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Aus dem Off (3)

Corona-Tagebuchnotizen von Arne Willander: Jenseits von Jedem

Prokrastination ist natürlich immer ein Problem. Heute wollte ich erstens im Badezimmer durchwischen und zweitens mein Studium der Filme von Eric Rohmer vorantreiben, indem ich die drei Zyklen anschaue, jedenfalls „Sommer“, um mit einer Jahreszeit des Jahreszeiten-Zyklus zu beginnen.

Zum 100. Geburtstag Rohmers soll demnächst eine DVD-Anthologie erscheinen, die erstmals alle Werkphasen versammelt. Aber ich machte dann nichts von beidem, Badezimmer und Rohmer, sondern sah den Ausschnitt einer Festveranstaltung für Lionel Richie im Jahr 2012 in Las Vegas, bei der Kenny Rogers sich launig und würdevoll bei Richie dafür bedankt, dass er ihm 1980 den Song „Lady“ überließ, der ein großer Hit wurde.

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Rogers erzählt auf der Bühne, dass er Richie anrief und fragte, ob er ein Stück für ihn schreiben könne. Richie sagte, er habe keine Zeit. Dann trafen sich die beiden aber doch, in Las Vegas, Richie brachte „Lady“ mit und sagte, er habe das Lied den Commodores, seiner Band, vorgeschlagen, die es jedoch ablehnten – ein interessanter Ansatz für die Anpreisung eines Songs, lacht Rogers, eine Empfehlung für angehende Songschreiber. Im Auditorium will Richie sich nun ausschütten, dann springt er auf, streckt die Arme aus und dreht sich zum Publikum um.

Auf der Toilette schnell nachgedacht

Rogers erzählt weiter. Bei der Aufnahme im Tonstudio, sechs Monate später, bemerkte er, dass es keine zweite Strophe gab. Daraufhin zog sich Richie in die Toilette zurück und kehrte nach einer Weile mit der benötigten Lyrik zurück. Unter Druck könne er am besten schreiben. „There’s so many ways to say ,I love you’/ We belong together/ Won’t you believe in my song/ I’ve been waiting for you for so long …“ Jetzt entert Richie die Bühne und singt das Lied mit Rogers. Er grinst, er hebt die Faust. Der Song ist eine verschwenderische Jubilation.



Corona-Tagebuchnotizen von Arne Willander: Cleopatra

Man frag sich manchmal bei den Programmankündigungen von Netflix, was sich wohl hinter den Bildern und Titeln verbirgt. "Großkatzen und ihre Raubtiere" verschleiert erfolgreich die Bizarrerie dieser phantasmagorischen Dokumentation, die den Originaltitel "Tiger King" trägt, uns in Abgründe blicken lässt – und die blicken nicht zurück. Hier begegnen uns Welten jenseits der Vorstellungskraft. Der Schauder der Faszination aber wird bald abgelöst vom Ekel des Überdrusses angesichts dieses Pandämoniums von Absurdität, Grausamkeit und Sinnlosigkeit. Ein Elend wird besichtigt, das darum weiß, dass es besichtigt wird. „Tiger King“ in der Kritik: Die Schautafeln bei Arte, nach Begriffen wie "Pop und Kultur" und…
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