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ROLLING-STONE-Interview

Father John Misty: „Was bringen uns Handys, wenn wir sie nur für Pornos und Wut nutzen?“


Ist Ed Sheeran der beste Songschreiber der Welt? Sind die entfesselten freien Märkte die beste Wirtschaftsform seit Anbeginn der Menschheit? Joshua Tillman alias Father John Misty sagt: Ja. Aber bleiben Sie gelassen, ihr Blutdruck wird sich gleich wieder auf den von gebildeten Mitteleuropäern senken. Denn wer schon mal einen Song des bärtigen Amerikaners gehört hat, weiß, dass er das nicht so meint. Er ist sich für das Offensichtliche, Oberflächliche einfach zu schade. Wenn man mit ihm also beispielsweise über langweilige Liedermacher plaudert, die trotz oder wegen ihrer langweiligen Liedermacherei absurde Erfolge einfahren, pariert er die billige Kritik mit Hohn.

Wie kann es sein, dass jemand wie Ed Sheeran mit seiner braven Musik Stadien füllt?

Antwort: Weil er die besten Songs der Welt hat, das ist doch ganz klar! Wenn man ein Stadion füllen kann, muss die Musik einfach unglaublich sein. Das ist die einzige Erklärung. Der freie Markt fördert die beste Kunst zutage, und die beste Kunst schafft es bekanntlich nach ganz oben. So funktioniert das nun mal.

Und dann schimmert einen winzigen Moment lang Sarkasmus in seinen von der erschöpfenden Promotiontour geröteten Pupillen – ein Funke, der sogleich in einem Meer der Müdigkeit erlischt.

Wenn die erfolgreichsten Musiker die besten sind, müsste Ihr neues Album Sie zum Superstar machen. Halten Sie das für möglich?

Antwort: Wenn die Platte was taugt, wird sie die Spitze der „Billboard“-Charts erreichen.

So weit, so komisch. „Pure Comedy“ eben. Obwohl Tillmans drittes Soloalbum auch „Pure Tragedy“ hätte heißen können. Inszenierte er sich auf „I Love You, Honeybear“ in Stücken wie „Bored In The USA“ noch als lässig abgehangenen, unverschämt gut aussehenden Hipster-Posterboy, der an Hotelpools in L.A. schwadronierte und der verschwenderisch-­verführerischen Lebensart Kaliforniens überdrüssig schien, vibriert auf „­Pure Comedy“ eine Vorahnung von der Apokalypse. Der Vollbart ist ab, der Ton – dem Jahr 2017 angemessen – existenzialistisch. Ein aktuelles Foto zeigt Father John Misty in düsterer Atmosphäre mit kurzem Schnauzer und ehrfurchtgebietend finsterer Miene. Er wirkt unnahbar wie ein russischer Dichter auf einer Schwarz-Weiß-Fotografie. Doch Tillman spielt natürlich auch mit diesem Image, balanciert meisterlich zwischen heiligem Ernst, Größenwahn und Schreckensgelächter, besingt in süffisanten, ausladenden, elegischen Westcoast-Balladen Geburt und Tod, Geldgeilheit und Politik, Gott und Revolution, Pop und Postmoderne, Macht und Ideologie, Sex und soziale Medien. Mit anderen Worten, Tillman versucht nicht weniger, als die ganze verdammte menschliche Komödie in ein Album zu pressen.



Madonna wird wegen George-Floyd-Tribut verspottet: „Danke, dass du für uns den Rassismus wegtanzt!“

Madonna ist steht wieder einmal im Zentrum eines Shitstorms. Anfang der Woche hatte es der Popstar anderen US-Stars gleich gemacht und sich in den sozialen Medien zum Tod von George Floyd geäußert, einem von Polizisten ermordeten Afroamerikaner. Der Tod, der von einer Passantin auf Video festgehalten wurde, führte weltweit zu Entsetzen und zog heftige Unruhen in den USA nach sich. Mit einem Nachfolge-Post wollte die Sängerin dem Verstorbenen  Tribut zollen, überschritt allerdings damit nach Ansicht ihrer Follower die Grenzen des guten Geschmacks. Auf Instagram postete Madonna am Donnerstag ein Video ihres 14-jährigen Sohnes David Banda, wie er knapp drei Minuten zu…
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