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Highlight: Stephen King: Die besten Bücher – Plätze 30-21

Kritik: Warum Stephen King die „Doctor Sleep“-Verfilmung gar nicht hätte gefallen dürfen

Die Kritik enthält Spoiler.

Am Ende des Romans „Doctor Sleep“, der Fortsetzung des Bestsellers „Shining“, winken sich der erwachsen gewordene Danny Torrance und sein Vater Jack, mittlerweile ein Geist, ein letztes Mal zu. Frieden für die Familie! Das war auch dem Autoren der Geschichte, Stephen King, wichtig. Gerade aus persönlichen Motiven. Die Geschichte des erfolglosen Schriftstellers und gelangweilten Hausmeisters, vor allem aber Alkoholikers Jack war auch seine eigene, frühe, vor dem Durchbruch als Autor. King ging zwar nie ins biografische Detail, deutete aber an, dass er im Suff seine Kinder schlecht behandelt haben könnte, nicht nur psychisch. Umso wichtiger also, dass er nicht nur dem traumatisierten Danny, 36 Jahre später, sondern auch dem toten Patriarchen im Roman die Chance zur Versöhnung gibt.

„Doctor Sleep“ – die Review:

In Mike Flanagans „Doctor Sleep“-Verfilmung taucht Jack Torrance auch auf, aber in einer ganz anderen Rolle. Er nimmt die Position des Barkeepers Lloyd im stillgelegten Overlook-Hotel ein und will seinen Sohn, einen trockenen Alkoholiker, zu einem Drink überreden. Er spricht von oben auf ihn herab, und seine Worte lassen keinen Deutungsspielraum zu: Danny ist ein Nichts, kein Mann – er solle sich seinen Dämonen ergeben. Jack „Here’s Johnny!“ Torrance ist also noch immer von den Geistern des Overlook besessen, auch im Jenseits. Jack bleibt getriebener Alkoholiker. Und damit bleibt auch Stephen King getriebener Alkoholiker.

Es ist erstaunlich, dass sich King in PR-Auftritten, die er gemeinsam mit dem „Doctor Sleep“-Team absolvierte, geradezu begeistert von dieser Interpretation des Romans zeigte. War doch sein Buch „Doctor Sleep“ für ihn vor allem ein Ausdruck davon, dass jeder eine zweite Chance kriegen sollte, egal, wie zerstörerisch oder selbstzerstörerisch man agierte. Es ging King natürlich um die eigene zweite Chance. Aber woran denkt Danny in seinen letzten Sekunden auf dieser Welt? An seine Mutter Wendy. Sie schenkt ihm Frieden. Jack spielt da längst keine Rolle mehr; er war der Nicht-Vater, den es auszumerzen galt.



Kritik: Stephen King – „The Outsider“

Follow @sassanniasseri Stephen King – Das Ranking Plätze 81-71 Plätze 70-61 Plätze 60-51 Plätze 50-41 Plätze 40-31 Plätze 30-21 Plätze 20-11 Plätze 10-01 61. „The Outsider“ („Der Outsider“, 2018)★★½ Dieser Roman mutet wie eine Lawine an, der Rutsch beginnt in der Mitte der Erzählung – und reißt dann alles in ein Loch. Nicht gut. Und dafür ist ausgerechnet Holly Gibney verantwortlich, die vielleicht beste Frauenfigur Stephen Kings, die beste unter den vielen sonst so schlechten Frauenfiguren Kings, die ja deshalb oft so unterentwickelt bleiben, weil sie ihre Entwicklung stets nur als Emanzipation von patriarchalischen Männern durchlaufen dürfen. Gibney aber ist…
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