Das „Dschungelcamp“ ist großes absurdes Theater

Jetzt berichten wieder alle über das „Dschungelcamp“. Auch ROLLING STONE. Warum nur – gibt es nicht wichtigere Themen, die dieses Land bewegen? Sicher gibt es die. Aber der Erfolg dieses eigenartigen Sendeformats ist es, dass es trotz Mediantamtams völlig falsch eingeschätzt wird. Eigentlich sollte man annehmen, dass es sich hier um einen weiteren Tiefpunkt in der nach unten offenen Skala des Selbstentwürdigungstheaters handelt, das die Privaten und besonders RTL seit Jahren kultivieren. Aber das wäre zu einfach.

Längst wärmt sich eine ganze Nation an diesem Fernsehlagerfeuer. In der Spitze sehen bis zu acht Millionen Menschen dem bunten Treiben im australischen Regenwald zu. Oder ist es doch nur ein gigantischer Container in Köln/Hürth? Jedenfalls bescheren die Zuschauer RTL vor allem in der jungen Zielgruppe Marktanteile, die sonst nur Fußballübertragungen erreichen. Das, was „Wetten dass…“ einmal war, nämlich talk of town zu sein, ist inzwischen das „Dschungelcamp“.

Alle sprechen über das Dschungelcamp – aber warum?

In den Kantinen und Büroräumen, in den Schulen und Arztpraxen wird über Ekelprüfungen und den einen oder anderen Seelenstriptease diffuser Halbprominenter intensiv, manchmal vielleicht hinter vorgehaltener Hand („Ich weiß, es ist ja solch ein Quatsch, trotzdem gucke ich es irgendwie ganz gerne“), aber doch mit fast absurdem Ernst palavert. Die resolute Verweigerungshaltung einer Blondine, die mittels Kakerlakenspeise für das Abendessen ihrer Campkollegen zu sorgen hatte, oder die rührend naiven Ohnmachtsanfälle und Heimwehklagen eines besonders jungen ehemaligen Castingshowkandidaten (der damit das Publikum restlos für sich überzeugen konnte) werden diskutiert und voller Inbrunst psychologisch bewertet.

In dieser Castingshow Deluxe ist der Fernsehzuschauer selbst die Jury und wähnt sich mit einem diebischen Lachen im Gesicht in der Rolle des Scharfrichters. Es ist geradezu lächerlich. Warum also Gedanken verlieren über diesen televisionären Menschenzoo, der doch wohl mit den Mitteln des Trash-TVs niedere voyeuristische Bedürfnisse befriedigen und die Lust an der Entwürdigung anhaltend zelebrieren will?

RTL / Stefan Menne


Die besten Konzeptalben aller Zeiten: The Who - „Quadrophenia“

Der alles überwältigende Song kommt am Schluss. Regen prasselt, als die ersten Klavierakkorde zu „Love, Reign O’er Me“ einsetzen, dieser Sehnsuchtshymne adoleszenter Jugendlicher, zu der im Jahre später gedrehten Kinofilm (mit Sting!) der Held, ein Mod namens Jimmy, von der Klippe ins Open End springt und sein Scooter zerschellt, während er auf dem Doppelalbum mit einem Bötchen aufs Meer hinausrudert, was natürlich ein bisschen weniger offensichtlich ist. Für „Quadrophenia“ sprechen vor allem drei Argumente: Die Mod-Kultur, die schönste Jugendkultur aller Zeiten; ihre Musik (Northern Soul) war so hitzig wie ihre Tänze elegant und ihr Styling (Parkas, Ponys, enge Anzüge, Mädchen…
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