Kritik: „The Walking Dead“, Staffel 8, Folge 15: Darum ist der Tod dieser Figur eine sehr schlechte Idee

Kritik: „The Walking Dead“, Staffel 8, Folge 15: Darum ist der Tod dieser Figur eine sehr schlechte Idee

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Die Kritik enthält wesentliche Spoiler!

Jeder Anführer braucht einen Widersacher, der die Macht hat, dessen Entscheidungen zu hintergehen. Aber nicht im gegnerischen Lager. Sondern innerhalb des eigenen Lagers. Chaos schaffen und Hass in der eigenen Truppe säen: Das macht das Drama aus. Denn die eigenen Leute wissen am besten, wie Autorität in Frage gestellt wird. Und dass dies mehr schmerzt.

Rick Grimes hatte Shane, und er zerbrach fast an ihm, deshalb sind die Staffeln eins und zwei von „The Walking Dead“ auch die guten. Seit Shane weg ist, hat Rick keine Konkurrenz mehr, die Sache erlahmt. Negan hatte Simon – das machte die gesichtslose Saviors-Mannschaft halbwegs erträglich, und auch die achte Season gerade noch erträglich.

Nun ist Simon tot, und das ist, neben dem unerwarteten Abschied Carls, der zweite große Fehler in dieser Staffel der Zombieserie.

Shane musste einst sterben, damit Ricks Weg zu Lori frei war, außerdem war es wichtig für die Entwicklung der Figur: Der ehemals aufrechte Cop tötete den besten Freund, so dass eine Vielzahl anderer leben kann (und er selbst überleben kann!).

Warum wurde zuletzt über 30 Ecken ein Verrat Simons konstruiert, an dessen Ende Negan ihn, in der Folge „Worth“, erdrosselt – was sollte denn damit bewiesen werden? Dass der Saviors-Boss über Leichen geht, keine Freundschaften kennt? Wer das nicht längst wusste, der hatte „The Walking Dead“ in den vergangenen zwei Jahren verschlafen.

Steven Oggs Simon war von allen Charakteren, die sich die AMC-Showrunner selbst ausgedacht haben, also nicht in den Comics auftauchen, nach Daryl (Norman Reedus) der zweitbeste. Er ist eindimensional, natürlich, aber sein cartooneskes Auftreten (Ogg wurde durch das Computerspiel „GTA V“ bekannt) war meist ein Genuss. Seine Hassliebe-Szenen mit dem betrunkenen Gregory (Xander Berkeley) offenbaren eine gute Chemie, die anderen Paarungen (Dwight-Daryl, Rosita-Eugene) abgeht.

„Juice and momentum can change the game!“, flüstert Gregory Simon zu, versichert ihm seine Solidarität. Treffender hätte man auch das Motto von „The Walking Dead“ nicht beschreiben können: Es ist immer irgendein „Momentum“, das zu den schrägsten Wendungen führt.

Simons in den vergangenen Episoden angedeutete, unglaubwürdige, unbegründete Abkehr vom Vorgesetzten Negan musste ja auf einen Showdown hinauslaufen – denn falls Negan in Folge 16, dem Staffelfinale, gefangen genommen wird, wäre Simon wohl ein Inhaftierter zuviel (aber wie schön es gewesen wäre, ihm beim Streiten im Gehege mit Gregory zuzusehen).

Erwies Negan sich in der voran gegangenen Episode noch als Entfesselungskünstler Houdini, wendet er zur Aufdeckung des Verrats nun eine einfachere Methode an. Er versteckt sich seelenruhig hockend hinter einer Mülltonne und lässt den nichts ahnenden Simon erstmal erzählen. Der ist auch selbst schuld. Die geheime Versammlung seiner Abtrünnigen hält er am Haupteingang der Fabrik ab, wo sie jeder bis auf drei Meilen Entfernung sieht. Das lässt Negan viele Minuten Zeit um schon mal die Lippen zu spitzen und schließlich zu seiner gefürchteten Todesmelodie anzusetzen, zu dessen Pfiff er hinter dem Abfallcontainer hervorspazieren kann.

Der Faustkampf der Zwei allerdings hat es in sich. Das gibt es leider zu selten bei „The Walking Dead“: Die Gewissheit, dass bei einem Fight einer sterben wird. Oft werden die neun Leben der Katze angewandt, Negan rennt weg, Gabriel wird gerettet, Daryl wacht in einer Grube auf, Glenn wurde dann doch nicht gebissen etc.

The Walking Dead: Eugene beherrscht die Kotzfalle

Was sonst noch geschah:

Gut, seine zwei Briefe hätte Carl sich zwar nicht sparen müssen, aber es war schon klar, was in ihnen stehen würde. Er hat sich am Ende seines Lebens gewünscht, dass Rick und Negan sich die Hand reichen. Besonders gerührt war sein Vater ob der schriftlichen Information, dass in der „Sanctuary“ seines Widersachers auch Leute wie Du und ich leben, Familien, Kinder, alte Leute. Nicht nur Mörder. Rick lässt das sacken und schaut in die Ferne. Überdenkt er jetzt seinen Plan? Hm. Aber war Carl nicht vor sehr, sehr langer Zeit „Gast“ bei Negan? Die demografische Zusammensetzung der Saviors hätte er seinem Vater doch auch etwas eher stecken können als erst im Abschiedsbrief?

Dr. Eugene Porter wiederum hat seine Bestimmung gefunden, als Bösewicht-Parodie. Das wurde auch Zeit, anders lässt sich der Vokuhila-Doc nicht mehr verkaufen. Als Waffen-Konstrukteur verbannt er den jammernden Gabriel auf einen Stuhl in der Ecke (auf dem der Priester auch dann noch folgsam sitzt, als Eugene Stunden später zurückkehrt). Eugene isst eine Knoblauchpaste und imponiert in seinen Durchhalte-Parolen als Army-General: „Negan is M.I.A.!“. Als Eugene schließlich gefangen genommen wird, erkennt er die Situation („I Tried To Rise Above My Biological Imperative“ – man muss ihn einfach im Original hören).

Aus der Knechtschaft befreit Eugene sich schließlich per Kotzfalle – er formt zwei Finger zur Pistole, richtet sie aber nicht auf die Gegner, sondern steckt sie sich in den Mund. Er erbricht seine Gemüsesuppe auf die Frau, in die er verliebt ist, Rosita. Auf der Flucht wendete er einen weiteren Trick an, gelernt von seinem Frisurenvorbild Rambo III: Er versteckt sich im Schmodder und wird nicht gesehen.

Spoiler!

Hier zeigt AMC ein Foto von Zombie-Simon:

Gene Page /AMC
Gene Page /AMC
Kritik: „The Walking Dead“, Staffel 8, Folge 11: Wenn nichts mehr geht, geht Gott
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Die Kritik beinhaltet Spoiler. Negans neue Idee: Die Gegner vom Hilltop zu infizieren. Mit dem Blut der Zombies. Damit sie selbst zu Zombies werden. Das ist verrückt, oder. Ist in der Serie schon mal jemand darauf gekommen? Gegner zu Untoten zu machen – durch Infektion? Oder hat ROLLING STONE da etwas nicht mitbekommen, wie lautet Negans Plan? „The Walking Dead“ umfasst aktuell 110 Episoden in acht Staffeln. Diese Folge, „Flucht nach Hilltop“ („Dead Or Alive Or“), wird als eine derjenigen gelten, in der nichts passiert ist, an das man sich in, sagen wir, Staffel neun noch erinnern wird. Wir haben die…
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