Till Fest: Till Lindemann spielt trotz Kritik in Leipzig

Das Till Fest in Leipzig sorgt für Diskussionen: Stadt, Denkmalstiftung und Bürger:innen kritisieren Till Lindemanns Auftritt am Völkerschlachtdenkmal scharf.

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Der wohl umstrittenste deutsche Musiker spielt vor einem Friedensdenkmal in Leipzig. Seit rund einem Jahr freuen sich seine Fans auf das sogenannte Till Fest von Till Lindemann. Auch mehrere weniger begeisterte Stimmen melden sich zu Wort – doch eine Intervention scheitert.

Umstrittener Auftritt vor dem Völkerschlachtdenkmal

Dass nicht jeder in der teils sehr linken Studi-Stadt Bock auf Till Lindemann vor seiner Haustür hat, ist verständlich. Der Rammstein-Sänger hält zwei Tage lang, großformatig inszeniert, ein Festival vor dem Völkerschlachtdenkmal ab, das seinen Vornamen trägt: das Till Fest. Doch die Kritik kommt nicht nur aus aktivistischen Kreisen, auch wichtigere Akteure lassen ihren Unmut über die Veranstaltung hören.

Vorwürfe und eingestellte Ermittlungen

Gegen Till Lindemann waren 2023 mehrfach Vorwürfe wegen sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch laut geworden. Bei Rammstein-Konzerten soll es zu gezielter Anwerbung und Ausbeutung von Frauen gekommen sein. Zwar konnten die Gerichte keine ausreichenden Beweise finden, weshalb die Ermittlungen eingestellt wurden. Einen bitteren Beigeschmack beim Namen Till Lindemann hinterließen die Prozesse dennoch.

Kritik von Stadt und Denkmal-Stiftung

Nun blockiert der gebürtige Leipziger den Platz beim Völkerschlachtdenkmal, liebevoll „Völki“ genannt. Dort wird der 63-Jährige am 3. und 4. Juli jeweils ein fünfstündiges Programm auf die Beine stellen, zu dem zehntausende Besucher erwartet werden. Das missfällt dem Oberbürgermeister Burkard Jung. Der SPD-Politiker findet eine solche Veranstaltung gegenüber der bedeutendsten Sehenswürdigkeit Leipzigs unpassend. Er weitet seine Kritik jedoch auf jegliche Konzerte aus, ohne speziell Lindemann ins Visier zu nehmen: Der Standort sei ungeeignet, sagte er im Stadtrat. Genügend Alternativen gäbe es in Leipzig eigentlich, die Messestadt hat eine Vielzahl an Veranstaltungshallen und Kultur-Locations. „Wir suchen Möglichkeiten, das für die Zukunft zu sichern“, sagte Jung in einer Ratsversammlung. Also werden nach dem Till Fest Veranstaltungen am Völki wohl erstmal gestrichen.

Auch Anselm Hartinger, der Stiftungsvorsitzende des Völkerschlachtdenkmals, ist kein Fan des Till Fests. Das Festival sei polarisierend, worunter das Ansehen des Denkmals leide. Die Organisation will  nicht mit der Veranstaltung in Verbindung gebracht werden: Till Lindemanns „martialisches Auftreten und die gewaltaffinen Songtexte und Videos passen nicht zu einem sensiblen Ort wie dem Völkerschlachtdenkmal“. Das Ziel sei dabei nicht, den Rammstein-Sänger zu „canceln“. Sondern, „das mit der Erinnerung an Krieg und Leid verbundene Leipziger Wahrzeichen aus seinem in der Geschichte immer wieder benutzten Gewaltkontext zu lösen.“

Widerstand aus der Bevölkerung

Auch Bürgerinnen und Bürger stellen sich gegen das Till Fest: Katrin Lehmann startete zum Beispiel eine Petition gegen die Veranstaltung. In Lindemanns Zwei-Tage-Show sieht sie eine „erhöhte Gefahr für FLINTA, Sicherheitsrisiken, Lärm, Umweltschäden und Anwohnerbelastung.“ FLINTA steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen. Mit ihrer Petition wollte sie eine „frühzeitige Bürgerbeteiligung sicherstellen“. Eine Antwort erhielt sie auf ihre bereits im Februar geäußerten Sorgen jedoch erst wenige Tage vor Festivalbeginn. So startet das Till Fest trotz vielfältiger Kritik am 3. Juli.

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