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Wird die neue Staffel von „Twin Peaks“ so düster wie „Fire Walk With Me“?

Als „Fire Walk With Me“ (in Deutschland unter dem spröden Titel „Twin Peaks – der Film“) 1992 ins Kino kam, reagierten die meisten Fans der Mystery-Serie schockiert. Zu düster, zu gewalttätig, zu wenig humorvoll erschien das Prequel von „Twin Peaks“. Auch bei Kritikern fiel der surrealistische Thriller komplett durch.

Das war durchaus ein wenig unfair, weil „Twin Peaks“ auch aufgrund der strengen Zensoren in den USA atmosphärisch in Richtung Seifenoper tendierte und dies, inszenatorisch geschickt, mit absurdem Humor und homöopathisch eingesetztem Horror filterte. Lynchs Filme sind allesamt – jeder auf seine Art – wesentlich expliziter und auch in der Darstellung von Gewalt, Sexualität und Grauen illustrativer.

Mehr Gewalt – weniger Humor?

Nun stellt sich seit Monaten die Frage, wie die neuen Folgen der dritten Season von „Twin Peaks“ aussehen werden. Für Fans bedeutet dies im Grunde vor allem: Fühlt sich „Twin Peaks“ auch 2017 noch wie „Twin Peaks“ an? Die am 21. Mai in den USA auf „Showtime“ (und in Deutschland auf „Sky“) startende Staffel soll sich, so hat es David Lynch in einer ersten Pressekonferenz geäußert, an „Fire Walk With Me“ orientieren.

Damit könnte der Regisseur, der seit „Inland Empire“ keinen weiteren Spielfilm mehr produziert hat und alle neuen Folgen der Kult-Reihe wie einen zusammenhängenden Film gedreht und geschrieben haben soll, sowohl die Handlung als auch die Inszenierung meinen.

Das Fernsehen hat sich seit 1990 in eine andere Richtung entwickelt. Qualitätsserien, die ihren Durchbruch vor allem auch „Twin Peaks“ als Vorreiter“ zu verdanken haben, sind weitaus komplexer – und vor allem problematisieren und visualisieren sie Gewalt und Sexualität völlig anders.

Das könnte sich Lynch zunutze machen (auch mit freier Hand von Sender „Showtime“ – der Serien wie „Dexter“ oder „Homeland“ im Angebot hat) und die Geschichte von „Twin Peaks“ nach den ästhetischen Maßstäben verfeinert erzählen, die alle seine Werke auszeichnen.

Teaser verraten bisher nichts

Heißt das, dass es weniger guten Kaffee und Kirschkuchen gibt und dafür mehr Absurdität und Horror?

Möglich wäre es, denn „Fire Walk With Me“ zeigt Laura Palmers letzte Tage wie eine Passionsgeschichte, in der sexueller Missbrauch anders als in der Serie nicht nur metaphorisiert dargestellt wird. Der in der Serie nur am Rande als Motivation auftauchende Plot um den Handel und den Konsum von Drogen wird hier deutlich differenzierter in den Mittelpunkt gerückt. Viele Figuren, die man wegen ihrer Marotten im Fernsehen liebgewonnen hatte, tauchten auch gar nicht erst auf – oder nahmen eine leicht andere Rolle ein.

Ebenfalls für eine solche drastische Entwicklung spricht, dass Lynchs vorangegangene Filme – und vor allem der ausgesprochen experimentelle „Inland Empire“ – noch weitaus stärker als „Blue Velvet“ oder „Wild At Heart“ mit Motiven des Unheimlichen, einer antinarrativen Struktur und geradezu surrealistischem Horror spielen. Diesen Weg, der in gewisser Hinsicht auch einen Schritt zurück zu seinen künstlerischen Ursprüngen mit „Eraserhead“ darstellt, könnte Lynch auch in den neuen „Twin Peaks“-Episoden fortsetzen.

Überraschungen nicht ausgeschlossen

Die bisher veröffentlichten Teaser verraten im Grunde nichts. Ein Trailer soll laut Lynch mit voller Absicht nicht veröffentlicht werden um kein Story-Detail zu vertraten oder die atmosphärische Gestaltung vorwegzunehmen. Der kurze Clip, in denen einige Schauspieler Impressionen vom Set geben, bringt keine Erkenntnisse – außer dass die Rückkehr nach „Twin Peaks“ auch 2017 für sie ein Ereignis ist.

Bleibt abzuwarten, ob das auch für die gespannten Zuschauer gilt. Es spricht vieles dafür, dass die Showrunner David Lynch und Mark Frost gemeinsam mit „Showtime“ tatsächlich einige Clues entwickelt haben, die auch in Zeiten von Spannungsserien wie „Game Of Thrones“ oder Mystery-Reihen wie „Stranger Things“ echte Überraschungsmomente bieten.

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