Ace Frehley verbreitet Astroworld-Verschwörungstheorie


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Ace Frehley, ehemaliger Gitartist von KISS, verbreitet absurde Behauptungen zu satanistischen Verschwörungen auf dem sozialen Netzwerk seiner Wahl. Diese Form der skurrilen Verschwörungsmythen war sonst bereits vielfach vor allem über TikTok verteilt worden. Die Plattform kämpft laut eigenen Angaben bereits damit, die Flut an Fehlinformationen in den Griff zu bekommen.

Anstoß für diesen Aussetzer war das Astroworld-Festival in Texas (USA) am 05. November – eine Massenpanik während eines Konzertes von Travis Scott hat bisher 10 Menschenleben gefordert,  darunter auch das eines 9-jährigen Kindes. Scott und die Veranstalter stehen seither in der Kritik und erwarten einige auf sie zukommenden Klagen.

In den USA stößt der Satanismus eine etwas hitzigere Debatte an als vielleicht in Deutschland: Während man solche Formulierungen hier eher belächelt, ist fundamentaler christliche Glaube in Nordamerika – vor allem auf dem Land – deutlich verbreiteter. Die Figuren Gott und der Teufel nehmen dann stärker personifizierte Rollen im Glauben ein. Obwohl die Existenz etwaiger damit zusammenhängender Rituale oft schlichtweg widerlegt werden konnte, halten sich vor allem in sehr isolierten Regionen solche Verschwörungsmythen.

In einem Post vom vergangenen Freitag (12. November) teilte Frehley ein Bild, auf dem er eine rote Socke mit dem Aufdruck „NICHT HEUTE SATAN“ trägt, begleitet von folgendem Text:

„Auf Tour mit Monique & Lara … In Bezug auf das, was in Houston TX passiert ist … Unsere Gebete 🙏 gehen an alle Familien, die bei dem Konzert geliebte Menschen verloren haben! … Scheint, als wäre es ein ‚satanisches Ritual‘ gewesen, das sehr schief gelaufen ist! Sie werden in der Hölle schmoren!!! Für jeden, der diese Kinder sterben ließ! 😤✝️💟☯️☮️✡️🕎☪️ … Alle Menschen jeden Glaubens und jeder Religion sollten sich zusammenschließen, um zu verhindern, dass so etwas jemals wieder in Amerika passiert 🇺🇸 … Gott segne euch!!!💖🙏“

Etwas verwunderlich, dass gerade Ace Frehley sich dieser Mythen bedient: Auch seine ehemalige Band KISS wurde malerischer bluttrinkender, Ziegen schlachtender und Jungfrauen opfernder Satanismus nachgesagt. Eine der bekanntesten war, das KISS für „Knights in Satan’s Service“ stehe. Eigentlich müsste es der Gitarrist doch besser wissen.

Kreative und skurrile „Beweise“ für Satanismus

TikTok wurde regelrecht mit Videos überschwemmt, in denen das Astroworld-Festival als „satanisches Ritual“ bezeichnet wurde. Die hervorgebrachten „Beweise“ waren dann meist – nun ja, skurril. Da sind dann mal angebliche satanische Symbole in Travis Scotts Bühnendesign dabei und manchmal werden Geburtstage von Scott und seiner Familie kreativ zusammengerechnet, um die als Summe die Zahl 666 zu erhalten.

Gefährlich wird dies vor allem, wenn solche Verschwörungsmythen, die zum Teil auch von Rechtsradikalen wie QAnon genutzt werden, von  Kindern und Jugendlichen ungefiltert aufgenommen werden, und ihnen keine Möglichkeit bleibt, diese Information kritisch einzuordnen.

Travis Scott befasst sich derweil mit der Welle an Klagen, die auf ihn zukommen. Seine Rolle scheint ambivalent. Er bot allen Verletzten, ob physisch oder psychisch, Hilfe an und versprach finanzielle Unterstützung für die Opfer, und zeigt sich öffentlich zutiefst erschüttert über die Ereignisse. Zum anderen unterliefen ihm aber auch Fehltritte, die ihn nicht allzu gut aussehen ließen: So löste er das Konzert erst nach knapp 40 Minuten auf und besuchte nach der tödlichen Massenpanik noch die Aftershow-Party des Festivaltags. Der Fall wird mit Sicherheit gründlich aufgearbeitet.