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Dan Mangan + Blacksmith Club Meds

City Slang

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Foto: City Slang

Dieser Stimme, diesem wunderbar warm tönenden Bariton könnte man stundenlang zuhören. Zum Beispiel in der Folkrock-Ballade „Mouthpiece“, einer leidenschaftlichen Selbstreflexion der Sorte, die man auch von The National kennt. Dan Mangan trägt Verse wie „You talk about the past like it’s a stranger’s dream“ vor, und der Song entwickelt dabei nach und nach ein irres Tempo, stürzt in einen Erinnerungstraum, einen dunklen Assoziationswirbel.

Bisher kannte man Dan Mangan (wenn überhaupt) eher als Schreiber eingängiger Indie-Folk-Nummern. Vor allem als Sänger des verliebt schunkelnden Singalongs „Robots“. Doch drei Jahre nach „Oh Fortune“ macht er auf „Club Meds“ ernst. Mangan liebt jetzt opulent-komplexe Songentwürfe, er erschüttert in „Forgetery“, singt im hochempfindlichen Finale, „New Skies“, auch mal mit Kopfstimme und macht es seinen Hörern selten so leicht wie in „Mouthpiece“. Er spielt nicht mehr den Romantiker, sondern versucht sich an schwerwiegenden, mitunter politisch motivierten Dramen. Während rechts und links Tonleitern rauf und runter dudeln und Fingerpickings zwischen Störgeräuschen Halt suchen, erzählt Mangan in „Offred“ zu zittrig-zerhauenen Harmonien davon, wie leicht man eine Fußnote der Geschichte wird. „A Doll’s House/Pavlovia“ ist eine betrübte Meditation, „Pretty Good Joke“ entdeckt zu einander überlagernden Rhythmen den Sarkasmus.

Blacksmith, ein Musiker-Kollektiv aus Vancouver, sorgt dafür, dass „Club Meds“ wie eine echte Bandplatte klingt. Hier ein bisschen Post-Rock, da ein wenig Prog-Rock. Und mittendrin der Mann, der einst so schön davon sang, dass auch Roboter Liebe brauchen. Nun entdeckt er im Folkwalzer „XVI“ sein Herz für Marie Antoinette und Ludwig XVI. und verwandelt sie in Wall-Street-Banker, die voller Selbstmitleid die Occupy-Bewegung beäugen: „We’re dying of boredom, there’s nothing to do.“ So schön kann Langeweile sein, wenn Dan Mangan davon singt.

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