Joni Mitchell: Die 50 besten Songs im ultimativen Ranking
Die 50 besten Songs von Joni Mitchell – von „Both Sides, Now“ bis „Coyote“: eine Reise durch fünf Jahrzehnte Musikgeschichte.
„Sex Kills“ (1994)
Mitchell war immer eine meisterhafte Beobachterin. In „Sex Kills“ zoomt sie heraus und nimmt die Gesellschaft im Ganzen ins Visier. Über einem düsteren Electro-Pop-Teppich mit Gitarrenlärm-Salven bilanziert sie das Amerika der frühen Neunziger. Sie zeichnet ein Bild, das heute erschreckend prophetisch wirkt.
„All these jack-offs at the office/The rapist in the pool/Oh, and the tragedies in the nurseries/Little kids packin’ guns to school.“ Jede Strophe mündet in die nüchterne Feststellung, dass „sex sells everything, and sex kills“. Der Song war nicht nur von dem geprägt, was Mitchell um sich herum sah. Sondern auch von dem, was sie hörte. „Ich glaube, es gibt mehr Hässlichkeit“, sagte sie damals. „Ich glaube, sie nimmt zu. Vor allem gegenüber Frauen. Ich war nie Feministin. Aber bis vor Kurzem hatten wir keine Popsongs, die so aggressiv gefährlich für Frauen waren.“ —H.S.
„The Magdalene Laundries“ (1994)
1993 wurde bekannt, dass auf dem Gelände eines der Magdalene-Heime in Dublin – Anstalten, die seit dem 18. Jahrhundert von der katholischen Kirche eingerichtet wurden – ein Massengrab mit 155 Leichen sogenannter „gefallener Frauen“ entdeckt worden war.
Mitchell stieß in der Zeitung auf die Geschichte. Und verwandelte sie in diese entsprechend herzzerreißende Ballade von ihrem hervorragenden Album „Turbulent Indigo“ (1994), erzählt aus der Perspektive einer Bewohnerin, die gegen ihren Willen dort landet, nachdem man sie als „jezebel“ abgestempelt hat.
„Why do they call this heartless place/Our Lady of Charity?“, fragt sie. Und zeigt damit, dass sie religiöse Institutionen ebenso treffsicher kritisieren konnte wie Herzensangelegenheiten. —H.S.
„Man From Mars (Piano Version)“ (1998)
Allison Anders engagierte Larry Klein als Music Supervisor für „Grace of My Heart“. Ein musikalisches Period Piece über die Glanzzeit des Brill Building, zentriert um eine Figur, die entfernt an Carole King erinnert. Klein bat Joni Mitchell, einen Herzschmerz-Song im Blue-Stil zu schreiben. Mitchell sträubte sich zunächst, auf Bestellung zu komponieren. Sie könne Gefühle, die sie nicht gerade durchlebe, nicht einfach heraufbeschwören, erklärte sie.
Dann lief ihr Kater Nietzsche weg. Wie sie erzählte, schrie sie Nietzsche an, nachdem er „zwei Sessel vollgepinkelt hatte“, warf ihn hinaus. Er blieb mehr als zwei Wochen verschwunden. In dieser Zeit konnte sie den Kummer aufbringen, der durch „Man From Mars“ fließt. In der Demoversion, nur auf der Erstpressung des Soundtracks zu hören, wirkt der Song wie direkt aus den frühen Siebzigern. Für ihre Version auf „Taming the Tiger“ (1998) polierte sie das Stück auf und nahm ihm etwas von der Rohheit.
Unter der Hochglanzoberfläche ist der Schmerz noch zu spüren. Doch es ist das Piano-Demo, in dem Mitchell den Geist ihrer frühen Meisterwerke am stärksten heraufbeschwört. —S.T.E.
„One Week Last Summer“ (2007)
In ihren späteren Jahren kehrte Mitchell zu früheren Songs zurück, experimentierte aber auch weiter mit neuen Schreib- und Aufnahmeweisen. Ihr bislang letztes Studioalbum mit neuen Stücken ist „Shine“ (2007), aufgenommen fünf Jahre, nachdem sie verkündet hatte, der Musik den Rücken zu kehren.
Der Opener ist dieses elegant verschlungene Instrumentalstück, das um den unverkennbaren Klang von Mitchells Klavierspiel herum aufgebaut ist. „One Week Last Summer“ gewann 2008 den Grammy für die beste Popinstrumental-Performance. Im selben Jahr, in dem Herbie Hancocks Mitchell-Tribute „River: The Joni Letters“ als Album des Jahres ausgezeichnet wurde. —D.W.
„Night of the Iguana“ (2007)
Dieser Song von Mitchells bisher letztem Album mit neuem Material, „Shine“, trägt nicht zufällig denselben Titel wie Tennessee Williams’ Theaterstück. Wie Mitchell damals sagte: „Er basiert lose auf dem gleichnamigen Film“ – über einen entweihten Priester, dem sexueller Missbrauch Minderjähriger vorgeworfen wird – und fügte hinzu, dass er sich „in das theologisch/ökologische Thema des Albums einfügt“.
Rund 40 Jahre nach ihrem Debüt zeigt der Song, dass Mitchell im Studio weiterhin eine kraftvolle Präsenz sein konnte. Sowohl der Text als auch die Mischung aus elektronischer und akustischer Begleitung machen deutlich, dass sie sich selbst weiterhin herausforderte. Und die Erwartungen ihres Publikums ignorierte. —D.B.
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