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Aus dem Off (5)

Corona-Tagebuchnotizen von Arne Willander: Eric Rohmer

Was ich auch nicht gedacht habe: Dass man in Berlin morgens in einen Supermarkt geht und die Frau vor einem und die Frau nach einem zu niemandem Bestimmtem „Guten Morgen“ sagen, als würden sie eine beschauliche Dorfbäckerei betreten, in der sie die Verkäuferin seit jeden kennen.

Ich kenne die Kassiererin beim Niedrigpreis seit einigen Tagen, sie ist immer morgens im Dienst. Wenn ich die EC-Karte vorzeige, gibt die Frau ein Geräusch wie ein zustimmendes Seufzen von sich und sagt: „Ist jetzt freigeschaltet“, und wenn ich „Danke“ sage und den Pappbeutel hochhebe, sagt sie im selben Moment „Danke“.

Soziale Kontakte – in Anführungszeichen

Es nützt aber nichts, abschließend „Schönen Tag!“ zu rufen. Sie reagiert darauf nicht. Es gibt nur dieses „Danke“ und den Kassenzettel aus dem Gummihandschuh. Sie legt ihn auf die Stelle, die früher in Supermärkten eine geräumige Rutsche war.

Die Friseurin in der Straße hat ein ausgedrucktes Blatt Papier neben ihren verrammelten Laden gehängt, in der sie um Verständnis dafür bittet, dass sie derzeit nur Stammkunden nach Vereinbarung bedient, um die „sozialen Kontakte“ zu vermindern. „Soziale Kontakte“ in Anführungszeichen.

Sie heißt Kurt und hat viele soziale Kontakte, schwatzt mit den Stammkunden und lacht laut, wenn auch nicht mit mir. Ich werde einen Termin mit mir vereinbaren, um herauszufinden, ob ich als Stammkunde gelte. Oft habe ich den Eindruck, dass sie mich wiedererkennt, wenn sie mich sieht.

Im urgemütlichen Tabak-, Lotto- und Zeitschriftenladen stehen drei Stammkunden, trinken Kaffee und rauchen, was nicht im Sinne des Erfinders ist. Der Patron schaut schuldbewusst durch den Qualm und versucht das launige Gerede der rauchenden Kaffeetrinker zu übertönen. „Ich habe Geld geholt“, sage ich unnötig. „Gut, dass noch welches da ist“, sagte der Ladenmann, der aus Wien stammt, aber nicht so spricht.

Gesammelte Werke von Eric Rohmer

Was ich eigentlich sagen will: Meine Studien zu den Filmen von Eric Rohmer haben Formen angenommen. Die drei Zyklen gibt es nun erstmals gesammelt – mit den frühen Kurzfilmen – auf DVD (in drei Kassetten bei Arthaus): „Moralische Erzählungen“, „Komödien und Sprichwörter“ und „Erzählungen der vier Jahreszeiten“, die man grob den 60er- und frühen 70er-Jahren (Moralische Geschichten), den 80er-Jahren (Komödien und Sprichwörter) und schließlich den 90er-Jahren (Jahreszeiten) zuordnen kann.



Corona-Tagebuchnotizen von Arne Willander: The Elephant Man

Falls ich je vergessen hatte, dass Karfreitag ist – in der Morgendämmerung wurde ich nicht daran erinnert. Der Fernsehsender SWR (Seuchen-Motto: „Für euch da“) scheute sich nicht, William Friedkins „The French Connection“ zu zeigen, einen Film, der früher der typische Samstag-22.20-Uhr-Film der ARD war. Nun begann er gegen halb fünf morgens. Aber was schadet es? Der Film war 1971 eine Erscheinung und ist es noch. Friedkin, ein gewiefter Dokumentarfilmer, übertrug das Cinéma vérité auf den Gangsterfilm und schilderte in unglaublich langen Einstellungen pedantisch nichts anderes als ein Drogengeschäft, das Agieren der Schmuggler und der Polizisten in New York. Ein Restaurantbesuch.…
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