Jetzt spricht Britney Spears: „Diese Vormundschaft ist missbräuchlich“


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Vor etwas mehr als einem Jahr hat die #FreeBritney-Bewegung an Fahrt aufgenommen, es folgte die aufsehenerregende Doku „Framing Britney Spears“ sowie zahlreiche Proteste – doch die Sängerin selbst sagte bisher nicht viel zu den Bemühungen ihrer Fans.

Der Hintergrund der Bewegung: Ihr Vater über durch seine Vormundschaft volle Kontrolle über die Sängerin aus, deren vermeintlich psychischen Probleme unbewältigt blieben.

Am Mittwoch (23. Juni) erschien Britney Spears via Zoom vor Gericht und bat die Richterin Brenda Penny in Los Angeles offiziell, ihre jahrelange Vormundschaft zu beenden. Dabei sprach sie nicht nur das erste Mal frei von ihren traumatischen Erlebnissen in den vergangenen Jahren, sondern erhob auch heftige Vorwürfe gegen ihre Familie – und insbesondere ihren Vater Jamie Spears, der seit 13 Jahren die Vormundschaft über ihr Leben und ihre Finanzen innehat.

Sie sei auf Lithium gesetzt und in eine psychiatrische Klinik gesperrt worden

Gleich zu Beginn ihrer Rede erklärt Spears, warum sie sich für eine offene Gerichtsanhörung entschieden habe: „Sie haben gute Arbeit geleistet, mein Leben auszunutzen. Deshalb finde ich, dass es eine offene Gerichtsanhörung sein sollte und sie sollten sich anhören, was ich zu sagen habe.“ Die 39-Jährige berichtet daraufhin in einem 20 Minuten langen Monolog von ihren traumatischen Erfahrungen, die ihr in den vergangenen Jahren von ihrem „sogenannten Team“ zugefügt worden seien. So sei sie etwa ohne ihre Einwilligung auf Lithium gesetzt (ein starkes Medikament gegen psychische Störungen, Anm. d. Red.) und vier Monate lang in eine psychiatrische Einrichtung gesperrt worden, so Spears. „Es ist eine starke Substanz. Man kann geistig beeinträchtigt werden, wenn man länger als fünf Monate darauf bleibt“, erklärt sie. „Ich fühlte mich betrunken, ich konnte nicht einmal ein Gespräch mit meiner Mutter oder meinem Vater über irgendetwas führen. Sie ließen mich bei sechs verschiedenen Krankenschwestern.“

„Er liebte die Kontrolle, die er über mich hatte, zu hunderttausend Prozent“

Zudem, meint Spears weiter, werde sie seit Jahren dazu gezwungen, zu arbeiten und Tourneen zuzusagen, ohne Geld dafür zu erhalten oder Pause machen zu dürfen. Sie erzählt: „Ich war im Jahr 2018 auf Tournee. Ich wurde dazu gezwungen… Mein Management sagte, wenn ich diese Tour nicht mache, muss ich mir einen Anwalt suchen, und mein eigenes Management könnte mich vertraglich verklagen, wenn ich die Tour nicht durchziehe.“ Verantwortlich mache sie dabei vor allem ihren Vater, erklärt die 39-Jährige.  „Meine Familie hat nichts getan, verdammt noch mal“, so die Sängerin. „Alles, was ich zu tun hatte, [mein Vater] war derjenige, der alles genehmigt hat. Meine ganze Familie hat nichts getan.“ Sie fügt hinzu: „Er liebte die Kontrolle, die er über mich hatte, zu hunderttausend Prozent.“

„Die Leute, die mir das angetan haben, sollten nicht so einfach davonkommen können“

Die Sängerin behauptet auch, dass ihr verboten worden sei, eine Familie mit ihrem Freund zu gründen. Sie erzählt: „Ich möchte in der Lage sein, zu heiraten und ein Baby zu bekommen. Mir wurde gesagt, dass ich nicht heiraten kann. Ich habe eine Spirale in mir, aber dieses sogenannte Team lässt mich nicht zum Arzt gehen, um sie zu entfernen, weil sie nicht wollen, dass ich noch mehr Kinder bekomme.“ Ihre Vormundschaft beschreibt die Sängerin daraufhin als „missbräuchlich“, ihren Arbeitszwang vergleicht sie mit „Sexarbeit“. „Es ist mein Wunsch und mein Traum, dass das alles aufhört“, so Spears. „Ich will einfach mein Leben zurück. Die Vormundschaft sollte enden. Ich glaube wirklich, dass diese Vormundschaft missbräuchlich ist.“ Sie fasst zusammen: „Die Leute, die mir das angetan haben, sollten nicht so einfach davonkommen können.“

+++Dieser Artikel erschien zuerst bei musikexpress.de+++