Warum Jack White in Sachen Trump auf die Weisheit Bob Dylans setzt
„Als Dylan sagte, 'The Answer Is Blowin' In The Wind', hat er uns allen nicht verraten, wie die Antwort lautet.“
Die Vereinigten Staaten sind in der zweiten Amtszeit von Donald Trump als US-Präsident so polarisiert wie lange nicht mehr. Nun hat sich Jack White – bekannt als scharfer Trump-Kritiker – dazu geäußert. In einem großen Interview mit dem britischen „Guardian“ sprach er dabei über den Unterschied zwischen politischer Rede und politischer Kunst.
„Als Dylan sagte, die Antwort wehe im Wind, hat er uns allen nicht verraten, wie die Antwort lautet“, erklärte der Songwriter vielsagend. Er nutzte dieses Beispiel, um zu erklären, dass Künstler durchaus trennen können (und vielleicht sogar sollten!) zwischen dem, was sie politisch denken und was sie singen.
Während er privat deutliche politische Ansichten vertrete, bevorzuge er in der Musik Metaphern und fiktive Charaktere, statt Personen beim Namen zu nennen, so White gegenüber der Zeitung. Er wolle damit die „Suche des Publikums nach Heuchelei“ unbedient lassen.
Bob Dylan ist ein Mentor für Jack White (aber auch nicht unkompliziert)
Dass sich der einstige Gitarrist und Sänger der White Stripes zu Bob Dylan bekennt, ist alles andere als neu. In einem Interview mit ROLLING STONE bezeichnete White den Nobelpreisträger als „unglaublichen Mentor“ und „guten Freund“. Zugleich gab er zu erkennen, dass Dylan eine sehr komplizierte Persönlichkeit sei. Er erwähnte gegenüber Dan Rather in einem Interview auch, Dylan einmal gesagt zu haben, er sei „neidisch“ auf die Musiker der 60er Jahre, da es damals aufgrund der gesellschaftlichen Umbrüche einfacher gewesen sei, bedeutungsvolle Songs zu schreiben.
Bob Dylan steht für Jack White aber nur als Fixstern für ein politisches Songschreiben, das auch viele andere Musiker für sich in Anspruch nehmen. Mit Musik, so der Sänger, werde eben anders interagiert als mit Sprache. „Sobald sich jemand nach vorne stellt und eindeutig etwas ablehnt, fangen alle an, zu schauen, ob das auch authentisch ist“, sagte der 50-Jährige. „Was den Präsidenten angeht, habe ich gesagt, was zu sagen ist. Aber wenn ich es in künstlerischer Form ausdrücken würde, würde ich diese Dinge wohl nicht direkt sagen. Ich würde keine Namen nennen. Ich würde mir eine Figur ausdenken.“
In diesem Zusammenhang erwähnte White auch Taylor Swift, deren autobiographischen Texte exakt das Gegenteil seiner Ansicht von Kunst darstellten und die er für „langweilig“ halte. Er habe kein Interesse daran, seine schmerzhaftesten Erfahrungen in Texten zu verarbeiten, nur damit „irgendein Idiot im Internet darauf herumtrampeln kann“.
Aufhänger für das offene Gespräch mit dem „Guardian“ war die Vorstellung von Jack Whites Buch „Complete Lyrics and Selected Writing“, eine Sammlung von Texten aller Songs, die er unabhängig von The White Stripes geschrieben hat (zu seiner geliebten alten Band gibt es aber auch etwas). Darunter sind Gedichte, Instagram-Posts und Gedanken aus Notizbüchern.