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17 knallharte Fakten zu John Carpenters “Escape From New York” – “Die Klapperschlange”

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17 knallharte Fakten zu John Carpenters “Escape From New York” – “Die Klapperschlange”

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Mit “Die Klapperschlange” (Original: “Escape from New York”) veröffentlichte John Carpenter 1981 zwar nicht seinen erfolgreichsten, aber seinen von Fans am innigsten geliebten Film. Mit geringem Budget – der Streifen kostete sieben Millionen Dollar, Werke dieses Kalibers wären heute nicht unter 200 Millionen Dollar zu haben – realisierte der Regisseur eine Zukunftsvision. Ganz Manhattan ist ein Gefängnis, von Mauern umringt, nur von außen von Polizisten überwacht, innen herrscht Anarchie. Als der US-Präsident, unterwegs auf einer Mission, den Dritten Weltkrieg zu beenden, ausgerechnet dort notlanden muss, kann es nur einen geben, der ihn befreit: Snake Plissken. Der Mann ist selbst ein Verbrecher, der die gelungene Rettung als Freifahrtschein aus dem Knast nutzen darf. Wenn er am selbst ernannten “Duke von New York” vorbeikommt, der die Stadt beherrscht. Okay, wir räumen ein: Es ist ein Film für große Jungs, aber …

17 Fakten zum 35. Jubiläum der “Klapperschlange”:

1. Wer den besten Carpenter-Score nennen müsste, würde wohl zuerst bei “Halloween” landen. Aber dicht darauf folgt die “Klapperschlange”. Kaum vorstellbar, aber der Regisseur komponierte seine Filmmusik stets nur deshalb selbst, weil er Kosten sparen wollte. Nach dem Erfolg von “Escape from New York” würde dieser Score für verhältnismäßig lange Zeit sein letzter eigener bleiben. “The Thing” übernahm 1982 Ennio Moricone, “Christine” bestand 1983 fast nur aus Songs, und “Starman” schrieb Jack Nietzsche.

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2. Apropos “Klapperschlange”: Deutsche Verleiher genießen für ihre recht eigenwilligen Neu-Betitelungen fremdsprachiger Filme weltweit einen gewissen Ruf. Das Tattoo Plisskens (Kurt Russell) zeigt keine Klapperschlange – sondern eine Kobra. Wie konnte man damals mit diesem Fehler bloß durchkommen?

Leute, man sieht doch die Schlange auf dem Arm, oder. Erkennen doch auch Menschen, die keine Schlangen-Freaks sind!

Und viele Grüße an Snake, äh, PLESSKEN:

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3. Der “Duke von New York” (Isaac Hayes) ist einfach eine coole Sau. Wenn er sich durch die Straßen Manhattans kutschieren lässt, sitzt er dabei nicht, wie bei Bossen so üblich, auf der Rückbank.

Nein, er wählt, als wohl erster Bösewicht der Geschichte, den Beifahrersitz. Hinten sitzt Handlanger Romero.

4. In der Special Edition (DVD) war erstmals die Bankraub-Szene zu sehen, die Plisskens Vorgeschichte erzählt – warum er im Knast gelandet ist, und dass er eigentlich ein gutes Herz hat. Nur, weil Snake auf seinen Räuberkumpel wartete, trotz nahender Polizeitruppen, wurde er festgenommen.

Carpenter schnitt die Szene aus der Kinofassung heraus, weil er den Grund für Plisskens Inhaftierung im Unklaren lassen wollte. Die “Bank Robbery” enthielt auch Musik Carpenters, das französische Horror-Electro-Duo Zombie Zombie hat es später auf ihrer EP “Plays John Carpenter” gecovert.

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5. Es gibt nur zwei Szenen, die in New York gedreht wurden: Aufnahmen vor Liberty Island mit der Freiheitsstatue, es war die erste Dreherlaubnis dort überhaupt; sowie eine Einstellung, die einen Polizisten vor der Skyline Manhattans zeigt. Der Mann passiert eine Polizeiwache, es folgt ein Dolly Shot im Dunkeln …

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6. … und heraus kommt er in St. Louis. Dort wurde “Escape from New York” gefilmt. Carpenter hatte vor Beginn der Dreharbeiten seinen Setdesigner mit den Worten losgeschickt: “Such mir den dreckigsten, heruntergekommensten Ort in Amerika.” Im Osten von St. Louis, Illinois, wurde man fündig.

Dort gab es leer stehende, verwilderte Viertel, das Ergebnis eines Stadtbrands von 1976. Anscheinend hielt der Bürgermeister diese Kieze selbst für derart unwichtig, dass das Filmteam ihn überzeugen konnte, nächtelang den Strom in zehn Blocks abzuschalten. Carpenter kaufte dort, für den symbolischen Preis von einem Dollar, die 69th Street Bridge, auf der es im Film zum Finale kommt. Nach Ende der Dreharbeiten gab Carpenter die Brücke für einen Dollar zurück.

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7. Für unfreiwillige Komik sorgte der Auftritt des Präsidenten-Bodyguards, der mit seinem Maschinengewehr-Kolben das Cockpit der Air Force One aufschlagen will – dass das in Zeitlupe nicht geht, hat ihm wohl keiner verraten. Bei dem Schauspieler handelt es sich um Steven Ford – dem Sohn vom amtierenden Präsidenten Gerald Ford.

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8. Carpenter schrieb das Drehbuch zu “Escape From New York” unter dem Einfluss verschiedener politischer Krisen, darunter Watergate-Skandal und Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran. Der Regisseur traute der amerikanischen Staatsführung zu keiner Zeit über den Weg.

Portrait de Richard Nixon

9. Zu welcher wichtigen Mission, um den Dritten Weltkrieg mit China und Russland zu beenden, war der POTUS eigentlich unterwegs – welches Geheimnis enthielt seine Aufnahme-Kassette? Das wird nicht geklärt, wir hören lediglich Snippets, in denen es um Kernenergie geht. Auftraggeber Hauk (Lee van Cleef) fragt Snake, ob er Ahnung hätte von “kalter Fusion”. Hatte er nicht. Wir haben nachgeschlagen: “Cold Fusion” beschreibt die theoretische Möglichkeit unendliche Energie zu erzeugen. Klar, mit DIESER Waffe gewinnt man jeden Krieg, oder?

Underwater Explosion.

10. Für seinen Score, beim Flug Snakes über Manhattan, benutzte Carpenter Debussys “Engulfed Cathedral”, in einer wunderschönen elektronischen Version. Warum? Carpenter zu ROLLING STONE: “Mir gefiel das Stück, und ich hatte Lust es auf dem Synthesizer zu spielen.”

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11. “Escape From New York”, erschienen 1981, reiht sich ein in die Riege von Filmen – “Zurück in die Zukunft II” ging mit diesem Thema 2015 viral recht steil –, die eine Zukunftsvision entwerfen, die von der Gegenwart längst eingeholt wurden.

“1988”, heißt es bedrohlich im Vorspann, “ist die Verbrechensrate um 400 Prozent in die Höhe geschnellt.” Dann kommt das schwer verdauliche: “1997”, und, in Versalien, “NOW”. Klingt heute lustig, wir leben ja alle noch, kein Dritter Weltkrieg, aber: Rechnen Sie mal 16 Jahre auf 2016 drauf. 2032. Na, wie hört sich das an? Vorfreude auf jene Zeit? Wohl eher Bammel.

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12. Der Film stellt einige verstörende Verbindungen zum Elften September her. Terroristen lassen die Air Force One in einen Wolkenkratzer krachen; Snake Plissken fliegt mit seinem Segelflieger später an den Twin Towers vorbei.

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13. Für die Rolle des Snake wurden “in Betracht gezogen” (muss nichts heißen, kann aber was heißen) – Achtung, Luftholen: Clint Eastwood, Charles Bronson, Tommy Lee Jones, Nick Nolte, Jeff Bridges, Kris Kristofferson und Chuck Norris.

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Chuck Norris

14. Natürlich sind die Action-Szenen innerhalb Manhattans legendär. Aber eine tolle, nicht weniger spannende Mythologie wurde im “Cold Fusion”-Dialog zwischen Plissken und Hauk entworfen, die sich im Konferenzraum wie zwei Cowboys duellieren, nur mit Worten.

Was für Szenarien aus dem Dritten Weltkrieg, um den Häftling für die Sache einzuspannen! Hauk: “You flew the Gullfire over Leningrad. You know how to get in quiet. You’re all I got.” Nicht weniger beeindruckend die Vita Plisskens, sie erscheint wie aus einer anderen Welt, Hauk – einst bei den Special Forces “Texas Thunder” (die Namen!) – liest sie vor:” American, Lieutenant: Special Forces Unit “Black Light”. Two Purple Hearts, Leningrad and Siberia. Youngest man to be decorated by the President. Then you robbed the Federal Reserve Depository… life sentence, New York maximum security penitentary. I’m about to kick your ass out of the world, war hero!”

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15. Das Filmplakat warb mit der umgefallenen, mitten in Manhattan gelandeten Freiheitsstatue. Im Film steht sie noch an ihren Platz, aber die Produzenten wollten mehr Dramatik und Aufmerksamkeit um die Leute ins Kino zu holen. Das Bild ließ sie nicht mehr los. In “Cloverfield” landete dann 27 Jahre später, zumindest der Kopf der Statute of Liberty zwischen den Wolkenkratzern.

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16. Der Filmtitel auf den Plakaten wird in der Schriftart Dafont ausgespielt, die militärisch wirkende Typografie ist in den Polizeistationen zu sehen:

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Die Schrift im Vorspann wurde nach “Escape from New York” zu Carpenters Markenzeichen – Albertus:

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17. Wow!  In seiner Nebenrolle als Romero lieferte Frank Doubleday eine der wohl unheimlichsten Darstellungen eines Psychopathen überhaupt ab. Viertel Kinski, Viertel Ghul, Viertel Pazuzu, Viertel Pantomime. Perfekter Kumpane des hühnenhaften, glatzköpfigen, mit Brummbär-Stimme gesegneten Isaac Hayes.

Sogar im Sterben sieht sein Romero unfassbar abscheulich aus; seine Bewegungen sind echte Kunst. Auch hier haben die Deutschen in ihrer Bearbeitung eine recht eigensinnige Wahl getroffen, diesmal betrifft es die Synchronisation: Mit Messer im Bauch quietscht Romero wie ein Schwein auf dem Schlachterfließband. Im Original kratzt er, viel wirkungsvoller, einfach nur ab, atmet seinen letzten Hauch aus und klingt wie eine leise weinende Katze, mit einer Grimasse, die Munch gefallen hätte.

Carpenter benannte die Figur des Schauspielers, der nach seinen Leinwandauftritten passenderweise als Schauspiellehrer und Regisseur fürs Theater arbeitete, nach Horror-Regisseur George A. Romero. Doubleday, der laut “imdb” zuletzt 1997 in einer Rolle zu sehen war (in “X-Factor”) beeindruckte bereits in Carpenters “Assault On Precinct 13th”, als “White Warlord”. Wer ihn in beiden Filmen gesehen hat, wird ihn nie wieder vergessen.

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Twitter:@sassanniasseri

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Boris Spremo Toronto Star via Getty Images
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  • Roman Eberhart

    Guter Artikel. Übrigens hat die deutsche Synchronisation sogar einen ganzen Inhalt aus Snakes Vergangenheit verfälscht. Im Original überfiel er eine Bank und in der Synchronisation ein Nuklearwaffen-Depot…

    Vermutlich, damit es besser zum Ende passt und die Bank ohnehin nicht gezeigt wird?