Warum Trump es schwer haben wird, im Iran zu gewinnen

Trumps Iran-Politik stößt an Grenzen: Proteste, Repression und begrenzte militärische Optionen erschweren einen schnellen Erfolg.

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Donald Trumps Versprechen, dass für regierungskritische Demonstranten im Iran „Hilfe unterwegs“ sei, steht zunehmend im Widerspruch zu den Realitäten vor Ort. Auch der Wunsch der Regierung nach einem schnellen außenpolitischen Erfolg – oder gar nach einem Regimewechsel in Teheran – bleibt bislang unerfüllt.

Brutales Vorgehen und widersprüchliche Signale

Während groß angelegte Proteste im Iran trotz eines nahezu vollständigen Informations-Blackouts an Dynamik gewonnen haben, deuten bruchstückhafte Hinweise darauf hin, dass die Demonstrationen durch ein blutiges Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte niedergeschlagen wurden.

„Die niedrige Schätzung für die Zahl der Getöteten liegt bei 2.000. Die hohe Schätzung liegt heute [14. Januar] bei 15.000“, sagt Farzan Sabet, ein auf den Nahen Osten spezialisierter Forscher am Global Governance Center, der den Blog Iran Wonk betreibt. „Außerdem bereiten sie Massenhinrichtungen vor.“

Angesichts von Gerüchten über unmittelbar bevorstehende amerikanische Militärschläge sagte Trump am Mittwoch gegenüber Journalisten: „Wir wurden von sehr wichtigen Quellen auf der anderen Seite informiert, dass das Töten aufgehört hat und keine Hinrichtungen stattfinden werden.“ Später fügte er hinzu: „Ich hoffe, dass es stimmt. Wer weiß.“

Ob dies bedeutet, dass die USA militärische Maßnahmen vorerst ausgeschlossen haben, bleibt unklar. Unberechenbarkeit ist ein Merkmal, kein Fehler, der Außenpolitik dieser Regierung. Bereits im Juni des vergangenen Jahres hatte Trump gegenüber dem Iran ein Täuschungsmanöver angewandt. Er versprach ein einwöchiges Zeitfenster für Diplomatie. Ließ jedoch nur Stunden später die „Operation Midnight Hammer“ gegen das iranische Atomprogramm durchführen.

Die Proteste, die vor Wochen aufgrund sich verschlechternder Lebensbedingungen und wirtschaftlicher Not begannen, wuchsen deutlich an, nachdem Stimmen von außen die Demonstrationen unterstützten.

Reza Pahlavi und die Eskalation der Proteste

Am 6. Januar veröffentlichte Reza Pahlavi – der Sohn des ehemaligen Schahs von Iran, der als Dissident im Exil in den USA lebt – einen Instagram-Beitrag, in dem er seine Unterstützung für die Proteste erklärte. „Trotz des anhaltenden gewaltsamen Vorgehens des Regimes leistet ihr Widerstand. Und das ist inspirierend“, sagte Pahlavi. Er rief die Demonstranten dazu auf, sich am darauffolgenden Donnerstag und Freitag zu versammeln und um 20 Uhr Parolen zu skandieren. „Auf Grundlage eurer Reaktion werde ich die nächsten Aufrufe zum Handeln bekannt geben.“ Das Video elektrisierte viele Iraner.

„Ich bekam Nachrichten. Sowohl von Menschen innerhalb des Iran als auch von Studenten, die Familie im Iran haben oder mit ihrer Familie hier sind. Und sie sagten: ‚Haben Sie dieses Video gesehen? Es hat 15 Millionen Aufrufe.‘ Ich dachte: ‚Okay, ich schaue es mir später an‘“, erzählt Sabet gegenüber ROLLING STONE. „Als ich später nachsah, hatte es 80 Millionen Aufrufe.“

Bis Donnerstag kappte das Regime landesweit Internet- und Telefondienste. Demonstranten, die ursprünglich wegen hoher Inflation auf die Straße gegangen waren, riefen nun Parolen wie „Jâvid Schâh“ („Lang lebe der Schah“) und „Tod Khamenei“. Es war die deutlichste direkte Infragestellung der Legitimität der klerikalen Herrschaft seit Jahrzehnten.

Trumps Worte und begrenzte militärische Mittel

Trumps Social-Media-Beitrag vom 2. Januar, in dem er Maßnahmen ankündigte, falls Demonstranten zu Schaden kämen, förderte ebenfalls die Mobilisierung. „Ich denke, das war ein entscheidender Moment. Und die Festnahme von [Venezuelas Präsident Nicolás] Maduro hat die Glaubwürdigkeit von Präsident Trumps Worten unterstrichen“, sagt Sabet.

Am Wochenende setzte das Regime Armee, Polizei und die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) ein – den militärischen Arm zum Schutz der Regierung – sowie die freiwilligen paramilitärischen Basij-Einheiten.

Eine Handvoll Fotos und Videoclips gelangte über Starlink-Satelliteninternet oder durch Schmuggel in Nachbarländer nach außen. Sie dokumentieren anhaltendes schweres Gewehrfeuer in Stadtstraßen. Sicherheitskräfte, die auf Demonstranten schießen. Und Reihen von Leichensäcken.

Dennoch waren die militärischen Mittel, die für ein US-Eingreifen zur Lahmlegung des iranischen Sicherheitsapparats erforderlich wären, zu Beginn von Trumps Zusagen Anfang Januar schlicht nicht vor Ort verfügbar. Es befinden sich derzeit keine Flugzeugträgerkampfgruppen in operativer Reichweite zum Iran. Und bis zum frühen Mittwoch gab es keinen nennenswerten Truppenaufmarsch der USA in der Region. Open-Source-Beobachter registrierten jedoch mehrere Tankflugzeuge in der Luft. Ein mögliches Zeichen für militärische Vorbereitungen.

Zweifel, Frustration und strategische Unsicherheit

„Einige der Botschaften, die ich aus dem Iran höre, vermitteln ein Gefühl des Verrats durch Präsident Trump“, sagt Sabet. „Die Menschen dachten, sie gingen mit ihm im Rücken auf die Straße.“

Was Washington mit den verfügbaren Mitteln erreichen will, bleibt offen. Regierungsinterne Quellen erklärten zuvor gegenüber der Presse, das Weiße Haus erwäge eine Reihe nicht-kinetischer Optionen: die Stärkung regimekritischer Medien im Internet, Cyberangriffe auf iranische Ziele oder zusätzliche Sanktionen. Ebenso wie begrenzte Militärschläge gegen kritische Einrichtungen.

Die USA unterhalten zwar Kampfjets und Marineeinheiten in der Region. Etwa auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid in Katar und auf einem Marinestützpunkt in Bahrain, die zu Marschflugkörper- und Präzisionsschlägen fähig sind. Doch die Zerschlagung der iranischen Sicherheitskräfte, die Entmachtung der politischen und militärischen Führung und der Sturz des Regimes würden voraussichtlich einen erheblichen Einsatz militärischer Ressourcen erfordern.

„Das ist keine einmalige Aktion“, sagt Victoria Taylor, ehemalige stellvertretende Staatssekretärin für Irak und Iran. „Jeder Versuch, das Regime mit militärischer Gewalt zu stürzen, würde eine anhaltende Kampagne erfordern.“

Interne Konflikte und skeptische Experten

Unklar ist, ob Trump zu einem solchen Einsatz bereit ist.„Eine der Herausforderungen innerhalb der Regierung ist, dass es sehr unterschiedliche Lager gibt, was die Bereitschaft zum Einsatz von Gewalt betrifft“, sagt Taylor. „Es gibt eindeutig falkenhafte Kräfte, die eine deutlich robustere Außenpolitik verfolgen wollen. Dazu zähle ich Außenminister Marco Rubio. Gleichzeitig wissen wir, dass es starke Stimmen für Zurückhaltung gibt, etwa Vizepräsident J.D. Vance.“

Angesichts des Mangels an klar formulierten Zielen oder einer kohärenten Iran-Strategie sind einige Experten skeptisch, ob Washington die gewünschten Ergebnisse erzielen kann.

„Es gibt keinen gewaltsamen Abkürzungsweg zu einem Ergebnis, mit dem die USA und Israel zufrieden wären“, sagt Ali Vaez, Leiter des Iran-Programms der International Crisis Group. Zwar könne Trump den Druck mit nicht-kinetischen Maßnahmen erhöhen. Doch „sie erfüllen nicht das Kriterium des ‚Spektakulären‘, das er offenbar bevorzugt, und könnten keine signifikanten Ergebnisse liefern“.

Begrenzte Militärschläge – ähnlich den Angriffen auf das iranische Atomprogramm im vergangenen Sommer – könnten Trump zwar einen PR-Erfolg verschaffen. Sie würden jedoch weder das Regime zerstören. Noch das Leben der Demonstranten schützen.

Strukturelle Schwäche des Regimes

„Es besteht die Gefahr, dass aus Venezuela und aus dem 12-Tage-Krieg [als Israel und die USA den Iran im Juni 2025 angriffen] die Lehre gezogen wird, dass die militärische Überlegenheit der USA ausreicht, um Ziele schnell zu erreichen. Ohne Bodentruppen und ohne eigene Verluste“, sagt Taylor. „Im Iran ist die Schwierigkeit jedoch, dass selbst bei einem Sturz des Regimes unklar ist, ob wir den weiteren Verlauf kontrollieren könnten.“

Gleichzeitig zeigen die Proteste und das harte Vorgehen strukturelle Schwächen des iranischen Regimes, das die Unruhen als von Israel koordiniertes Komplott darstellt. Doch das Ausmaß der Proteste widerlegt die Darstellung, es handle sich lediglich um das Werk ausländischer Agenten. Frühere soziale und wirtschaftliche Proteste mündeten bereits mehrfach in direkte Herausforderungen an das System, das viele junge Iraner als repressiv und rückständig empfinden.

„Das Regime kann unterdrücken. Aber es kann die grundlegenden Ursachen nicht beseitigen“, sagt Vaez. „Es kauft sich lediglich Zeit bis zur nächsten Konfrontation mit der Zivilgesellschaft. Und diese werden immer häufiger und gewaltsamer.“

Sabet sieht die aktuelle Krise als Teil eines langfristigen Trends, der sich über fast ein Jahrzehnt innerer Proteste und Repressionen zurückverfolgen lässt. „Die zugrunde liegende Annahme ist für mich eine Entwicklung, bei der die Menschen verstehen, dass dieses System ihre Bedürfnisse nicht erfüllen kann“, sagt er.

„Warum gehen Menschen immer wieder auf die Straße, töten Sicherheitskräfte und werden selbst in großer Zahl getötet? Warum findet gerade jetzt ein Massenmord auf den Straßen statt, wenn Reformen funktionieren würden?“, fragt er.

Begrenzter Einfluss von Pahlavi und Trump

Der Grund, warum Pahlavis Beitrag viral ging und die Proteste weiter anheizte, sei ihm in Gesprächen mit Bekannten klar geworden, so Sabet. „Sie sagten: ‚Wir hatten vorher keine Alternative. Hier ist eine Alternative, oder?‘ Zumindest bietet sie eine Vision einer möglichen positiven Zukunft oder Hoffnung.“

Dennoch ist der Einfluss von Pahlavi – und auch von Trump – begrenzt.

„Obwohl das Ansehen des Sohnes des ehemaligen Schahs in den vergangenen Monaten gestiegen ist, wird er keineswegs allgemein als Oppositionsführer wahrgenommen“, merkt Vaez an. „Und er verfügt über keinerlei Organisation vor Ort.“

Sabet ergänzt: „Wenn es ein Jahr lang Massenhinrichtungen und Repressionen gibt, könnte das ausreichen, um Pahlavis Ambitionen zu beenden.“ Gleichwohl sei es schwer vorstellbar, dass die USA das Regime rasch stürzen. Dennoch könnten „einige wohlüberlegte Maßnahmen im Cyber- und nicht-kinetischen Bereich – oder auch begrenzte militärische Schritte – enorme Auswirkungen haben“, indem sie eine neue Protestwelle auslösten. „Die Situation ist so instabil und dynamisch, dass mich nichts überraschen würde.“

Vaez hingegen glaubt nicht, dass die USA den Ausgang für ein Regime bestimmen können, das ein Land mit 92 Millionen Einwohnern seit fast 60 Jahren regiert.

„Das ist eine iranische Angelegenheit. Außenstehende sind lediglich Zuschauer“, sagt er.

Trump jedoch betrachtet seine früheren militärischen Aktionen gegen den Iran – die Tötung des IRGC-Kommandeurs Generalmajor Qasem Soleimani im Jahr 2020 sowie den Angriff auf Teherans Atomprogramm im vergangenen Jahr – als eindeutige Erfolge. Und die Rolle des bloßen „Zuschauers“ ist eine, die er nur selten akzeptiert.

Mac William Bishop schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil