünften Studioalbum von U2 nicht ohne Selbstzweifel, Diskussionen und Änderungen in letzter Minute. Nachdem die Songs von Daniel Lanois und Brian Eno produziert waren, holten U2 Steve Lillywhite hinzu, um alles noch mal aufzumischen. Dessen Frau, Kirsty MacColl, trug dann allerdings noch etwas Wichtigeres zu „The Joshua Tree“ bei: die Reihenfolge.

So beginnt das Album mit den drei stärksten Songs: „Where The Streets Have No Name“, „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“, „With Or Without You“. Unwider­stehlich. Und wie oft bei U2 stellt sich die Frage: Singt Bono diese Liebeslieder für seine Frau oder für Gott, oder ist das egal? Und wie kriegt The Edge bloß diese drängelnden Gitarren hin?

Das Unheils­szenario „Bullet The Blue Sky“ und die Elegie „Running To Stand Still“, das mitreißende „In God’s Country“ und am Ende das hypnotische „Mothers Of The Disappeared“: „The Joshua Tree“ gehört zu den sehr wenigen Alben, auf denen nichts Überflüssiges ist, sondern die Essenz der Band, wie sie damals war – auf der Suche, mit großen Augen und großem Herzen, einem großen Sendungsbewusstsein und, ja, einem großen Ego auch.

Auf der „Super Deluxe Collector’s Edition“ (natürlich auch als Vinyl-Boxset erhältlich) gibt es neben dem Originalalbum in der remasterten Version von 2007 eine recht überflüssige CD mit neuen Remixes von den üblichen Verdächtigen (Lanois, Lillywhite, Flood), aber auch einen sehr guten Konzertmitschnitt (Madison ­Square Garden 1987) und Raritäten und B-Seiten.

Zwei Fassungen von „Silver And Gold“, später auf „Rattle And Hum“ veröffentlicht, das sehnsüchtige „Deep In The Heart“, das putzige „Sweetest Thing“, das von William ­Blake inspirierte „Beautiful Ghost/Introduction To Songs Of Experience“, das allzu optimistische „Rise Up“. Dazu ein dickes Booklet mit Fotos, die The Edge 1986 bei den Aufnahmen in der Mojave-Wüste gemacht hat, und ein paar der bekannten Anton-Corbijn-Bilder.

Die „30th Anniversary Edition“ von „The Joshua Tree“
Die „30th Anniversary Edition“ von „The Joshua Tree“

„The Joshua Tree“ kam am 9. März heraus. Am 21. Juli 1987 spielten U2 in der Münchner Olympiahalle, die meisten Schulfreunde fanden U2 „uncool“, aber nie habe ich mein Taschengeld besser investiert: Die Band brannte lichterloh. Bono hatte die Hoffnung, dass Rockmusik auch die 80er-Jahre überleben wird, wieder angeknipst. Am selben Tag erschien das andere Album, ohne das 1987 nicht denkbar ist: „Appetite For Destruction“. Statt um Glaube, Liebe, Hoffnung ging es bei Guns N’ Roses um Überleben, Sex, Schnaps. Faszinierend waren beide Welten, aber im Zweifelsfall ist die von Bono doch die bessere: weil sie Leidenschaft mit Tiefe vereint. (Island/Universal)

Universal

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