Trump versucht, die Schuld für den Irankrieg zu verteilen

Trump betont Pete Hegseths Rolle beim Drängen auf militärisches Eingreifen und behauptet, sein Team habe die Intensität der iranischen Gegenwehr nicht erwartet.

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Warum sind wir in den Krieg gegen den Iran gezogen? Wer auch immer in Donald Trumps Regierung gefragt wird – eine einheitliche Antwort bekommt man nicht. Die Erklärungen reichen von der Behauptung, Israel hätte den Iran ohnehin angegriffen, also könne man sich ebenso gut beteiligen, bis zur Versicherung, der Iran sei nur noch wenige Wochen davon entfernt gewesen, die USA mit einer Atombombe auszulöschen.

Je komplexer der Konflikt wird und je mehr er an Rückhalt in der amerikanischen Öffentlichkeit verliert, desto mehr sucht Trump eine neue Strategie: Er schiebt seinen Kabinettsmitgliedern den Schwarzen Peter zu.

Bei einem Roundtable-Treffen mit führenden Militär- und Strafverfolgungsverantwortlichen am Montag erklärte Trump vor Publikum und Presse, sein Verteidigungsminister und selbsternannter Kriegsminister Pete Hegseth sei eigentlich derjenige gewesen, der ihn zum Krieg gedrängt habe.

Trump zeigt auf Hegseth

„Pete [Hegseth,] ich glaube, du warst der Erste, der das Wort ergriffen hat, und du hast gesagt: ‚Lasst es uns tun, denn man kann ihnen keine Atomwaffe lassen.’“

Diese Aussagen fielen nur Stunden nachdem Trump behauptet hatte, nicht nur er persönlich, sondern seine gesamte Regierung sei davon überrascht worden, dass der Iran nach den Angriffen der USA und Israels andere Golfstaaten attackiert habe. „Schaut euch an, wie sie angegriffen haben, völlig unerwartet, all diese Länder“, sagte er zu Reportern. „Daran hat niemand auch nur gedacht.“

Reuters berichtete indes, Trump sei intern gewarnt worden, dass der Iran mit Vergeltungsschlägen reagieren könnte – und dass er diese Warnungen ignoriert habe.

Hegseth als Sündenbock

Als Sündenbock ergibt Hegseth durchaus Sinn, wenn Trump die Verantwortung auf eine einzelne Person im Kabinett abwälzen will. Der Verteidigungsminister ist zu einem der stolpernden Gesichter des Kriegseinsatzes geworden, der sich seinem Einmonats-Jubiläum nähert. Er verbringt einen Großteil seiner Zeit damit, dem Pressecorps des Pentagons Tiraden über Letalität und regelfeindliche Kriegsführung zu halten – und schimpft dabei auf Journalisten, die nicht positiv genug über einen Konflikt berichten, der bislang 13 amerikanische Soldaten das Leben gekostet hat und sich zu einer veritablen Katastrophe in der gesamten Golfregion ausgewachsen hat.

Trump wiederholte am Montag außerdem zweifelhafte Behauptungen, wonach seine Regierung bereits Verhandlungen mit dem Iran aufgenommen habe, um die Feindseligkeiten zu beenden und die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Das kam zu einem Zeitpunkt, an dem Trump sein Ultimatum zurückzog: Er hatte damit gedroht, wichtige iranische Ziele zu bombardieren, falls seine Forderungen bis Montagnachmittag nicht erfüllt würden – nun schob er die Frist um fünf Tage hinaus. Iranische Regierungsvertreter erklären, keinerlei solche Verhandlungen zu führen.

Trump, der normalerweise sehr offen über seine Gespräche mit Staatschefs spricht, gibt sich beim Thema der angeblichen Verhandlungspartner ungewohnt bedeckt. Auf Nachfragen von Reportern am Montag behauptete er, eine „hochrangige Person“ im iranischen Regime stehe in Kontakt mit seinem Schwiegersohn Jared Kushner – der kein offizielles Regierungsamt bekleidet – sowie mit Steve Witkoff, dem Sondergesandten der Vereinigten Staaten für den Nahen Osten.

„Wir würden gerne einen Deal machen“, sagte Trump. „Wenn es gut läuft, werden wir das hier beilegen. Andernfalls bomben wir einfach weiter, bis uns die Herzen überlaufen.“

Nikki McCann Ramirez schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil