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„Der Exorzist“: Ein Schock, von dem sich das Kino nicht mehr erholte

Unter Fans und Kritikern, in Rankings und in Foren – täglich wird irgendwo darüber diskutiert, welche Szene aus „Der Exorzist“ wohl die gruseligste ist. Der Moment, in dem sich Linda Blairs Kopf um 180 Grad dreht? Der Kampf zwischen zwei Hunden im Wüstensand Iraks, im Flirren der Sonne? Die Einblendungen des Gesichts von Captain Howdy? Oder doch die legendäre, einst herausgeschnittene, für eine Extended Version wieder eingefügte „Spiderwalk Scene“, in der die rücklings gedrehte Blair eine Treppe runterläuft…

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Was sich liest wie eine Diskussion unter Nerds, ist doch eine grundlegende Frage; denn so, wie viele Kinoschauer entweder „Star Wars“ oder „2001: A Space Odyssey“ als größten Science-Fiction-Film bezeichnen, gilt William Friedkins „The Exorcist“, der 1973 in den Kinos anlief, zusammen mit „Psycho“ (1960), „Halloween“ (1978) und „Shining“ (1980) zu den größten Horrorfilmen.

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Der Sound macht wahnsinnig

Ohne Frage verfügt der „Exozist“ über eine der irritierendsten Tonspuren der Kinogeschichte. Jeder Sound-Effekt wurde überhöht. Das Keuchen im Schlaf, eine fahrende Kutsche, Hundegebell oder knarzende Dachböden klingen hier genauso bedrückend wie die eigentlichen phantastischen Klänge, etwa die der gequälten Seelen in einer real existierenden Hölle.

Viele Mythen kreisen um den Kinostart des Films, kolportiert werden Fehlgeburten unter Zuschauerinnen, Abtreibungen, auf jeden Fall viele Gespräche, die besorgte Eltern auf einmal mit ihren Kindern führen wollten. Die Geschichte der zwölfjährigen Regan (Linda Blair), die von einem Teufel besessen wird und selbst dann noch, als sie gefesselt im Bett liegt, auf ihre Mutter losgehen kann, passte zum Zeitgeist. Teenager wurden komplizierter, es war die Post-Hippie-Ära, Selbstenfaltung begann immer früher, Kinder verwendeten zunehmend andere Sprach-Codes als ihre Eltern.

So war die dämonische, in Zungen redende Regan einfach auch ein Mädchen, das ihre Mutter (Ellen Burstyn) nicht mehr verstand. Die Szene, in der sie sich mit einem Kruzifix blutig masturbiert, sprengte alles Erwartbare. Eine andere Hauptfigur des Films wiederum, der Priester Karras (Jason Miller), plagt sich bis zu seinem Tod mit dem Vorwurf, als Sohn nicht für seine kranke Mutter da gewesen zu sein. So wird die fehlende Kommunikation zu eines der zentralen Themen des Films.

Friedkins Triumph

„Der Exorzist“ wurde ein phänomenaler Erfolg – bevor Steven Spielberg 1975 seinen „Weißen Hai“ losließ, war es gar der kassenträchtigste Film aller Zeiten. Es gab Oscar-Nominierungen in alle Richtungen, auch für die damals 13-Jährige Linda Blair als „Beste Nebendarstellerin“. Zwei Oscars konnte der Film einstreichen, für den „Besten Sound“ sowie das „Beste adaptierte Drehbuch“, nach einem Roman von William Peter Blatty.

Für Regisseur William Friedkin jedoch, zuvor schon mit dem Gangster-Film „French Connection“ als Prinz des „New Hollywood“ gehandelt, sollte es der letzte große Streich bleiben. Der cholerische Regisseur, der seine Schauspieler auch mal per plötzlichen Ohrfeigen zu Höchstleistungen anstachelte, ging mit „The Sorcerers“ 1976 baden, für die New Yorker Killergeschichte „Cruising“ (1980) hagelte es Proteste von Homosexuellen-Verbänden.

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Und nicht zuletzt hatte auch Linda Blair Pech. Wie fast alle Kinderstars gab es für sie in Hollywood keine große Zukunft. John Boormans „Exorcist“-Fortsetzung „The Heretic“ (1977), seltsam montiert aus Fantasy-Elementen und mit Original-Szenen (!) aus dem ersten Teil, konnten dann auch Richard Burton sowie Komponist Ennio Morricone nicht mehr retten. Blair stieg danach ins Exploitation-Kino ab, etwa im Frauen-im-Gefängnisfilm „Chained Heat“.

Blair gelang es auch nicht, neben Leslie Nielsen in der „Exorcist“-Persiflage „Repossessed“ (1990) ihre berühmte alte Rolle zu entzaubern. Die wirkt nämlich nach.

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