Golden Globes: Wanda Sykes plättet Ricky Gervais wegen seiner Anti-Trans-Witze

Bei der Preisverleihung dankt die US-Comedienne demonstrativ der Trans-Community – eine klare Positionierung gegen Gervais' umstrittene Netflix-Specials wie „SuperNature“.

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Bei der diesjährigen Golden-Globes-Zeremonie in Los Angeles sorgte ein kurzer Bühnen-Moment für Verwirrung und Gemurmel in den VIP-Reihen: Der britische Star-Comedian Ricky Gervais wurde für sein aktuelles Netflix-Programm „Morality“ als bester Comedy-Special-Künstler ausgezeichnet – war jedoch selbst nicht an der US-Westküste anwesend. Die Laudatio und Entgegennahme des Preises übernahm die US-Comedienne Wanda Sykes, die in ihrer Rede eine pointierte Spitze setzte. Das berichten diverse US-Branchenmedien, darunter das Filmblatt „Variety“.

Sykes dankte bei der Übergabe des Awards „Gott und der Trans-Community“ – eine ironische Anspielung darauf, dass Gervais bekennender Atheist ist. Zugleich steht der 64-Jährige seit Jahren wegen transfeindlich empfundener Witze in der Kritik. Sykes bezog sich damit indirekt auf Gervais‘ Netflix-Special „SuperNature“ aus dem Jahr 2022, das wegen seiner Darstellung von Trans-Personen international Debatten auslöste.

Gervais selbst äußerte sich öffentlich kaum zu der Kritik. Netflix-CEO Ted Sarandos verteidigte ihn damals mit dem Hinweis, dass Comedy gelegentlich Grenzen überschreiten müsse und dass freie Meinungsäußerung ein zentraler Bestandteil der amerikanischen Kultur sei.

Auszeichnung in neuer Kategorie

Ausgezeichnet wurde Gervais nun für „Morality“ innerhalb der noch recht jungen Kategorie „Best Stand-Up Comedy Special“, in der er sich gegen Kollegen wie Bill Maher, Sarah Silverman, Kumail Nanjiani, Kevin Hart und Brett Goldstein durchsetzen konnte.

Vor der Preisvergabe nutzte Wanda Sykes ihre Rolle als Moderatorin für einen ausgedehnten Rundumschlag gegen alle Nominierten – mit teils scharfen, teils liebevoll-bissigen Kommentaren. Besonders deutlich fiel dabei ihre Vorankündigung aus, dass sie im Falle eines Sieges von Gervais genau jene Dankesworte verwenden würde, die dessen öffentliche TV-Persona bewusst konterkarieren.

Gervais, der bereits 2024 den ersten Golden Globe für das Stand-up-Special „Armageddon“ gewann, kann auf eine gewisse Tradition bei den Globes zurückblicken: zehn Nominierungen, fünfmal war er Moderator der Verleihung – stets als Provokateur, der gezielt in Grenzzonen unterwegs ist.In einem Interview anlässlich seiner Ehrung mit einer Star-Bodenkachel auf dem „Hollywood Walk of Fame“ erklärte er, er möge es, wenn das Publikum zu Beginn einer Witz-Erzählung Unsicherheit verspüre. Zudem würden seine Pointen oft brutaler wirken, als sie tatsächlich seien, weil sie bewusst mit moralischen Grauzonen spielten.

Wanda Sykes: Progressive Stimme im US-Comedy

Wanda Sykes ist eine US-amerikanische Stand-up-Comedienne, Schauspielerin und Autorin. Seit den mittleren 1990er-Jahren zählt die 61-Jährige zu den einflussreichsten Stimmen im US-Humor-Business.

Bekannt wurde sie zunächst als Autorin für das Programm „The Chris Rock Show“, später durch eigene Stand-up-Programme, Film- und Serienrollen sowie als scharfsinnige politische Kommentatorin. Ihr Humor ist gesellschaftskritisch, oft explizit politisch und verbindet persönliche Erfahrung mit Themen wie Rassismus, Geschlechterpolitik und LGBTQ+-Rechten. Sykes gilt als eine der bewährtesten und prägnantesten progressiven Stimmen im US-Mainstream-Entertainment.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.