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Neil Young: 45 Jahre „After The Gold Rush“ – der Durchbruch

Neil Young hat in seinem Leben 45 Platten aufgenommen, die vielen Liveaufnahmen und Alben mit Buffalo Springfield oder Crosby Stills & Nash nicht mitgezählt. Darunter sind Meilensteine wie das eisig-erhabene, tiefdepressive „On The Beach“, das Punk reflektierende und Grungerock antizipierende „Rust Never Sleeps“ oder die bewegende Todesahnungsplatte „Sleeps With Angels“. Sogar in jüngster Zeit sind dem Mann mit dem Hut noch Geniestreiche wie der auf sechs Schallplattenseiten gepresste Rock’n’Roll-Sturm „Psychedelic Pill“ gelungen. Aber immer hat Neil Young auch echten Mist produziert. Mal veröffentlichte er einen grauenhaften Soundtrack, mal eine Platte mit Vocoder-Gesang, mal eine irritierende Verteidigung Ronald Reagans.

Mit Notbesetzung im Studio

Vor 45 Jahren erschien „After The Gold Rush“, das Album, das Neil Young als Solokünstler etablierte und ihn in die Charts katapultierte. Das irrsinnig erfolgreiche Folkrock-Quartett Crosby Stills Nash & Young war gerade zerbrochen, gescheitert an Drogeneskapaden, Eitelkeiten und Faulheit der Erstgenannten und an Youngs leicht arroganter Starrköpfigkeit. Dass er einer der besten Songwriter seiner Generation war, hatte er bereits mit den jedes normale Songformat sprengenden und von seinem wimmernden, drängenden Gitarrenspiel geprägten Epen „Cowgirl In The Sand“ und „Down By The River“ bewiesen. Und mit „Ohio“ eben erst einen explizit politischen Song für das Stadien füllende Ensemble geschrieben. Durchsetzen konnte sich der Kanadier gegen die den wohlfeilen Säuselfolk favorisierdenden CSN indes nicht.

Neil Youngs drittes Soloalbum entstand in der wohl wichtigsten Phase seiner Karriere
Neil Youngs drittes Soloalbum entstand in der wohl wichtigsten Phase seiner Karriere

Aber Young hatte ja seine andere, seine eigentliche Band, das Trio Crazy Horse, mit dem er seit 1968 zusammenspielte. Doch als er im Sommer 1970 ins Studio ging, musste Young eine Notbesetzung zusammentrommeln – sein Freund und Gitarrist Danny Whitten hing an der Nadel, nur zwei Jahre später würde er tot sein, gewürdigt in dem herzzerreißenden Song „The Needle And The Damage Done“. Damals, 1970, musste Young zunächst auf seinen Rivalen Stephen Stills zurückgreifen, auf Greg Reeves, der bei CSN&Y Bass gespielt hatte, und den blutjungen Nils Lofgren am Klavier. Die ersten Sessions gestalteten sich schwierig, zumal ein anderer Gastmusiker, der Arrangeur Jack Nitzsche, ständig betrunken war. Nach einer Weile stießen dann doch noch erst Crazy-Horse-Drummer Ralph Molina und -Bassist Billy Talbot dazu, schließlich sogar der heroinabhängige Whitten. Crazy Horse waren angeschlagen, aber wieder komplett.

Kein Kritikererfolg

Das Album, das im Herbst 1970 veröffentlicht wurde, erntete seinerzeit keine euphorischen Kritiken, der amerikanische Rolling Stone bezeichnete es als „halbgar“, doch es gefiel dem Publikum – und wurde zum Millionenseller. Abgesehen von „Southern Man“, dieser gitarrenkreischenden Anklage gegen den Rassismus, dem herrlich schleppenden „Don’t Let It Bring You Down“ und dem überraschenden Countrycover „Oh, Lonesome Me“, sind ausschließlich Liebeslieder darauf – einige der schönsten, die Neil Young geschrieben hat. Da ist das überwältigende, liebestolle „When You Dance I Can Really Love“, das wehmütige „I Believe In You“, das häufig gecoverte, bezaubernd einfache „Only Love Can Break Your Heart“, Neil Youngs jungenhaftes Falsett rührt zu Tränen. Und der Titelsong, von dem kein Mensch – nicht mal Young selbst – weiß, wovon er eigentlich handelt. „There was a band playing in my head / and it felt like getting high“, singt der Kanadier und findet ein Bild für die Kraft der Popmusik, für das, was sie mit uns anstellen kann.

Nach „After The Gold Rush“ erschien mit „Harvest“ ein noch populäreres Album. Danach verstörte Neil Young seine immens gewachsene Fangemeinde mit einem irren Film, einem rumpeligen, unterschätzen Live-Album und dem großartigen, zeitlupenhaften, depressiven „On The Beach“. Aber das ist eine andere Geschichte.

Dick Barnatt Redferns


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Im Werk von Neil Young gibt es einen Widerspruch. Er arbeitet so hart als Songwriter und hat so phänomenal viele perfekte Songs geschrieben. Und gleichzeitig ist es ihm scheißegal. Das liegt daran, dass es ihm um die Essenz geht, nicht darum, ob die Tonart stimmt oder irgendwas verzerrt ist oder nicht ganz sauber aufgenommen. Das ist ihm wurscht. Neil Young hat ganze Alben gemacht, die nicht gerade toll waren, aber statt zu der Formel zurückzukehren, die nachweislich funktioniert, zeigt er lieber, an welchem Punkt er sich gerade befindet. Das ist es, was einem so viel Respekt abnötigt – dass es…
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