Hurts live in München: Dampf in der Schüssel

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Hurts live in München: Dampf in der Schüssel

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Erstaunlich, wie viele Besucher tatsächlich die Texte mitsingen können: Sie haben offenbar richtig geraten, welche Band heute Abend für ein Geheimkonzert das Münchner BMW-Museum beehren würde. Dabei hatte der bayerische Jugendradiosender EgoFm, der die 200 exklusiven Karten im Vorfeld verloste, nicht viel mehr durchsickern lassen, als dass es sich um eine Band handele, „die nicht aus Deutschland kommt“ und noch dazu ein neues Album am Start hat.

Elektropop – aber heavy

Mit dem Titelsong dieses neuen Albums, „Surrender“, beginnt das vielleicht bestangezogenste Synth-Pop-Duo der Welt seinen Auftritt. Hurts aus Manchester haben sich für das Ausnahme-Konzert in der futuristischen Kuppelarchitektur des Automobil-Museums (im Volksmund auch „Museumsschüssel“ genannt) Verstärkung mitgebracht. Neben Theo Hutchcraft and Adam Anderson befinden sich noch zwei Soul-Sängerinnen, ein Drummer, ein Keyboarder und ein breitbeinig agierender Bassist auf der kleinen Bühne. Songs wie „Some Kind Of Heaven“ erscheinen in dieser Live-Umsetzung weit druckvoller als auf Platte, zusammen mit dem Background-Chor schwingt sich Sänger Hutchcraft beim Refrain von (Achtung!) „Rolling Stone“ in höchste Höhen auf, er hebt geradezu ab.

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Wer hätte gedacht, dass der melodiöse, zuweilen bombastische Elektropop von Hurts so heavy klingen kann? An manchen Stellen klingt es fast nach Muse. Dazu ballern die Lichtorgeln so effektvoll, so dass man sich manchmal wünscht, man hätte eine Sonnenbrille mitgebracht. Auch dem durch und durch cool auftretenden Sänger stünde eine solche gut – überhaupt wirkt der 29-Jährige heute Abend wie eine durchgestylte jüngere Version des jungen David Gahan. Dabei haben sich Hurts auf ihrem neuen Album noch weiter vom düsteren Synthie-Pop a la Depeche Mode entfernt und sich stattdessen extrovertierteren Vorbildern aus den 80er-Jahren – etwa Frankie Goes To Hollywood – zugewandt.

Es regnet weiße Rosen

Beim von Soul und Reggae infizierten „Lights“ fordert Hutchcraft das Publikum zum Tanzen auf. So nah konnte man der Hit-Band, die seit 2010 mehr als 1,3 Millionen Alben und drei Millionen Singles verkauft hat, schon lange nicht mehr kommen. Zwischen den Liedern wirft der Sänger immer wieder aus einem dicken Strauß weiße Rosen ins Publikum, die, wie bei einer Hochzeit, für kleine Tumulte sorgen, wo immer sie landen. Links und rechts wird das Spektakel von den Exponaten der gerade im Museum gastierenden Sonder-Ausstellung über den Kompaktwagen „Mini” eingerahmt. Unweit der kleinen Bar steht sogar eine drei Meter lange Stretch-Limousine in „Mini“-Optik. Nach knapp einer Stunde beenden Hurts den Auftritt mit ihrem Synth-Gospel „Stay“. Hutchcraft wirft die letzten Rosen ins Publikum. Zum Glück von der dornenlosen Sorte.

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Gudrun Muschalla
Gudrun Muschalla
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