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Die 100 größten Musiker aller Zeiten: David Bowie – Essay von Lou Reed


von

David Bowie

Von Lou Reed

David Bowies Beitrag zum Rock’n’Roll: Witz und Sophistication. Er ist clever, aber er ist auch ein wahrer Musiker, und er kann wirklich singen. Und das mit einer riesigen Spannbreite: Ich mag den Ton von Ziggy Stardust, aber David hat noch ganz andere Stimmen. Selbst die eines Crooners, wenn er will. Und einen Sinn für Melodie, an den niemand sonst im Rock’n’Roll rankommt. Manche seiner Melodien könnten die meisten überhaupt nicht singen.

Androgyn waren viele im Rock, angefangen mit Little Richard, aber David hat dem Ganzen seine eigene Patina verliehen, um’s mal vorsichtig auszudrücken. Er hat sich über die Figur des Ziggy lange Gedanken gemacht. Er ging zum Schauspielunterricht, und nicht nur zum Spaß. Bühne ist Handwerk, das wusste er, und das nahm er ernst. Er machte eine ganze Show aus dieser Figur – und dann ließ er sie hinter sich. Ziemlich schlau. Stellt euch vor, er hätte immer weiter den Ziggy geben müssen. Ich meine, wenn man sich nach Publikum und Kritikern richten würde, müsste man dieselben vier Songs in alle Ewigkeit spielen. David dagegen schlüpfte in andere Rollen, wie den Thin White Duke. Und als er sich auf Alben wie „Young Americans“ am amerikanischen Soul versuchte, gelang ihm auch das unglaublich gut – die Songs, die er dafür schrieb, waren hervorragend.

Lou Reed, Amsterdam, 1972. (Photo Gijsbert Hanekroot/Redferns)

Ich kann unmöglich eine Lieblingsplatte angeben, das hängt zu sehr von meiner Stimmung ab. Aber ich mag alle seine Dance-Alben. „Ziggy Stardust“. Seit jeher auch „Bewlay Brothers“ von „Hunky Dory“. Und die Alben, die er mit Brian Eno gemacht hat, sind phänomenal. Er verändert sich ständig, darum wird einem mit seinen Sachen auch nie langweilig. Und das gilt bis heute: „The Loneliest Guy“ auf seinem Album „Reality“ ist ein toller Song. Einer mehr.

Wir sind nach all den Jahren immer noch Freunde, erstaunlich eigentlich. Hin und wieder gehen wir zusammen ins Museum oder in eine Ausstellung, und ich arbeite gerne mit ihm. Ich hab ihn hier in New York bei seiner letzten Tour spielen sehen, das war eine der tollsten Rock- Shows, die ich je erlebt habe. Zumindest was weiße Musiker angeht. Ganz im Ernst.


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Gijsbert Hanekroot Redferns

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